Mittwoch, 19.11.2014

Ein letzter Gruß und ein großes Dankeschön!

Ein letztes Mal melde ich mich noch einmal auf diesem Wege über die Blog-Seite. Ich bin seit inzwischen mehr als einem Vierteljahr wieder zurück in Deutschland und bin immer noch mit dem Verarbeiten der vielen Eindrücke und Erlebnisse beschäftigt.

 

Mein Flug zurück in die Heimat war eine Reihenfolge von Extremen. Die Landschaft unter mir verwandelte sich vom üppigen Grün der Victoriasee-Region in sandige Landschaften des südlichen Äthiopiens. Die flachen Tafelberge Ugandas wurden zu einem der gewaltigsten Hochplateaus der Erde. Der Nil als der ultimativ große Fluss verschwand und wandelte sich zu ausgetrockneten Flussbetten um den kenianischen Turkanasee herum. Doch nicht nur landschaftlich war man ständig neuen Eindrücken ausgesetzt; vor allem der Reichtum wurde immer größer, bis er in Dubai gipfelte. Die nachtschwarze Wüste wurde zu einem künstlichem Meer aus Leuchtstoffen. Straßen mit bis zu vier Spuren auf einer Seite, total beleuchtet.

Der Hof vor unserem Haus am letzten MorgenUnser Haus im ersten TageslichtStart am Flughafen Entebbewenn auch sehr verschwommen: ein letzter Blick auf Jinja, aus knapp 4000m Höhe. man erkennt die Quelle des Nils und die HalbinselLake Turkana im Norden KeniasAnflug auf Dubai mit seinen bunt beleuchteten Straßen und Vierteln (die Spiegelung im Fenster einfach nicht beachten ;) )kurz vor der Landung: Dubai

Der Unterschied zwischen dem Flughafen Entebbe und dem International Airport Dubai hätte nicht extremer sein können. Nach 24stündiger Reise, darunter ein elfstündiger Aufenthalt im modernsten Flughafen der Welt, kam ich endlich, begrüßt mit Blitz und Donner in Hamburg an. Dort wurde ich von Familie und Tante abgeholt, die sogar ein Schild dabei hatten! Mit dieser letzten Tortur von Reise endete vorerst das Abenteuer.

Einiges hat mich in dem Jahr vorsichtiger und vielleicht auch ein wenig erwachsener werden lassen (auch wenn ich das noch nicht so richtig wahr haben möchte), das Meiste jedoch sind schöne Erinnerungen an einer wunderbare Zeit! Wenn ich mir jetzt die Bilder ansehe, die ich genau vor einem Jahr gemacht habe, werde ich immer ein bisschen wehmütig und verspüre wieder das mir sehr vertraute Gefühl, welches auch titelgebend für diesen Blog war: Fernweh! Aus genau diesem Grund habe ich mich für ein Geographiestudium an der Technischen Universität Dresden entschieden, da ich glaube, dass die Möglichkeiten, immer wieder mal raus in die Welt zu kommen in diesem Berufsbild sehr hoch sind. 

Im Januar steht mein Rückkehrer-Seminar an, auf dem ich die Leute, die mit mir Ostafrika erlebt und entdeckt haben, im hohen Norden Deutschlands wiedertreffen werde. Damit wird mein Abenteuer Uganda auch erstmal formal abgeschlossen sein. Richtig loslassen wird es mich wohl nicht mehr.

Ich hoffe, dass ich mit meinen hier aufgeschriebenen Erlebnissen den durch Medien meist verschleierten Blick auf Afrika etwas schärfen konnte. Ich habe mich über jeden einzelnen Leser und Kommentar sehr gefreut und bei inzwischen knapp 10.000 Besuchern dieser Blogseite scheinen sich doch überraschend viele Leute für mein Jahr in Uganda interessiert zu haben! An dieser Stelle noch einmal vielen vielen Dank für eure Unterstützung und euer Interesse!

Viele Grüße aus Dresden!

Carl

Eukalyptusbäume in einer Teeplantage im Abendlicht bei Fort Portal auf meiner letzten Reise an das Rwenzori

Montag, 30.06.2014

Das Jahr geht zu Ende...

Elf ganze Monate wohne ich jetzt schon in Jinja am Victoriasee und viele Sichtweisen und Meinungen haben sich bei mir in dieser Zeit verändert. Der Alltag hier hat sich vom spannenden Erleben des Anfangs zu einer gewisse Monotonie und Normalität entwickelt. Manchmal kommen mir Dinge, die ich 18 Jahre als völlig normal empfand, unwirklich vor, wie zum Beispiel das problemlose Trinken von Leitungswasser. Eine Unmöglichkeit, an die man sich in den Tropen schnell gewöhnt. Und auch Palmen haben in meinem Verständnis ihre Urlaubswirkung verloren. Wenn man jeden Tag beim Haus verlassen eine Palme sieht, dann ändert sich die Assoziation Entspannung und Urlaub schnell in: Alltag.

Seit Anfang Juni wohne ich wieder alleine mit Christoph in der Männer-WG in der Kutch Road. Das heißt, alleine stimmt nicht ganz: neuerdings wohnen bei uns äußerst aufmüpfige und ziemlich große Ratten! So kam es, dass wir eines Abends gemütlich im Wohnzimmer saßen und einen Film guckten und ich ließ wie immer meine Zimmertür offen, um den Raum vor dem Schlafengehen noch etwas abzukühlen. Als ich dann schlafen gehen wollte hörte ich ein Rascheln, dachte mir aber nichts weiter dabei. Ich schlief sogar schon, als ich hörte, wie etwas an meinem Türriegel rüttelte, der etwa 20cm über dem Erdboden angebracht ist. Also schaltete ich das Licht an und erstarrte in der gleichen Bewegung. Eine, mir viel zu große, Ratte stand auf den Hinterläufen vor meinem Regal und schaute mich an. Auch wenn jeder jetzt sagt, die Ratte hatte viel größere Angst, als ich vor ihr – dem kann ich nur widersprechen. Durch den zwangsläufig engen Kontakt mit diesen Tieren hat sich bei mir eine regelrechte Phobie entwickelt! Ich zog so schnell wie möglich meine Beine wieder unter das Moskitonetz, holte mein großes Messer hervor und wartete auf eine Reaktion der Ratte. Die dabei empfundene Panik lässt sich nur schwer beschreiben. Die Ratte war inzwischen unter mein Regal nahe der Tür gelaufen und rührte sich nicht mehr. In einem Anflug von Mut traute ich mich für einen Moment aus meinem sicheren Bett heraus und öffnete die Tür so schnell wie möglich, in der Hoffnung, dass die Ratte, die so intelligent war, um zu erkennen, dass der Türriegel Rettung bringen könnte, sich schnell auf den Weg nach draußen begeben würde. Leider rührte sich nichts. Also rüttelte ich am Regal, doch die Ratte pfiff auf die offene Tür und zischte unter mein zweites Regal, welches sehr dicht an meinem Bett stand! Mir war klar: Sollte sie sich unter meinem Bett verkriechen, würde mir eine schlaflose Nacht bevorstehen! In meiner Not rief ich Christoph an, der glücklicherweise auch kam, um mir Beistand zu leisten. Doch als ich ihm die Situation erklärte, hatte er auch Angst.

Erst mit einem geschickt bewegten Besen unter meinem Bett und viel Glück raste die Ratte plötzlich wie von der Tarantel gestochen aus der offenen Tür hinaus in die Freiheit, natürlich nicht, ohne noch einmal meinen Fuß zu berühren!

So wird auch der Alltag wieder spannend, doch hatte es zur Folge, dass ich nun das Fenster und die Tür nachts zu halte, um eine solche Katastrophe zu vermeiden. Resultierend daraus ist die Temperatur nachts bei angenehmen dreißig bis fünfunddreißig Grad!

Die Tage hier vergehen nach wie vor sehr schnell und manches Mal frage ich mich, wo die elf Monate geblieben sind. Die verbleibenden Wochenenden waren sehr schnell verplant und mein Countdown rechts auf der Blogseite zählt Sekunde für Sekunde herunter.

Trotzdem bleibt noch genug Platz um das Leben in dieser angenehmen Klimazone so gut wie möglich auszukosten.

Vor zwei Wochen hatten wir Besuch von zwei Freiwilligen aus Mwanza in Tansania; Tamara und Luca. Wie immer, wenn wir Gäste haben, zeigten wir den Beiden die Besonderheiten Jinjas, wie zum Beispiel die Nilquelle, den Botanischen Garten, das Nile River Camp und als besondere Spezialität, den „All-You-Can-Eat“ Inder! Ein Restaurant, in dem man für knapp fünf Euro essen kann, bis man umfällt. Und noch dazu schmeckt es super gut! Also statteten wir auch dem Inder einen Besuch ab und auf dem Rückweg liefen wir noch an einem Kiosk vorbei, um Wasser zu kaufen, dass man hier ja eben nicht einfach so aus der Leitung trinken kann. Dabei sprang Luca aus Versehen über eine am Bordstein stehende Tasche, die sie zuvor nicht gesehen hatte. Als wir dann am Kiosk standen, kam ein Mann auf uns zu und fragte, ob das unsere oder seine Tasche sei. Zuerst dachte ich, dass er nur nett war und nicht wusste, wem die Tasche gehörte und uns deshalb darauf aufmerksam machte. Doch anschließend fragte er uns, ob das ein Gepäckstück sei oder Müll. Und ehe wir uns versahen machte er uns einen Aufstand, den keiner von uns recht begreifen konnte. Auch nach Luca's Entschuldigung hielt er seinen Ärger nicht zurück und machte stattdessen Christoph an, weshalb er seine Frau nicht im Zaum halten könne. Luca und Christoph waren gemeinsam über die Straße gegangen, in Uganda reicht das gelegentlich für den Bund der Ehe. Erst als Christoph sich nochmals für Luca entschuldigt hatte, wurde der Mann etwas ruhiger und wir konnten gehen. Nach zehn Metern konnten wir unser Lachen nicht mehr zurückhalten. Welche Art von Choleriker macht wegen einer Tasche, die man nicht einmal berührt hatte, einen derartigen Aufstand? Zuerst dachte ich auch tatsächlich an eine ernsthafte, kulturelle Verletzung der Persönlichkeit des Mannes. Doch das es in Uganda erlaubt ist, über jedermanns Taschen zu springen, bestätigten uns später Arbeitskollegen. So war es einfach nur mal wieder der Beweis dafür, dass die Frau in Uganda nichts zu sagen hat, und dass man selten Sätze von Ugandern ernst nehmen sollte. Trotzdem mache ich mir immer wieder Gedanken, ob es einige Kerle nicht doch ernst meinen mit ihrer Aussage: „I want a German girlfriend!“ oder „Give me your sister!“. Anfangs habe ich gelacht und ihnen was lustiges erzählt oder geantwortet. Doch wenn man es dann das hundertste Mal gehört hat, denkt man drüber nach und ich persönlich finde diese Aussagen dann nicht mehr lustig. Diese Kleinigkeiten stören mich an manchen Tagen sehr und ich würde gern ein paar Tage früher nach Deutschland zurückkehren.

Was mir hier jedoch am Meisten fehlt, ist die Helligkeit. Seit elf Monaten geht die Sonne um sieben Uhr auf und um sieben Uhr unter. Dass es in Deutschland zur Zeit bis um halb zwölf abends dämmert, macht mich manchmal ziemlich traurig, denn hier ist es dann schon sehr sehr lange dunkel. Auch würde ich behaupten, dass ich zur Zeit mehr Heimweh habe, als zu Weihnachten! Vielleicht, weil die Rückkehr so nahe liegt und ich etwas zerrissen bin, zwischen dem Leben in Uganda und dem Leben in Deutschland.

Das Deutschland cool ist, hat die Botschaft hier bewiesen. Auch wenn es zur Zeit gar keinen Botschafter, sondern nur einen Konsular gibt, lud die Botschaftsresidenz in Kampala zum gemeinsamen Fußball gucken in den Garten ein. Alle Deutschen in Uganda waren zu freiem Essen (Bratwurst im Brötchen; was für eine Delikatesse!!) und Feibier zu den Vorrundenspielen der WM in Brasilien eingeladen und dieser Einladung kamen wir aus dem nicht weit entfernten Jinja natürlich gerne nach. Nico, der sich hier ein gutes Motorrad zugelegt hatte, nahm mich darauf mit nach Kampala, und statt des ausgefahrenen Highways nahmen wir den Umweg über die Dörfer und das war noch mal richtig schön!

Die Stimmung in der Botschaftsresidenz war super, man traf viele Leute; Freiwillige aus ganz Uganda, die man das Jahr über getroffen hatte und noch dazu spielte Deutschland ziemlich gut.

Leider war das Wochenende des Deutschland-Ghana Spiels wohl etwas zu viel für mich. Seit der Lebensmittelvergiftung war ich etwas zu vorsichtig mit dem Essen und aß lieber gar nichts mehr. Das führte dazu, dass ich 10kg abnahm und mein Kreislauf seit besagtem Kampala-Wochenende erhebliche Probleme machte. So sehr, dass ich noch mal zum Arzt ging und seither sehr vorsichtig sein muss, vor allem was das Nicht-Essen und nächtliche Aktivitäten angeht.

Trotz allem geht es mir immer noch gut hier, aber inzwischen freue ich mich sehr auf den Sommer in Deutschland!

Montag, 16.06.2014

Ostern am Lake Bunyonyi und Fort Portal

Meine Zeit hier in Uganda neigt sich dem Ende zu und so wird das wohl einer meiner letzten Blogeinträge werden! Doch zuerst müssen wir noch ein wenig in der Zeit zurückgehen und zwar zum 18. April, dem Karfreitag. Hannah und ich wollten Ostern am Lake Bunyonyi verbringen, dem gleichen See, an dem ich auch schon Weihnachten war. So machten wir uns auf den weiten Weg nach Kabale im Süden Ugandas an der ruandischen Grenze. Bereits um sieben in der Früh saßen wir im Taxi nach Kampala und doch kamen wir erst lange nach Einbruch der Dunkelheit in Kabale an. Wir standen erst lange am Busbahnhof in Kampala herum, da aufgrund des Feiertags weniger Busse als üblich fuhren und dann braucht man von der Hauptstadt bis an die ruandische Grenze noch gut neun Stunden! Doch wir sahen die Zebras aus dem Lake Mburo Nationalpark bei Mbarara und die hügelige Landschaft, die der Ruandas sehr ähnlich und genauso schön ist. In Kabale angekommen suchten wir nach dem günstigsten Hotel der Stadt, und bei 3€ pro Person kann man sich wirklich nicht beschweren.

Am Karsamstag wollten wir bereits auf Itambira Island sein, der Insel auf dem das Byoona Amagara Project zu Hause ist; quasi ein Campingplatz, der seine Einnahmen jedoch zu fast 100% an lokale Hilfsprojekte spendet. Wir suchten uns ein Taxi zum See und stiegen dort in ein Kanu um, denn das ist der einzige Weg auf die Insel zu kommen. Nach einer Stunde paddeln kamen wir auch endlich auf der Insel an und wir erholten uns quasi für vier Tage von der langen und anstrengenden Anreise. Noch vom Kanu aus konnten wir einen ganzen Schwarm Kronenkraniche beobachten, der mindestens zwanzig Tiere umfasste!

Anreise mit dem Kanu :)Der Lake Bunyonyi sieht manchmal fast so aus wie ein See in SchwedenKronenkraniche im AnflugDer Lake Bunyonyi bei Regen

Der Lake Bunyonyi gilt als zweittiefster See Afrikas und aufgrund seines hohen Mineralgehaltes ist er auch noch bilharziosefrei und so verbrachten wir viel Zeit mit schwimmen, Kanu fahren und, da das Essen dort super lecker ist, auch mit einem Festmahl nach dem anderen. Da ich Weihnachten Probleme mit der Kamera hatte, holte ich nun auch das Fotografieren der vielen bunten Vögel nach. Bunyonyi bedeutet in der lokalen Sprache auch „See der vielen kleinen Vögel“, und der See macht seinem Namen alle Ehre!

ein kleiner gelber Vogel in kleinen gelben Blumen. Dieser Vogel ist auch auf 5000UGX Note abgebildetauch ein interessanter Vogel, wenn auch nicht kleingrün schillernd und super schnell...der superstar schlechthindie Blüte gehört zu einer BananeEine Kronenkranich Familie...hinter dem Linken sieht man das Junge stehennoch mal die zwei gelben :)

Für die Insel hatten wir sogar extra noch ein Federballset besorgt und so waren diese Tage um Ostern einfach nur pure Ferienstimmung, zumal wir nach Abreise einiger sehr lauter, amerikanischer „peacecorps“ Freiwilliger auch alleine auf der Insel waren.

Der See früh am Ostersonntagmorgender Kingfisher, bekanntester Vogel UgandasDer Badestegnochmal ein wunderschön schillernder Vogelund ein EisvogelSeeblick aus dem RestaurantOster-Frühstück :)

Nach vier sehr ruhigen Tagen stand uns dann aber doch noch der Sinn nach etwas mehr und so machten wir uns auf den Rückweg nach Kabale. Doch statt mit einem Auto zu fahren hatten wir uns vorgenommen, die 15km zu laufen.

Ein Ibis in Pose! der stand da so bestimmt 30sec

Also hieß es mittags schon Sachen packen und ins Kanu steigen um wieder das Festland zu erreichen und kaum kamen wir im Fischerdorf an fing auch das erste Gewitter schon an zu grummeln. Nichtsdestotrotz liefen wir gut gelaunt los und auch wenn wir nach ein paar Metern die Regenhüllen für die Rucksäcke auspacken mussten, war es eine sehr schöne Wanderung durch die Hügel. Als wir die den Kamm der Grenzberge des Lake Bunyonyi erreichten hörte auch der Regen auf und wir hatten einen atemberaubenden Blick auf den See, die umliegenden Berge und die uns umgebenden Gewitter! Von dort an ging es ausschließlich abwärts, wir konnten Kabale noch von oben betrachten und nach gut drei Stunden Wanderung kamen wir ziemlich erschöpft im gleichen, billigen Hotel an.

Paddeln übern SeeBlick vom höchsten Punkt unserer Wanderung und nach dem RegenWeiter hinten am Horizont hat es ganz schön doll gewittertBlick auf den Weg vor uns und ins TalEine schöne Wanderung durch so etwas ähnliches wie eine AlleeKabale von oben

Am nächsten Tag wussten wir zuerst nicht so richtig, wohin uns unsere Reise jetzt noch führen sollte und so streiften wir den Vormittag durch Kabale, fanden sogar ein sehr nettes Kaffee und entschieden uns schlussendlich für Fort Portal. Aufgrund des schlechten Wetters trauten wir uns nicht nach Kisoro, denn der einzige Grund dorthin zu fahren wären die Virunga-Vulkane und wenn man die dann nicht sehen kann, gibt es sonst nichts in der kleinen Stadt.

Die Fahrt nach Fort Portal war wieder unheimlich anstrengend. Wir fuhren etappenweise und der erste Stopp war Mbarara, die Hauptstadt der Ankole. Wir tranken dort einen Kaffee und machten einen größeren Einkauf im dortigen Nakumatt, einem großen Supermarkt aus Kenia, den es in Jinja leider nicht gibt. Danach suchten wir ein Taxi, das uns ohne Zwischenstopp nach Fort Portal bringen würde, doch daraus wurde leider nichts. Obwohl der Fahrer beteuerte, dass dies ein Nonstop-Taxi sei, wurden wir schon in Bushenyi herausgelassen und in ein anderes Taxi verfrachtet, welches und nach Kasese bringen sollte. Kurz vor dem Queen Elizabeth Nationalpark wurde es dann auch dunkel und erst um elf und nach einem weiteren Taxiwechsel in Kasese erreichten wir Fort Portal.

In der Stadt am Rwenzori gibt es eine Außenstelle von BSPW, meiner Einsatzstelle. Also beschlossen Hannah und ich uns dass mal anzugucken und fuhren mit dem Boda Boda bis dicht an die Berge heran, bis wir die Werkstatt endlich fanden. Sie ist viel kleiner als die in Jinja und offenbar auch um einiges entspannter! Als wir dort ankamen fanden wir niemanden vor außer einer Lehrerin der benachbarten Schule. Diese suchte mit uns zusammen dann Patrick, den Leiter der Werkstatt und wir fanden ihn auch. Barfuß, in kurzen Hosen in einer Kneipe. Und das immerhin an einem Wochentag. Er war jedoch sehr nett und führte uns herum, leider war der Mechaniker nicht da, laut Patrick ist er schon seit einer Woche nicht mehr dort aufgetaucht. Also trieben wir uns dort etwas herum und machten uns dann auf den Weg zu Sonjas Arbeitsstelle, dem Tooro Botanical Garden, auch TBG genannt.

Die Kneipe, in der wir Patrick, den Chef von BSPW Fort Portal, fandenDas Office dort...alles etwas kleiner als in Jinja

Das ist ein sehr schönes und großes Gelände am Rande Fort Portals, auf dem sogar echte Erdbeeren, aber auch exotische Blumen wachsen. Sonja zeigte uns ihr Projekt im Garten, eine Art Baumschule, und abends gingen wir zusammen mit vielen anderen Fort Portal Freiwilligen im Dutchess, einem europäischen Restaurant essen und danach noch in eine Kneipe Billard spielen.

Exotische Blüte im TBG

Den nächsten Tag lud uns Enrico, einer der Freiwilligen ein mit ihm auf einen nahegelegenen Campingplatz in den Bergen zu kommen und so fuhren wir am Samstagnachmittag los. Leider wurde unsere Bodafahrt durch ein kräftiges Gewitter gestört, die Regenzeit hat sich zu dieser Zeit ordentlich ausgetobt, und so kamen wir erst spät an.

Das Rwenzori ragt wie eine gigantische Wand aus der Landschaft heraus und der Campingplatz befand sich auf halber Höhe der Wand. Daraus ergab sich ein super Blick über die vor einem liegende, flache und von Bananenstauden überzogene Landschaft bis nach Fort Portal. Es war wahnsinnig schön dort. Als es dunkel wurde und unser Zelt bereits stand bekamen wir noch Abendessen vom Campingplatzbetreiber und dazu noch ein Lagerfeuer. Dort oben, irgendwo im nirgendwo war es stockduster in der Nacht. Und trotzdem brachten die Jungs vom Platz plötzlich das Lagerfeuer unter das Dach. Ich habe ihn gefragt wieso er das macht und er antwortete mir, dass es gleich regnen würde. Ich sah mich um, sah in Richtung Ebene und sah nichts außer undurchdringlicher Finsternis. Ich könne draußen nichts sehen und wieso er glaube, dass es gleich regne, fragte ich ihn. Seine Antwort: „You can´t see it, but you can hear it come“, also ich könne es zwar nicht sehen, aber hören. Enrico, Hannah und ich spitzten die Ohren und tatsächlich. Ganz leise konnte man ein Rauschen hören, ein Rauschen entstanden durch tausende kleine Regentropfen auf abertausenden Bananenblättern. Ich war total beeindruckt von der Umweltwahrnehmung unserer Gastgeber. Das ist einer der ganz großen Unterschiede zwischen den Leuten im Osten und im Westen. Während Natur im Großraum Jinja etwas Störendes ist, was man auch in eine Industrieanlage verwandeln könnte, ist im Westen die Natur und Umwelt bei den Leuten ein wichtiger Bestandteil ihrer Existenz. Nie hätte in Jinja jemand so genau auf die Zeichen seiner Umgebung gehorcht wie der Besitzer des Campingplatzes. Nachdem das Lagerfeuer unter dem Dach war, wir satt gegessen und ich fertig mit Staunen war saßen wir noch ziemlich lange bei etwas Bier und Rum um das Lagerfeuer und genossen die Entfernung zu jedweder Zivilisation.

Blick in die Ebene vom Rwenzori ausGanz hinten liegt Fort Portal, aber das erkennt man auf dem Foto leider fast nichtEin sehr luftiger Zeltplatz

Am Sonntag dann wollten wir uns die Kyaninga Lodge ansehen. Ich habe bei jedem Besuch in Fort Portal von dieser sagenhaften Lodge gehört, sie aber nie zu Gesicht bekommen. Also fuhren wir dort hin und waren tatsächlich beeindruckt. Die Lodge besteht aus großen Holzhäusern die direkt am Hang eines Craterlakes stehen. Der Kyaninga Craterlake ist dazu noch ein wunderschöner, grünlich schimmernder See, von steilen, felsigen Kraterwänden begrenzt und zu allem Überfluss kann man darin sogar noch baden!

Der Kyaninga CraterlakeIrgendwo in diesem Dickicht wohnen die auffälligen und relativ seltenen Colobus AffenUnser Platz am See für einen ganzen Tag

Da es so schön dort war beschlossen wir auch den Folgetag noch dort zu verbringen und hatten noch einen schönen Ferientag. Abends setzten wir uns dann auf eine der Terassen über dem See und hatten einen atemberaubenden Blick auf das Rwenzori Gebirge. Außerdem konnte man im Nordwesten des Graben des Semliki Valley sehen, aus dem, nach einem Gewitter, dichte Wolken aufstiegen, die Nordflanke des Rwenzori einhüllten und allem einen unwirklichen Charakter gaben. An diesem Abend haben Hannah und ich fast einhundert Fotos gemacht, um dieses Spektakel angemessen einzufangen, aber es ist uns nicht so richtig geglückt.

Da ganz vorne ist ein alter Vulkankegel...im Hintergrund das RwenzoriDie Lodge am Hang zum Craterlake...eine Übernachtung kostet 400$!!!die interessanteste Echse die ich je gesehen habe. sie kann sich seitlch aufstellen, wechselt leicht die Farbe und ist sehr angriffslustigKarin? hast du einen Namen? :pDas gigantische Gebirge!Im Norden versinken die Berge in Wolken, die aus dem Semliki Valley aufsteigenHinter der Nebelgrenze geht es runter...in das Gegenstück zum Great Rift Valley in Kenia; das Semliki Rift Valley, in dem sich auch ein Nationalpark befindetEine unbeschreibliche StimmungBerge werden zu Wolken :)...

Dann irgendwann waren wir nicht mehr sonderlich motiviert noch mehr zu reisen und so packten wir unsere Sachen und fuhren ungewöhnlich schnell in nur sieben Stunden zurück nach Jinja.

Doch genau in diesen sieben Stunden habe ich es tatsächlich nach gut neun Monaten geschafft, mir einen schlechten Chapati zu kaufen, weshalb ich mit drei Wochen Lebensmittelvergiftung und Antibiotika gestraft wurde. In dieser Zeit passierte aus gegebenem Anlass nicht besonders viel und schon waren die drei Monate mit Hannah herum. Ein letztes Mal besuchten wir den Mabira Forest und noch einmal die Hauptstadt Kampala und schon waren wir auf dem Weg zum Flughafen und seit dem 31. Mai bin ich wieder alleine hier in Uganda.

die Gaddafi Mosque in Kampalader große Kronenleuchterund der Torbogenund auch mal wieder ein Bild von mir auf dem MinarettGrüne Meerkatzen am Nildie waren sehr zutraulichSchmetterling im Mabira ForestAn alle, die schonmal da waren. Am Anfang des Wanderweges im Mabira stand ein riesengroßer, toter Baum....der wurde nochmal vom Blitz getroffen und liegt jetztIch als Schmetterlingsforscherund man hat ganz schön große gesehen :)Regenwald feelingEin 20cm langer Tausendfüßler...irgendwie ekelhaft. die sind sogar giftig!!Größenvergleich mit den Riesenbäumenich bin 1,90....der Baum ist um viiiieles größer

Wie sich mein Blickwinkel auf den Alltag verändert hat und noch ein paar schräge Begegnungen mit Ugandern, dass erzähl ich beim nächsten Mal...

Dienstag, 20.05.2014

Elefanten und Paviane – Rundreisen durch Uganda mit Hannah

 Erst als es dunkel wurde, machte ich mich auf den Weg nach Entebbe. Mit Malte, Nico und Adriaan fuhr ich nach Kampala und während meine Mitfreiwilligen sich auf eine Kneipen- und Clubnacht in der Hauptstadt freuten, stand mir eine Nacht, oder zumindest eine halbe, im Flughafen Entebbe bevor.

Flugzeuge der Turkish Airline landen freundlicherweise frühmorgens gegen vier in Entebbe. Da um diese Zeit die öffentlichen Transportwege nicht existieren, muss man eben ein paar Stündchen in einer klitzekleinen Flughafenbar ohne Kaffee warten.

Dennoch klappte alles gut und um fünf saßen ich mit Hannah schon im Taxi nach Kampala; mit einem riesen Haufen Gepäck. Hannah hatte sich die Option offen gehalten, für bis zu drei Monaten in Uganda zu bleiben; da reicht natürlich nicht nur ein Koffer.

Mit Sonnenaufgang erreichten wir, beide todmüde, Jinja. Doch statt Ruhe und wirklich nötiger Entspannung erwarteten uns Christoph und vier Freunde von ihm. So waren statt üblicherweise zwei Bewohnern des Hauses in der Kutch Road, von heute auf morgen sieben Leute dort einquartiert. Die folgenden Tage waren trotz allem sehr spaßig. Durch den zahlreichen Besuch kehrte zwar nie richtig Ruhe ein, doch dafür auch niemals Langeweile. Christoph fuhr auf das Uganda-Seminar nach Bushenyi - auf welches ich nicht musste, da meins ja in Tansania stattfand - und wir verbrachten ein buntes Leben.

Nach ein paar Tagen kreuzte dann bei Hannah und mir die Abenteuerlust auf und wir fuhren spontan über ein Wochenende zu den Sipi-Falls. Einen genauen Ablauf werde ich an dieser Stelle jedoch nicht schreiben, da ich schon zweimal über die größten Wasserfälle Ostafrikas berichtet habe. Nur eines war anders dieses Mal: Es war das Ende der Trockenzeit und vor allem: Das Ende des Grün. Bäume, Blumen und sogar das Gras waren braun. Und dieser Wassermangel spiegelte sich nicht nur in der Flora wider, sondern leider auch in den Wasserfällen. Statt imposanter Wassermassen war nun nur noch ein kleines Rinnsal vorhanden.

Der größte Sipi-Fall durch die Trockenzeit sehr verkleinertAber einen Regenbogen gabs :)nun ein Vergleich: Dieses Bild ist aus der Trockenzeit im MärzUnd dieses aus dem September 2013 in der Regenzeit. Man erkennt links den gleichen Busch und am Abhang das gleiche Haus!Blick aus dem Zelt am nächsten Morgen :)Und eine bunte Echse als Frühstücksgast

Der Fall, in dem man duschen kann, war nur noch halb so groß, was uns jedoch nicht davon abhielt, trotzdem zu duschen. Nach einem würdigen Sonntagsfrühstück in der Sipi River Lodge und einer kleinen Wanderung durch die heiße Sonne fanden wir am Sonntagvormittag tatsächlich ein Boda, dass uns zum nächsten Taxi und damit nach Mbale brachte. Das Boda musste allerdings bis zur Hauptstraße nach Moroto herunterfahren und damit konnten wir die Abfahrt vom Mount-Elgon-Massiv in die Karamoja-Ebene auf einem Motorrad erleben. Doch von Erfrischung und kühlem Fahrtwind, wie es sonst der Fall gewesen wäre, war an diesem Tag nichts zu spüren. Es war so heiß, dass wir bei voller Fahrt auf einem Boda schwitzten. Daraus resultierte vermutlich auch der länger währende Sonnenbrand, den wir uns, zurück in Jinja, eingestehen mussten.

Doch das sollte nicht unsere einzige Reise bleiben: Ziel war die Stadt Masindi im Westen Ugandas und der angrenzende Murchison Falls Nationalpark. Nur stellte sich dabei ein Problem heraus. Ohne eigenes Fahrzeug ist man nicht in der Lage, einen Nationalpark zu betreten. Und erst am Tag vor der Abreise entschlossen wir uns dazu ein Auto zu mieten. Malte vermittelte uns an einen preisgünstigen Verleiher und so hatten wir für die folgenden vier Tage einen funktionstüchtigen Toyota Corona Premio Automatikwagen zur Verfügung; allerdings kein Allradfahrzeug, was laut Reiseführer für die Nationalparks essentiell ist. Dieser Hinweis hat durchaus seine Berechtigung, doch das sollten wir später am eigenen Leib erleben...

Für mich war erstmal allein der Gedanke an das Fahren schon eine Herausforderung. Hannah hatte ihren Führerschein nicht nach Uganda mitgenommen und so war es nur mir erlaubt, auf den Straßen zu fahren. Aber ich war das letzte Mal Ende Juli 2013 gefahren und so hatte ich erst einige Bedenken.

Aber Technik macht alles möglich und ein Automatikwagen war kein Problem. Und so starteten wir morgens um sieben am 13. März 2014 nach Kampala mit dem Ziel Masindi. Die Fahrt verlief ohne Probleme, nur in Kampala verfuhr ich mich einmal, da Straßenschilder eher die Ausnahme sind und so verpassten wir die Ausfahrt nach Gulu, also damit die Straße nach Masindi. Es war warm, trocken und wir hatten jede Menge Spaß. Die Polizei stoppte uns auch nicht und nur manchmal musste man auf dem wenig befahrenen, sehr gut ausgebauten Highway, anhalten, weil eine Kuh die Straße kreuzen wollte. Sechzig Kilometer vor Masindi machten wir eine Rast mitten in der Dornsavanne, die die Landschaft Nordugandas prägt.

Kurz vor Masindi erwischte uns dann doch noch ein Gewitterschauer, aber auch den überstanden wir gut. In Masindi angekommen suchten wir das Hotel, dass wir uns im Reiseführer herausgesucht hatten: umgerechnet fünf Euro die Nacht, da kann man nicht meckern. Und Frühstück gab es auch noch dazu. Ein weiterer Vorteil war die Nähe zum Headoffice des Murchison Falls Nationalpark. Doch genau jener Weg wurde uns zum Verhängnis: Schon kurz nach unserer Ankunft im Hotel fing es an zu donnern und zu blitzen. Da das Büro vom Nationalpark nur zweihundert Meter entfernt lag gingen wir trotzdem los. Kaum dort angekommen öffneten sich die Himmelspforten und schüttete. Da ich Hannah sowieso einen waschechten, ugandischen Regen zeigen wollte, kam mir der Gewitterschauer recht gelegen. Nur leider wollte es nicht mehr aufhören. Auch nachdem wir eine Karte über den Nationalpark und zahlreiche Informationen erhalten hatten, regnete es immer noch und abenteuerlustig entschieden wir uns dafür, schnell zum Hotel zu laufen, was mit Gelächter von den Büroangestellten endete. Nichtsdestotrotz liefen wir los und schon nach zehn Metern waren wir wie geduscht. Die Straße, die zur Hauptstraße führte und die wir kreuzen mussten, um zum Hotel zu gelangen, war ein einziger Fluss geworden. Mit etwas Sprungkraft konnte man sie ganz gut passieren, aber Hannah hatte nur Latschen an und bei ihrem Sprung fiel eine in die reißenden Fluten. Statt zu warten, bis das Wasser zurück gehen würde und sich den fehlenden Schuh wiederzuholen, schmiss sie ihren zweiten kurzerhand hinterher.

Als wir am nächsten Tag losfuhren, sahen wir einen noch im Straßengraben liegen. Doch immer wieder zeigt sich: Regen in Uganda ist etwas ganz anderes als in Deutschland.

Ein weiteres Indiz für diesen Unterschied sahen wir dann noch auf der Straße zum Nationalparkeingang. Der Weg bestand aus Erde und Geröll und war trotz nächtlichem Regen aufgrund des regen Verkehrs, der alles plattfuhr, relativ gut befahrbar. Doch an einer Stelle war der Weg aufgelockert, vermutlich um ihn in einem weiteren Arbeitsschritt wieder plattzuwalzen.

Da der Weg nun völlig lose war und durch den Regen richtig schön aufgeweicht hatten wir mit unserem Auto gehörige Probleme. Hätte ich auch nur einmal wegen Gegenverkehr oder ähnlichem anhalten müssen – wir hätte das Auto nur noch mit einem Traktoren bewegen können. Der Wagen schlingerte hin und her, wollte mal in den linken und mal in den rechten Straßengraben und hatte überhaupt keinen Halt mehr auf dem Boden. Durch andauerndes Gegenlenken und mit viel Glück schafften wir es durch diese Stelle. Hätte es zu dem Zeitpunkt noch geregnet, wäre Gegenverkehr aufgetaucht oder wäre es bergauf gegangen, dann hätten wir unseren Ausflug in den Nationalpark begraben können.

Aber es lief alles gut und schon gegen neun waren wir an der Nationalparkgrenze und nach einem mal wieder erschreckend kostenintensiven Eintritt erreichten wir das Budongo Forest Reserve, welches angeblich sogar Schimpansen beherbigt. Wir sahen allerdings „nur“ Paviane und die in großer Anzahl. Bei der ersten Gruppe hielten wir noch an und machten Fotos.

Eine Pavian-Familie blockiert die StraßeUnser Auto von vorne ;)

Bei der zweiten auch noch. Doch ab der dritten, vierten und fünften schwand das Interesse und wir wollten endlich Elefanten, Giraffen und Nilpferde sehen. Im Nationalpark war es auch Hannah möglich zu fahren, denn dort gibt es keine Polizeikontrollen und so tauschten wir das Lenkrad und die Kamera immer hin und her. Nach zwei Stunden Fahrt durch den südlichen Teil des Parks kamen wir an den Nil und zur Fähre, die uns in den tierreichen Norden bringen sollte. Wir mussten noch mal zahlen, die Fähre, und nach einer halben Stunde warten zusammen mit einem super großen und durch eine gespaltene Nase gefährlich aussehenden Pavian fuhr ich dann über zwei super dünne Betonbalken das Auto auf die Fähre, die mehr ein schwimmendes Floß war.

Der Nil an der FährstationDas Auto und ich in der Schlange. Im Hintergrund sieht man den Paviankein schlitzohr sonder eine schlitznase. Ein Pavian ohne AngstDie Fähre, oder eher: das Floß. unser auto rechts in der ersten reihe ;)

Nach erfolgreicher Querung sahen wir auch schon das erste unserer Wunschtiere: Eine Herde Nilpferde lag in Ufernähe im Wasser und machten ein beeindruckendes Bild. Durch diese großen Tiere nochmals motiviert fuhren wir durch die Nordhälfte. Und zuerst war nichts anderes zu sehen als Lodges und Hotels. Schon beinahe etwas enttäuscht, aber von der unglaublichen Weite und Exotik der Landschaft doch begeistert fuhren wir immer weiter, auf gut ausgebauten Sandwegen, die aber auch nur zu der Zeit mit einem normalen Auto befahren werden können. Denn in der Regenzeit ist hier hundertprozentig ein Allradfahrzeug notwendig. Auf einmal rief Hannah dann etwas, ich stieg auf die Bremse und wir sahen den ersten Elefanten. Der erste freilebende Elefant in meinem Leben; er lief munter durch die Landschaft, an einer Palme vorbei und futterte hin und wieder mal was von einem Busch.

Eine Antilopen mit großen HörnernMein erster, freilebender Elefant läuft durch die LandschaftUnd er frisst am Busch :)

Berauscht von unserem Glück fuhren wir weiter und sahen keine fünfhundert Meter weiter noch mal Elefanten, gleich drei auf einmal und dieses Mal sogar mit Baby. Sie standen an einem kleinen Abhang, an dem die Straße ganz knapp vorbei führte. Also fuhren wir ganz langsam bis zu dieser Stelle, stiegen aus und schlichen uns, mit Kamera und Stativ bewaffnet an die Elefantenfamilie heran. So kamen wir bis auf wenige Meter an die großen Tiere heran und konnten tolle Fotos machen. Es ist schon unglaublich beeindruckend, so ein großes Lebewesen so dicht und ohne Zaun und in seinem angestammten Lebensraum zu sehen. Nahezu unbeschreiblich.

Die Landschaft des MurchisonElefanten am Abhang. Dort haben sie sich mit ihrem Rüssel mit dem roten Sand eingestaubt ;) links hinter dem rechten elefanten ist das baby zu erkennenElefant ganz dicht :)Und das Beweisfoto: Wir waren wirklich da!

Auf unseren weiteren Wegen sahen wir noch mehr Elefanten, Antilopen, Warzenschweine und sehr lustige Vögel.

Warzenschwein-Familie :)Und ein lustiger Vogel...was das wohl ist?Ein Tier wie aus einer FantasieweltUnd der Nil an seine Mündung in den Lake Albert

Wir fuhren viele Wege ab, doch der Murchison Park ist so groß, dass 24 Stunden einfach nicht reichen und wir mussten uns irgendwann entscheiden, ob wir auf dem „Top of the Falls“ Campingplatz zelten wollten oder ob wir einen Weg abfuhren, auf dem man eventuell Löwen sehen konnte. Doch irgendwann waren wir ziemlich am Ende, vom ständigen herumfahren und beobachten. Also wollten wir auf den Campingplatz zu den Wasserfällen und nachdem wir Hyänen gesehen hatten, tat es uns um die Löwen auch nicht mehr allzu Leid. Auf die richtigen, sogenannten „game drives“, also die wirklichen Beobachtungsrouten, kamen wir mit unserem Auto sowieso nicht, und trotzdem hatten wir das Glück von den Hauptwegen aus eine Herde Giraffen zu sehen! Damit waren die Wunschtiere abgehakt, einzig und allein Hannahs Wunsch, das Zebra, war nicht aufzufinden. Doch das gibt es im Murchison Falls auch leider fast gar nicht.

Ein lächelnder ElefantUnd ein Vogel auf dem Elefanten :)Wilde Hyänen...die sehen wirklich so böse ausUnd heiß war ihnen offensichtlich auchGiraffen!!! :) leider sehr weit wegUnd noch mal die Fantasie-Antilope mitten auf dem WegDas ist mein persönliches Lieblingsbild!Und Kaffernbüffel gab es auch...

Wir erwischten die vorletzte Fähre des Tages und konnten so den Nilpferden noch einmal winken, die sich extra in Position für ein tolles Foto gestellt hatten.

Mächtig gewaltige Tiere, diese NilpferdeIch hab mich trotzdem bis ans Ufer gewagt ;)

Kurz bevor wir auf die Fähre rollten, sah ich noch einen Panzer mit Begleitautos und knapp 20 Soldaten Richtung Norden fahren. Da wird einem wieder bewusst, wo man sich befindet. In Norduganda gibt es immer noch zahlreiche Konfliktherde und Sicherheitslücken. Durch die vielen Flüchtlingscamps der Südsudaner, die vor einem Genozid flüchten mussten und die immer noch herrschende Angst vor Joseph Kony, dem Rebellenführer, der zahlreiche Kinder zu Soldaten machte und ganze Dörfer plünderte, sind ganze Gebiete unter totalem Militäreinfluss. In Jinja bekommt man davon nicht viel mit, in Deutschland noch viel weniger, aber dort, im Norden Ugandas ziemlich deutlich.

Mit dem letzten Tageslicht erreichten wir die namensgebenden Murchison Falls und konnten noch einen ersten Blick auf die tobenden Wassermassen erhaschen, und trotzdem konnten wir die schiere Gewalt des Nils an dieser Stelle bloß erahnen.

Die Sonne geht unter...AFRIKA! Auf dem Schild steht: Top of the Falls --> 12 KmUnd ein Termitenhügel in der untergehenden Sonne

In totaler Finsternis, immerhin waren wir in einem Nationalpark weit ab von jeder Zivilisation, erreichten wir den UWA-Campingplatz, genannt „Top Of The Falls“, da der Zeltplatz direkt oberhalb des Wasserfalls liegt und man die Wassermassen rauschen hören konnte. Auf dem Zeltplatz trafen wir drei Schotten; Sportfischer, die große Flussbewohner aus dem Nil holen und im Nationalpark ein Leben á la Hemingway führen. Doch sie waren ungeheuer sympathisch, luden uns zum Abendessen ein (selbst gefangener Nilbarsch mit Spaghetti und Kohlsalat – richtig lecker) und erzählten ein paar wilde Geschichten von gefräßigen Krokodilen, wilden Nilpferden und Leoparden. Ob diese Geschichten stimmen war nicht ganz klar, da alle drei unter der Wirkung des Rauches einer grünen Pflanze standen und sie uns am nächsten Morgen von lauten Geräuschen erzählten, die wir jedoch nicht mitbekommen hatten. Trotzdem war es sehr angenehm ihren wilden Storys zuzuhören und so hatten wir einen äußerst angenehmen Abend über den großen Murchison Falls.

Am nächsten Morgen mussten wir um neun schon den Nationalpark verlassen, da die Eintrittsgebühr nur für 24h gilt. Doch der eine Schotte vom Vorabend arbeitete selbst in der Tourismusbranche Ugandas; er gründete ein Safariunternehmen in Kampala, und er beruhigte uns und meinte, wenn wir eine Stunde später kommen, ist das auch nicht schlimm.

Der Top of the Falls Zeltplatz...im Hintergrund sieht man den Nil durch die Büsche

Und so schauten wir uns noch ganz in Ruhe den gewaltigen Murchison Wasserfall an. Mehr Gewalt kann Wasser nicht haben: der breite Nil wird hier durch einen sieben Meter breiten Felsspalt gepresst und stürzt dabei 42 Meter in die Tiefe! Wenn man auf dem Felsen über dem Wasserfall stand, dann spürte man ein Vibrieren, wenn das Wasser an die Felsen klatschte. Dieser Wasserfall ist selbst mit Fotos nicht auszudrücken, weshalb ich dieses eine Mal ein Video hochgeladen habe: http://youtu.be/gyrDHC69gj8 (Einfach auf den Link klicken!)

Der Murchison Fall von obenUnd der Nil nach dem gewaltigen Wasserfall

Gegen halb zehn hatten wir den Nationalpark wieder verlassen und wollten nach Fort Portal fahren. Da ich mich nicht noch einmal durch den schlechten Weg zum Anfang quälen wollte, wählten wir eine andere Route, die zwar länger, dafür aber auch für 80km am wunderschönen Lake Albert vorbeiführte. Auf der linken Seite den Nationalpark mit Pavianen und Antilopen und auf der rechten Seite Halbwüste mit dem angrenzenden See dahinter. Afrika pur. Noch dazu das wunderschöne Wetter und das eigene Auto ergaben ein wunderbares und allumfassendes Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Kurz vor Biiso, der Stadt in der es nach Hoima und Fort Portal abging, führte die auch noch auf das Grenzgebirge des Semliki Rift Valleys, dem westlichen Gegenstück zum Great Rift Valley in Kenia und Tansania. Nur das hier in der Kontinentalverschiebung ein See liegt. So konnten wir aus Vogelperspektive den See, den Nationalpark und unsere Straße sehen: unbeschreiblich schön. Und wieder einmal waren unsere einzigen Weggenossen Paviane, die ebenfalls den Ausblick zu genießen schienen.

Das Ausgangstor des Murchison Falls NtionalparkesAnkole-Rinder in der Steppe vor dem Lake AlbertUnsere Straße durch die SteppeUnd der Blick von der Anhöhe auf den See und die Steppe, auch genannt Katonga Wildlife ReserveEin Pavian schlendert die Straße entlangNoch ein Blick zurückOben im Grenzgebirge des Semliki Rift Valleys. Im Hintergrund der Lake Albert und in der Luft ein Bussard

Die Fahrt nach Hoima und weiter nach Fort Portal war ebenfalls schön, auch wenn es über schlechte Straßen ging und wir zweimal von der Polizei angehalten wurden. Aber da wir uns ja korrekt verhalten hatten, passierte nichts weiter; einmal wollten sie sich nur mit uns unterhalten. Das Wetter war den ganzen Tag schön, wir nahmen Tramper mit und hatten einen schönen Road Day.

Ein alter LKW quält sich einen Hügel hoch....da kann das ruhig schon mal ein bisschen qualmen ;)

Das Unglaublichste an diesem Tag passierte aber erst am Abend. Kurz vor Fort Portal muss man noch den Kibale Forest Nationalpark durchqueren. Ein sehr schöner Regenwald, der die größte Schimpansengruppe der Welt beherbergt. So fuhren wir in der Abendsonne durch diesen Wald und hinter einer Kurve steht eine Polizeistreife und hält den Arm hoch. Wir dachten natürlich an eine Kontrolle, doch beim dichter kommen, erkannten wir eine Kamera in der Hand des Polizisten. Er fotografierte etwas schräg hinter uns. Also fuhr ich an der Streife vorbei, Hannah drehte sich um und auf ihren Ruf stoppte ich sofort den Wagen: Hinter uns, keine 100 Meter entfernt stand ein Waldelefant! So unverhofft und plötzlich, dass wir fast vergaßen Fotos zu machen. Waldelefanten sind aufgrund der regen Wilderei sehr selten geworden. Und dieses Exemplar stand direkt an der Straße und fraß sich durch die Büsche. Dass es etwas besonderes war konnte man daran erkennen, dass sich selbst die Ugander im Matatu umdrehten und der Fahrer halb aus dem Fenster hing. Das Polizisten Fotos machen ist auch eher ein seltenes Phänomen. So ein Glück muss man haben!

Der Waldelefant :) etwas kleiner als seine Artgenossen aus der Steppe und auch ein bisschen haarigermunter läuft er durch den Wald

In Fort Portal war nicht mehr viel los, wir gingen abends noch mit den dortigen Freiwilligen in eine Bar, und am nächsten Morgen ging es dann zurück nach Jinja. Allerdings wollten wir nicht über die direkte Strecke fahren, den Fort Portal – Kampala Highway, sondern über Bushenyi, Mbarara, Masaka und Kampala nach Jinja.

Um neun starteten wir und anderthalb Stunden später, nach einer wunderschönen Fahrt entlang des Ostrandes des Rwenzori Gebirges und durch die berühmten Teefelder Fort Portals, erreichten wir Kasese und machten eine Frühstückspause. Nach Kasese folgt der Queen Elizabeth Nationalpark, den man durchqueren muss um nach Mbarara zu kommen; der Park war einer der Gründe, weshalb wir diesen Umweg fahren wollten. Und er hat sich gelohnt: Die gigantische Steppe von Ugandas bekanntestem Nationalpark erinnert an „König der Löwen“ und der Blick auf die Flanke des Rwenzori bringt das ultimative Afrikagefühl, von dem ich erst glaubte, dass ich es in Uganda nicht finden könnte. Am Äquatordenkmal machten wir eine kleine Pause und Fotos. Wir sahen noch mehr Antilopen und dann, ich weiß gar nicht wieso wir so viel Glück hatten, noch einen Elefanten! Und natürlich die allseits gegenwärtigen Paviane. Die Straße im Nationalpark war super schlecht – eigentlich nur au Schlaglöchern bestehend – und so kamen wir nur langsam voran und mitten hinein in ein Unwetter; so stark, dass ich für eine Viertelstunde anhalten musste! Deshalb erreichten wir erst gegen dreizehn Uhr Bushenyi und gegen drei Mbarara, die Hauptstadt der Ankole.

Straße nach Kasese...die verrückten Matatu-Fahrer überholen einen immerDas Äquatordenkmal im Queen Elizabeth NationalparkEin mächtiges Gewitter zieht auf: uns erwischt es auch nochDas Gewitter und die super schlechte StraßeSteppe und Lake George des QENPLos, Mama, Los ;)Regen...Scheibenwischer auf höchster Stufe!

Die Straße von Mbarara nach Masaka war der zweite Grund für unseren Umweg. Denn dort fährt man am Lake Mburo Nationalpark vorbei und da gibt es Unmengen von Zebras, wie ich aus Erfahrung weiß. Doch leider sahen wir wieder keine. Aber bei so vielen Elefanten darf man sich nicht darüber beschweren! Der Rest der Fahrt war eher anstrengend. Da Hannah nicht mehr fahren durfte, und die Strecke von Polizeistreifen durchsetzt war, musste ich alleine fahren und aufgrund des Zeitdrucks mit wenig Pausen. Als die Dämmerung einsetzte, erreichten wir gerade das Äquatordenkmal auf der anderen Seite Ugandas. Ich hatte ziemlich viel Schiss vor eine Nachtfahrt, da ich weiß wie die Ugander fahren. Fernlicht immer an, trotz schlechten Sichtverhältnissen rasen, unüberlegt überholen und Hupkonzerte. Rücksicht gibt es gar nicht. Also tranken wir noch einen Kaffee am Äquatordenkmal und ich wappnete mich für die Nachtfahrt. Bis Kampala lief auch alles glatt: Wir tankten noch einmal und schoben uns durch den zähen Verkehr bis nach Kampala, während die Sicht immer schlechter wurde und vor uns ein apokalyptisches Gewitter tobte. Den Northern Bypass mussten wir finden, die „Autobahn“ Kampalas, an dessen Ende die Ausfahrtstraße nach Jinja liegt. Alles lief glatt, wir kamen gut durch und ich dachte, wenn ich auf der Straße nach Jinja bin ist das Schlimmste geschafft. Doch das Schlimmste war genau diese Strecke. Auf der Gegenfahrbahn war Stau von Kampala bin Mukono, rund zwanzig Kilometer. Und alle hatten Fernlicht an und versuchten auf meine Fahrbahn auszuscheren, um sich weiter nach vorne zu drängeln. Ein paar Mal waren wir kurz vor dem Frontalzusammenstoß. Doch irgendwann war diese Hölle geschafft, da kamen wir auch schon in die nächste: Es fing an zu regnen, die Straße wurde glatt und ich sah nicht mehr. An mir vorbei schossen verrückte Matatus und andere Verkehrsteilnehmer. Dieses Mal drohte nicht der Zusammenstoß, sondern der linke Straßengraben. Als wir endlich über die Nilbrücke fuhren, was quasi der Eingang Jinjas ist, war ich super glücklich und erleichtert. Von den insgesamt 1.300 Kilometern Roadtrip waren die letzten 80km die Schlimmsten. Doch wir haben alles überstanden, hatten eine wunderschöne Reise, haben Elefanten und Paviane gesehen und sind einmal durch halb Uganda getourt...

Abschluss Panoramabild aus dem Murchison Falls Nationalpark

 

Donnerstag, 08.05.2014

Tansania - Zwischenseminar in Karatu

 

Wenn man über „weltwärts“ als Freiwilliger unterwegs ist, muss man an mehreren Seminaren teilnehmen. Vor meiner Ausreise hatte ich zwei Vorbereitungsseminare in Glücksburg bei Flensburg, und auf Halbzeit meines Aufenthaltes in Uganda erwartete mich ein drittes Seminar, dass der Zwischenevaluation dient.

Es war auf Anfang März angesetzt, doch da sich mit meiner Besuchsplanung überschnitt, einigte ich mich mit meiner Entsenderorganisation „artefact-solivol“ auf ein anderes Seminar, welches in Karatu, einer kleinen Stadt unweit von Arusha in Tansania stattfinden sollte.

Kaum hatte ich mich von meiner Familie am Flughafen verabschiedet, hieß es also Rucksack packen und in den Bus nach Arusha fahren, eine 24h-Fahrt!

Spider Coaches hieß mein Busunternehmen und es brachte mich zuverlässig durch Kenia bis an mein Ziel.

Die Busfahrt war ziemlich spannend, schließlich ging es an mehreren Nationalparks vorbei, durch das Great Rift Valley, die östliche Kante des Ostafrikanischen Grabenbruchs, und schließlich bis zum Mount Meru bei Arusha.

Der erste Grenzübergang von Uganda nach Kenia in Busia lief gut und ich erhielt ohne Probleme mein Transitvisum für 20$. In einem der Nationalparks zwischen Busia und Nairobi, einen genauen Namen weiß ich nicht, sah ich ein paar Zebras und auch ansonsten war die Landschaft an sich schon super schön. Ein ganz großer Unterschied ist die Einsamkeit, eine Sache, die in Uganda eher selten ist. Kenia ist jedoch viel größer und so verteilen sich die vielen Menschen im ganzen Land und es gibt viele unberührte Stellen, so war jedenfalls mein Eindruck aus dem Bus.

Esel in Kenia...in Uganda gibt es aufgrund der Tsetse-Fliegen, die die Schlafkrankheit übertragen, gibt es weder pferde noch esel in ugandaEiner der Nationalparks in KeniaUnd ein See, an dem es laut Nationalparkhinweisschildern Flamigos geben sollDas Ende des Great Rift ValleyDie Grenzberge des Ostafrikanischen Grabenbruchs

Abends um halb sechs erreichten wir Nairobi und nach circa zwei Stunden im Stau stehen erreichten wir auch irgendwann den Busbahnhof, der direkt in der Innenstadt Nairobis liegt. Die kenianische Hauptstadt ist nochmal von einem anderen Kaliber als Kampala! Viel mehr Autos, viel mehr Menschen und Häuser, aber auch viel mehr Wohlstand, vor allem im Zentrum. Ein Hochhaus reiht sich an das andere, Leuchtreklame und Ampeln, große Straßen, all das sind deutliche Unterschiede zu Kampala. In Nairobi luden die Busmitarbeiter eine Menge Pakete ein; die Reisebusse in Ostafrika funktionieren gleichzeitig auch als Gütertransport. Erst gegen neun war der Bus wieder abfahrbereit.

Zufahrtsstraße Nairobiund die Skyline Nairobis

Doch in Kenia gilt für den öffentlichen Transport ein Nachtfahrverbot, um die Gefahren eines Unfalls mit vielen Toten auf den Straßen etwas zu verringern. Und so rechnete ich eigentlich mit einem nächtlichen Aufenthalt auf dem Busbahnhof und war nicht wenig überrascht, als der Bus plötzlich wieder Fahrt aufnahm. Also brausten wir weiter, nun durch die Nacht, Richtung Namanga, den tansanisch-kenianischen Grenzübergang. Erst nach einem Gespräch mit einem Mitreisenden in Namanga wurde mir klar, wieso der Bus weiterfuhr: Es gibt in Kenia zwar ein Nachtfahrverbot, aber es gibt auch etwas, was wohl alle ostafrikanischen Länder eint. Korruption. Der Bus zahlte an den Polizeikontrollen einfach etwas Bestechungsgeld, denn da er so viele Güter geladen hatte, lohnten sich die Bestechungsgelder mehr als eine Verspätung der Lieferung.

Auch der zweite Grenzübergang lief reibungslos und um halb eins in der Nacht fuhren wir bereits auf tansanischem Boden. Dass der Bus in der Nacht fuhr war für mich positiv und negativ. Da der Bus keinen Nachtaufenthalt machte, kam ich pünktlich in Arusha an, doch leider verpasste ich so auch die großartige Natur, die ich dort bei Tageslicht hätte erleben können. Denn kurz hinter Namanga kann man die Landschaft des großen Serengeti Nationalparks sehen und mit viel Glück sogar den Kilimanjaro! Erst auf der Rückfahrt bemerkte ich, was ich auf der Hinfahrt verpasste. Um vier Uhr am Morgen erreichte der Bus Arusha, und da um diese Zeit nichts los ist in einer Stadt, verbrachte ich den Rest der Nacht im Spider Coaches Booking Office auf einem Plastikstuhl.

meine Übernachtungsgelegenheit im Booking Office von Spider Coaches

Halb sieben dann stiefelte ich los, um mir Arusha anzusehen und vor allem das Backpackers, eine Art Jugendherberge, zu finden, denn dort wollte ich mich mit Irina und Nihad treffen, zwei Mitfreiwillige die ich von den Vorbereitungsseminaren kannte und die in Kisumu/Kenia und Addis Abeba/Äthiopien eingesetzt sind. Nach einer längeren Suche, einer wahren Odyssee durch Arusha, fand ich endlich das Backpackers, nur um dort festzustellen, dass es kein Frühstück für Nicht-Gäste gibt und Irina und Nihad noch schliefen. Schöne Sache. Also weiterlaufen und irgendwann fand ich ein kleines Café, in dem ich frühstücken konnte. Halb elf traf ich auch endlich Irina und Nihad und zusammen mit Julia, einer Freiwilligen aus Lushoto in Tansania, machten wir uns auf den Weg nach Karatu, direkt am Ngorogoro Krater gelegen.

Über das Seminar gibt es nicht allzu viel zu erzählen, was für Nicht-Freiwillige außerordentlich spannend sein könnte, außer vielleicht dem Exkursionstag in die Umgebung Karatus.

An jenem Tag ließen wir alles Theoretische und jede Evaluation hinter uns, stiegen in ein Taxi, in Tansania unter anderem Dalla-Dalla genannt, und fuhren an einen nahe gelegenen See, den ich schon auf der Hinfahrt sehen konnte, den Lake Manyara und den zugehörigen Lake Manyara Nationalpark. Dort erklommen wir eine kleine Bergkette, jene Ausläufer des Grenzgebirges der großen Verschiebung des Ostafrikanischen Grabenbruchs und sahen von dort hinab auf den See, die platte Landschaft, die erst in weiter Ferne von gewaltigen Bergmassiven begrenzt wurde. Auf dieser Wanderung sah ich auch das erste Mal den Baobab, oder auch Affenbrotbaum. Gewaltige Baumriesen, die mit einem riesigen Stammumfang bestechen und Bilder von Afrikaträumen heraufbeschwören. Auch insgesamt hatte ich hier in Karatu viel mehr das Gefühl des wirklichen Afrikas, so wie ich es mir vielleicht vor meiner Ausreise klischeehaft vorgestellt hatte. Leere Weiten, große Gebirge und eben der Baobab; alles in anderen, viel größeren Maßen als in Europa und letztlich auch in Uganda, auf jeden Fall in Jinja.

Exkursionstagalle Seminarteilnehmer auf Wanderung durch ein Flussbett, welches den Lake Manyara speistBlick in den Grabenbruchund der erste Baobab :)hier sieht man deutlich den Unterschied zwischen dem Rift Valley und den angrenzenden Bergenhinten links erkennt man den Lake Manyara und den umliegenden Nationalparkund auf der anderen Seite des gigantischen Tals sieht man gigantische BergeEin Affenbrotbaum mit GrößenvergleichMoritz mit Baobabder sausage tree, im deutschen Leberwurstbaum genannt

Nach dem Seminar hatte ich noch ein paar Tage Zeit, bevor ich mal wieder in Entebbe am Flughafen warten musste. Und da ich ja gerade ein dreimonatiges Visum in der Hand hatte, beschloss ich kurzerhand mich Annalena und Moritz anzuschließen, zwei Mitfreiwilligen aus Tansania. Zusammen mit mit allen anderen Seminarteilnehmern fuhren wir zurück nach Arusha und übernachteten im Backpackers.

Blick auf den Mt. Meru aus dem Arusha Backpackersnoch kein Schnee, wie man sieht.ArushaDer Meru im Abendlicht

Ich buchte nebenbei noch meinen Bus zurück nach Jinja, und am folgenden Tag fuhr ich mit Annalena in die Pare Berge, nicht allzu weit von den besser bekannten Usamabara Berge, im Kilimanjaro District. Und wie der Name der Region schon verspricht, führte die Fahrt tatsächlich durch Moshi und damit vorbei am größten Berg Afrikas, dem Kili.

Und da ich unsagbares Glück hatte, konnte ich die großen Gletscher des Berges rund fünf Kilometer über mir sehen, während der Mount Meru noch von hinten grüßte. Die Fotos, die ich aus einem überfüllten Bus machen musste, spiegeln dieses erhebende Bild nicht ansatzweise wider.

Suchbild...wo ist der kili? ;)Hier kann man ganz gut den Gletscher erkennenund hier noch ein bisschen besser

In Moshi hatten wir eine kurze Kaffeepause und aus dieser Stadt, die ja direkt am Fuße des Kilimanjaro liegt, konnte ich den Berg jedoch nicht mehr sehen. Nach einigerzeit fanden wir unseren Anschlussbus und fuhren nach Same, einem kleinen und sehr trockenen Städtchen unterhalb der Pare Berge. Wir trafen Moritz und ich beschloss, erst mit zu Moritz zu fahren, der direkt in den Bergen wohnt und danach zu Annalena in Bangalala ins Tal. Die Mopedfahrt, hier Piki-Piki genannt, von Same nach Vudee dauerte eineinhalb Stunden und war atemberaubend. Zuerst ging es durch Steppe, durchzogen von geduckten Akaziensträuchern und imposanten Affenbrotbäumen. Schon bald erreichten wir Bangalala, das inmitten der Steppe liegt, und von dort an ging es bergauf nach Vudee. Die Aussicht wurde mit jedem Höhenmeter schöner und die Landschaft immer skurriler. Teilweise bestand sie aus Kakteenwäldern; sehr eindrucksvoll!

Erster Blick auf die Pare BergeAfrika mal anders als in JinjaMoritz auf dem Pikidie Pflanze links ist Sisal..gibt es in Uganda selten und in Tansania macht man daraus unter anderem Seile die Pare Berge dann geht es hoch...und es entsteht eine Flugzeugperspektive

Moritz selbst wohnt etwas oberhalb des sehr kleinen Bergdorfes in einem erstaunlich großen und vor allem schönen Haus. Abends kochten wir etwas, denn anders als in Jinja gibt es dort weder Restaurants noch streetfood, und am nächsten Tag waren wir uns einig, nicht mit dem Piki zu Annalena zu fahren, sondern zu wandern. Für mich war das die Gelegenheit die Landschaft noch einmal intensiver aufzunehmen.

eine der schönsten Heuschrecken, die ich jemals gesehen hab

Zwei Stunden führte uns der Weg bergab, überall gab es fantastische Aussichten und ein ganz anderes Afrika zu sehen als ich es aus Uganda bisher kennenlernen konnte.

unser wanderweg durch die pare bergeder kakteenwaldBlick richtung SameBlick Richtung BangalalaEin Bus kämpft sich die steile Straße hoch

In Bangalala verbrachten wir zu dritt noch einen schönen Abend, wobei mich Annalena in freudige Erwartung versetzte, indem sie mir erzählte, dass es durchaus möglich sei, Schildkröten, Skorpione und Vogelspinnen zu sehen! Endlich mal Exotik, doch leider sah ich nichts von alldem. Aber ich hatte ja schon den Kilimanjaro gesehen, zu viel Glück darf man ja wirklich nicht erwarten.

Am Morgen meines Aufbruchstages nach Hause gingen wir noch zu einem kleinen Flusslauf, der später in der Steppe, wie ich es zuvor von den Bergen sehen konnte, austrocknen würde. Ein ausgetrocknetes Flussbett, das ist doch mal ein Anzeichen von Trockenzeit!

etwas wenig wasserausgewasche baumwurzeldie Krabbe :)

Der Fluss scheint in der Regenzeit jedoch um einiges größer zu sein, denn die Steine, über die er an dieser Stelle fließt waren mehr als ausgespült. Außer einer kleinen Krabbe war jedoch nichts weiter zu entdecken (ich hatte immer noch auf Schildkröten gehofft), und so machte ich mich mittags dann auf den Weg nach Same, wo mein Bus abfahren sollte. Mit zwei Stunden Verspätung kam er dann an und für mich hieß es von diesem Moment an: 24h Bus fahren!

Es ging zurück nach Moshi, und leider konnte ich dem Kili nicht noch mal zum Abschied winken; er war von Wolken bedeckt.

Arusha folgte als nächster Stopp, wo sich allerdings der Mount Meru noch einmal prächtig im Sonnenlicht präsentierte.

Und dann folgte der Weg nach Namanga, dem Grenzübergang zu Kenia, auf dem ich jene Landschaft sehen sollte, die mir auf der Hinfahrt durch die Nacht verborgen blieb. Ich sah die riesigen Steppenlandschaften Tansanias, hin und wieder ein paar Masai mit ihren kleinen Rinder- und Ziegenherden in ihren unverkennbaren Masai-Decken. Im Südosten konnte man den Meru im Abendlicht leuchten sehen und ganz im Osten war die gewaltige Flanke des Kilimanjaro zu erkennen. Mehr Afrika in einem Bild geht nicht!

Mt Meruwenn man ganz genau hinsieht, dann erkennt man am horizont ganz schwach die flanke des kilimanjaroein ausgetrocknetes flussbett und hinten links ist schwer zu erkennen ein masai hirteein letzter blick auf den mt meru

Gegen Mitternacht erreichten wir Nairobi und hielten sogar bis vier Uhr morgens das Nachtfahrverbot ein. Sehr bald schon waren wir wieder in Busia und um vierzehn Uhr war ich wohlbehalten und gefüllt mit Bildern und Erfahrungen wieder in Jinja angekommen!

Und nur zwei Tage darauf stand ich in Entebbe, Turkish Airlines besticht mit Ankunftszeiten gegen vier Uhr in der Früh, und holte Hannah ab...

 

Mittwoch, 16.04.2014

Der Lake Mburo Nationalpark und Mpanga Forest (Fortsetzung...)

Nach einer wilden Nacht vor den Toren des Parks, die unter anderem von einer Herde Warzenschweinen geprägt war, und nach einem Frühstück, dass aus gebuttertem Toast und Tee bestand, wollten wir uns so früh wie möglich auf den Weg in den Nationalpark machen. Gegen sieben waren wir wach, gegen acht waren die Zelte eingepackt und um neun waren wir quasi startklar. Nur leider das Auto nicht...

Der Wagen hatte ein Startproblem, das heißt, wenn man das Auto nicht angeschoben hat, sprang er nicht an. Auch am Vortag hatten wir dieses Problem schon festgestellt, jedoch nicht weiter darüber nachgedacht, inwieweit eine kalte Nacht das Auto beschädigen könnte. Also alle fünf ans Auto und schieben; berghoch, bergrunter und immer beobachtet von Warzenschweinen und Impalas. Da wir ja abends schon einmal im Park waren, und das Ticket 24h gilt, ging diese Autoschieberei also komplett von der Zeit ab, die wir eigentlich schon im Nationalpark hätten verbringen können.

Nach ein paar vergeblichen Versuchen riefen wir uns ein paar UWA-Ranger zur Hilfe. Mit sieben Leuten schafften wir es dann endlich, den Wagen auf die erforderliche Startgeschwindigkeit zu beschleunigen und Benjamin konnte den Motor starten.

Zeltplatz vor dem Gate des Nationalparks

Erst um halb elf konnten wir also den Park betreten, was etwas schade war, aber unsere unsere Begeisterung über Zebras, Impalas. Warzenschweine, Grüne Meerkatzen und andere afrikanischen Tieren nicht minderte.

irgendeine AntilopeNoch eine AntilopeEin ImpalaGenau dieses Motiv ist auf der Club Bierflasche draufUnd auch bunte Vögel gab es dortAntilope

Kreuz und quer ging es im eigenen Auto durch die Wildnis; alle fünf Minuten Fotostopp, bis wir schließlich den See, den Lake Mburo erreichten.

Da es in dem See Nilpferde gibt, wollten wir natürlich aussteigen und nach ihnen gucken und Benjamin sollte im Wagen warten und den Motor laufen lassen. Doch kaum erreichten wir das Ufer hörten wir nur das Geräusch eines ausgehenden Motors und mit Schreck eilten wir zurück. Mitten im Nationalpark ohne Auto und Hilfe neben einem See voller Nilpferde stehenzubleiben ist nämlich nicht gerade beruhigend. Doch Benjamin hatte den Wagen zufällig abschüssig geparkt und konnte so zu Start des Motors einfach kurz anrollen und dann starten. Beruhigt gingen wir zum Ufer zurück, doch Nilpferde waren leider nicht zu sehen.

Weiter ging es auf unserer Route, auf die uns die UWA-Karte (Uganda Wildlife Authority) geführt hatte.

Nationalparkimpression

Kurz darauf kamen wir auf einen Rundweg, dem wir folgen wollten, da die Möglichkeit auf das Beobachten von Nilpferden und möglicherweise sogar Krokodilen bestand! Nur war der Weg leider nicht so gut: Zugewachsen und offenbar schon länger nicht mehr befahren, gut dass wir ein Allradfahrzeug und einen qualifizierten Fahrer hatten. Johann und ich saßen draußen auf der Ladefläche des Pick-Up und mussten ein paar Mal unseren Platz verlassen und laufen, da uns sonst Dornenbüsche zerkratzt hätten. Doch dafür sahen wir Nilpferde, eindrucksvoll und irgendwie auch furchteinflößend, wenn man das gefährlichste Tier Afrikas so dicht beobachten kann. Ganz anders als Zoo, wo ja zum Schutze des Beobachters meist noch ein Wassergraben und ein Elektrozaun zwischen dem Mensch und dem Tier stehen. Fast zehn Nilpferde auf einmal sahen wir an einer Stelle, wie sie prustend und schnaufend im Wasser lagen.

Ein NilpferdViele NilpferdeNoch ein NilpferdEin aufgerichtetes Nilpferd, nach einem Kampf im Sumpf

Krokodile haben wir leider nicht gesehen.

Als wir den Rundweg erfolgreich passiert hatten, fuhren wir zum Restaurant zurück, dass wir auf dem Weg gesehen hatten. Nach einem Mittagessen und weiteren Nilpferden, suchten wir uns eine neue Route, um noch mehr von den Tieren zu sehen, die nicht am Wasser wohnen.

Also kamen zu unserer Liste noch der große ugandische Adler, weitere Antilopen, Büffel und vieles mehr dazu!

Ein BüffelZebras im hohen Gras :)Der Ugandische AdlerEin Zebra

Kurz vor dem Aufbruch zum Gate zurück, da wir den Park ja schon um 19 Uhr verlassen mussten, machten wir einen Abstecher auf einen Aussichtspunkt, der uns einen beeindruckenden Blick auf den See und die Umgebung gab.

Aussicht auf den Lake Mburo

In der warmen, afrikanischen Abendsonne fuhren wir relativ schnell zurück und bekamen noch ein letztes Tier vor die Linsen, dass wir noch nicht gesehen hatten: eine rund zwei Meter lange Schlange!

! Karin, was für eine Schlange ist das? ;) Büffel mit Vogel auf dem Rücken

Nach einem ereignisreichen Tag verließen wir den Lake Mburo Nationalpark und fuhren zurück nach Masaka, wo wir in einem Hotel übernachteten.

Der folgende Tag, der 12. Februar 2014, sollte uns über den Mpanga Forest und Kampala zurück nach Jinja führen. Relativ früh brachen wir auf und erreichten schon gegen elf Uhr den Wald, der zwischen Kampala und dem Äquator liegt, und hatte so noch genug Zeit eine kleine Wanderung zu unternehmen. Der Mpanga Forest ist ein alter Wald und besticht mit riesigen Bäumen, ob hoch oder breit; hier werden Maßstäbe gesetzt. Außerdem gibt es eine Flut an bunten Schmetterlingen und Vögeln, wobei man von den Vögeln mehr gehört, als gesehen hat.

Libelle im Mpangaein kleiner blauer Schmetterlingein rot-schwarz-weißer Schmetterlingein sehr kunstvoller SchmetterlingImpression aus dem RegenwaldGrößenvergleich ;)Suchbild! ;) abgebildet ist ein Zikade (ca. 10m lang)

Nach zwei Stunden Waldwanderung setzten wir unsere Fahrt nach Kampala fort. Wir stiegen an der Namirembe Church, oder auch St. Pauls Cathedral, aus und verabredeten uns mit Benjamin rund drei Stunden später am Post Office in der Kampala Road.

Wir besichtigten die Kirche, danach die Gaddafi Mosque, während ich den Touristenführer spielte und schließlich besuchten wir noch den Owino Market, den angeblich größten Second Hand Kleidermarkt Ostafrikas. Ein kurzer Spaziergang um den Old Taxipark und die Innenstadt Kampalas haben meiner Familie deutlich gemacht, wie sehr sich die ugandische Hauptstadt von jeder europäischen unterscheidet.

Namirembe Church oder auch St. Pauls Cathedralund die Gaddafi Mosque

Nach einer letzten, wieder einmal rasanten Fahrt von Kampala nach Jinja kamen wir nach vier Tagen Roadtrip auf ugandischen Straßen wohlbehalten wieder zu Hause an.

Die letzten zwei Tage wollten wir in Jinja bleiben, ich zeigte meiner Familie das Nile River Camp und meine Arbeit und am letzten Tag gingen wir noch in den Mabira Forest. (Die Fotos davon habe ich leider nicht...)

Und schon, nach zwei unheimlich ereignisreichen Wochen, musste meine Familie sich wieder auf den Rückweg begeben! Mitten in der Nacht und nach einem Abschlussessen im Flavours, fuhr uns Benjamin ein letztes Mal, zum Flughafen. Dort ging dann alles ziemlich schnell. Meine Familie checkte ein und ich machte mich mit Benjamin auf den Weg nach Hause. Nun wieder alleine, doch mit der nächsten großen Reise schon auf dem Plan: Nach Karatu in Tansania!

 

[nationalpark and mpanga photos copyright by Ute & Ulf Schiefelbein]

Dienstag, 01.04.2014

Unterwegs in Uganda - Die Ssese Islands und der Lake Mburo Nationalpark

Nach drei Stunden Autofahrt von Mbale erreichten wir am späten Nachmittag Jinja und dort ging quasi ohne Pause weiter. Am Abend packten wir die Taschen um, aßen eine Rolex und trafen unser Auto mit dem Fahrer Benjamin, der uns die nächsten fünf Tage durch Uganda fahren sollte.

Morgens um neun war der vereinbarte Treffpunkt mit Benjamin und unserem Pick-Up, doch wie das in Uganda so läuft waren wir erst gegen 10 Uhr startklar. Der erste Stopp sollte Entebbe sein; um 14 Uhr fährt dort planmäßig eine Fähre zu den Ssese Islands. Auf die Fährfahrt hatten wir uns alle gefreut, denn so wären wir vier Stunden zwischen den Inseln auf dem Victoriasee herumgefahren, bis wir Kalangala, die Hauptstadt von Bugala Island, der größten Insel des Archipels, erreicht hätten. Benjamin fuhr ein straffes Tempo, trotz des immerwährenden Staus im Großraum Kampala, und so erreichten wir pünktlich Entebbe. Wir reihten uns in die Warteschlange zur Fähre ein und Benjamin und ich stiegen aus um die Tickets zu kaufen. Doch am Gate erklärte uns die Sicherheitsbeamte, dass dies nicht die Fähre nach Kalangala sei, sondern eine andere, und das die Ssese Islands-Fähre seit vorgestern nicht mehr fahren würde: technischer Defekt. Wir sollten uns bitte ins das 250km weit entfernte Masaka begeben und dort die Fähre nutzen.

Wie zum Beweis für meine Familie, dass Planen in Uganda ein nahezu unmögliches Unterfangen ist, mussten wir nun also spontan unseren Plan ändern und nach Masaka fahren.

Das funktionierte dann zum Glück auch und wir erreichten Masaka und den Fährhafen Bukakata. Etwas zu radikal raste Benjamin über die Staubpisten zur Fähre und wir kamen, etwas benommen zur Fähre. Der Hafen war hermetisch abgeriegelt und nur mit genauer Personen- und Fahrzeugkontrolle durfte man das Gebiet betreten. Vor was die Ugander in dieser Hinsicht Angst haben, begreife ich bis heute nicht. Denn die al-Shabaab aus Somalia werden wohl kaum einen kleinen Lokalhafen bombardieren?!

Die Fähre war umsonst, und auch wenn wir statt vier Stunden nur eine vierzig-minütige Überfahrt hatten, war es äußerst schön über den blauen Victoriasee zu fahren. Für mich, da ich ja unter Meer- und Ostseeentzug leide, war es fast wie zu Hause. Eine leichte Brise und Geruch von Wasser in der Nase, wenn auch kein Salzwasser.

Vom Fährhafen auf Bugala Island bis zu unserem Ziel Kalangala war es noch eine Stunde Autofahrt über eine unheimlich staubige Straße. Nur das wir uns, je länger die Fahrt dauerte, immer mehr wünschten anzukommen, obwohl man auf dem Weg immer wieder Affen und eindrucksvoll bunte Vögel beobachten konnte. Denn zum Auto muss man dazu sagen, dass es nicht für sechs Leute, sondern nur für fünf gedacht war. Und da laut ugandischer StVO vorne nur der Fahrer und der Beifahrer sitzen dürfen, (während es in der hinteren Reihe vollkommen egal ist) mussten wir uns zu viert in der zweiten Reihe drängen, die ehrlich gesagt zu dritt schon eng gewesen wäre! Doch auf der anderen Seite ist auch das eine ugandische Erfahrung, nämlich dass man eigentlich nie Platz im Auto hat, und überlebt haben wir es ja auch. Trotzdem waren wir sehr froh endlich am Hotel anzukommen, wo wir unsere Zelte aufbauen wollten. Wir erreichten Kalangala im letzten Sonnenlicht und mussten dann im Dunkeln mit Stirnlampen unsere Zelte aufbauen. Das vorherige Verhandeln mit der Rezeptionistin klappte auch und so konnten wir zum ¾-Preis zelten und bekamen dafür auch noch ein Frühstück. Abends aßen wir noch im Hotelrestaurant, was für mich bis dahin eher undenkbar war. Wenn ich alleine in Ostafrika unterwegs bin, dann esse ich fast ausschließlich auf der Straße oder in kleinen lokalen Garküchen. Doch meine Eltern frisch aus Deutschland und noch immer in europäischen Preisstrukturen denkend, freuten sich natürlich um die objektiv gesehenen, billigen Preise für gutes Essen im Hotel. Ein Glücksfall für mich, denn so bekam ich eine Woche lang das beste Essen überhaupt. An diesem Abend war es der köstliche Tilapia-Barsch aus dem Victoriasee.

Am nächsten Morgen standen wir mit dem Sonnenaufgang auf und bekamen ein königliches Frühstück vorgesetzt: Toast, Obst, Marmelade, Kaffee und Rührei!

Den ganzen Tag wollten wir auf das Auto verzichten und die Insel, oder zumindest Teile davon, zu Fuß erkunden. Sogar Benjamin fand die Idee gut und lief mit uns mit. Was bei der Insel etwas verwunderlich ist, sind die zahlreichen Hotels und Zeltplätze, obwohl wir selbst eigentlich nicht viele Touristen gesehen haben. Es scheint, als sei die Blütezeit des Tourismus auf Bugala Island schon vorbei. Der Strand jedoch ist wunderschön, es herrscht unheimlich heißes und feuchtes Klima, sehr tropisch, und der Blick auf den See mit den Palmen und bunten Vögeln erinnert an die Karibik, wie man sie aus Reisekatalogen kennt. Wir sahen Affen und viele viele Vögel, die wirklich auffällig waren. Auch anderswo in Uganda sieht man bunte Vögel, aber so viele wie dort auf Bugala Island habe ich noch nirgendwo gesehen!

Also liefen wir über die Insel, bewunderten die Natur, die prachtvollen Hotels und das tropische Wetter, bis wir uns Mittags in Kalangala eine Cola und Bananen gönnten. Am Nachmittag wollten wir auf eine bewaldete Halbinsel, die man von Kalangala, das auf einem Hügel liegt, sehen konnte.

Die Halbinsel von Kalangala aus

Also ging es von den unbewaldeten Hügeln runter zum Strand, an einem Fischerdorf und dessen Hafen vorbei und dann weiter zur Halbinsel. Dort mussten wir jedoch aufgrund nicht vorhandener Pfade wieder umdrehen und machten uns zurück auf den Weg zu den Zelten.

Ich hatte den ganzen Tag das Glück, mit der guten Spiegelreflex und dem Tele-Objektiv Fotos machen zu dürfen. Deshalb werde ich hier auch gar nicht weiter schreiben, sondern in einer Reihe die Bilder der Ssese Islands veröffentlichen.

Wir haben eine grüne Meerkatze gesehen :)gelbe Kanarienvögel in ihren Nestern (beides ist übrigens auf dem 5.000UGX Schein drauf)Der am weitesten verbreitete Kingfisher in Uganda..macht einen Höllenlärm (links im Bild)Einer der vielen Reiher dort...mit gelben Füßendann auch mal ein sehr exotischer VogelPalme im Wasserdrei Kumpels auf nem Ausflug ;)Einer der coolsten Bäume, die ich bisher hier gesehen habZwei laut schnatternde Hornbill (die haben so einen Höcker auf dem Schnabel, ich hoffe man erkennt es)Ein Wasservogel :)Noch ein ReiherAm Fischerhafen...die lange Stange im Bild gehört zu einem der lokalen Fischerbootemit denen dann solche kleinen Fische gefangen werden und dann getrocknet zu Bohnen gegessen werden....einen fischigeren Geschmack gibt es nicht auf dieser ErdeDer Ugandische SchreiadlerKaribisches Flair am Victoriasee...Sonnenuntergang über den Ssese IslandsVon der einen Seite......und von der anderen Seite (irgendeine Storchenart)und zum Abschluss der Ssese-Bilder noch ein ganz bunter Kingfisher

Abends waren wir nochmal gut im Hotelrestaurant essen um uns für die anstehende Autofahrt zum Lake Mburo Nationalpark zu wappnen.

Nach einer erholsamen Nacht und dem Zusammenpacken zweier sehr nasser Zelte, das Klima und die Luftfeuchtigkeit waren durch die Wärme und die Nähe zum See extrem, packten wir die Sachen wieder in das Auto und verließen die Insel wieder, nach einem wunderschönen und vor allem nach der Mount Elgon Tour, erholsamen Aufenthalt.

Noch einmal ging es über den Victoriasee - aus irgendeinem Grund wieder, ohne etwas bezahlen zu müssen – und dann weiter von Masaka in Richtung Mbarara. Der Lake Mburo Nationalpark, unser Tagesziel, gilt als sehr kleiner und im Vergleich zu dem großen Murchison Falls Nationalpark als unscheinbar und unspektakulär. Allerdings hat der Mburo NP (Nationalpark) etwas, was der Murchison NP fast gar nicht hat: Zebras, und das in großer Zahl. Und so kam es, dass wir noch vor den Gates des NP zwei Zebraherden aus dem Auto sehen konnten, was unsere Vorfreude auf den Nationalpark natürlich nicht unerheblich steigerte!

Abends um fünf kamen wir am Gate an und erst dann begann die Rechnerei, wie wir möglichst günstig wieder aus der Sache rauskommen. Denn für sechs Leute (auch wenn Benjamin als Ugander äußerst wenig bezahlen musste) und ein Auto plus Übernachtung ist ein ugandischer Nationalpark wahrlich kein Schnäppchen mehr. Nach langem Rechnen und Diskutieren mit den dort arbeitenden UWA-Mitarbeitern (Uganda Wildlife Authority) entschieden wir uns, am selben Abend noch in den Nationalpark zu fahren, um 19.00Uhr eben diesen wieder zu verlassen, vor den Toren zu campen und am nächsten Morgen so früh wie möglich wieder hineinzufahren.

Der Abend in der afrikanischen Wildnis war klasse: wir sahen Zebras, Antilopen, zahlreiche Warzenschweine, bunte Vögel und vieles mehr. Auch die Landschaft war mehr oder weniger spektakulär: eine savannenähnliche Hügellandschaft, bewachsen von kleinen, teils vertrockneten Dornensträuchern und Akazien von der afrikanischen Abendsonne beleuchtet – sehr beeindruckend. Und so unglaublich anders als die Landschaft um Jinja herum. In der Luftlinie vielleicht 300km entfernt und schon sieht alles viel trockener und lange nicht so grün wie in Jinja aus!

Um sieben hatten wir den Nationalpark wieder verlassen und bauten unsere Zelte vor den Toren des African Wildlife auf...

 

[Fortsetzung folgt...]

[Bilder ebenso...]

Mittwoch, 26.03.2014

Die Besteigung des Wagagai - Das Mount Elgon Gebirge

Lange ist es her, dass ich mich das letzte Mal aus Uganda gemeldet habe. Doch ich bin noch hier, es geht mir gut und ich habe viel erlebt in den letzten Wochen und Monaten! Trotz allem werde ich die folgenden Gesschichten quasi als Fortsetzungsroman schreiben, da so ein Blog wirklich ein Menge Arbeit ist!

Am 01. Februar besuchte ich die Jamsession im Flavours-Café in Jinja und wartete auf das Taxi, dass mich mitten in der Nacht abholen sollte, um mich zum International Airport Entebbe zu bringen. Ein wenig müde, aber sehr gut gelaunt, traf ich dann um halb fünf auf meine Familie, die ich seit dem 3. August 2013 nicht mehr gesehen hatte. Die Freude war groß und wir stiegen nach Umarmungen und Begrüßungen in das Taxi des Reiseunternehmens, dass uns bis auf den Mount Elgon, den zweithöchsten Berg Ugandas, bringen sollte!

Auch der Fahrer des Autos war offensichtlich total abgelenkt von unserer Wiedersehensfreude, dass er, noch nicht in Kampala angekommen, einen Unfall baute und voll mit der Seite an einem Matatu zusammenstieß. Der Spiegel und die Schönheit des Wagens war futsch, uns ging es zum Glück gut, und so setzten wir, nach einer ein-stündigen Verhandlung über die angemessene Strafe und die anschließende Zahlung dieser, welche wir vorerst übernehmen mussten, da der Fahrer nicht so viel Geld dabei hatte, unsere Fahrt nach Jinja fort.

Gegen acht Uhr erreichten wir meine Wohnung, schliefen erst einmal ein wenig und packten dann schon unsere Sachen um, denn noch am gleichen Tag gegen vierzehn Uhr sollte es weiter nach Budadiri gehen, wo das Gate des Mount Elgon Nationalparks liegt.

Nach drei weiteren Stunden Autofahrt, dieses Mal ohne Zwischenfälle, erreichten wir wohlbehalten den Zeltplatz in Budadiri, bauten unsere Zelte auf, und bekamen ein, in meinen Augen sehr angenehmes Abendessen, bestehend aus typisch ugandischen Zutaten wie Reis, Kartoffeln, Bohnen und sogar einen Kohlsalat! Auch war es lustig, meine Familie mit der Klosituation konfrontiert zu sehen. Was für mich in sechs Monaten normal geworden ist (ein einfaches Loch im Boden als Toilette), war nun aus europäischer Sicht meiner Familie doch leicht befremdlich! Auch das dass Loch im Boden gleichzeitig als Klo und als Abfluss der Dusche funktioniert rief erhebliches Erstaunen hervor. Außer der Kälte des Wassers und kleinen Geckos und Gottesanbeterinnen gab es keine weiteren Probleme und wir gingen früh schlafen um uns vom langen Anreisetag und für den folgenden langen Wandertag zu erholen.

Am nächsten Morgen ging es mit Anbruch der Dämmerung los: Aufstehen, Zelt einpacken, frühstücken und dann eigentlich auch schon loswandern. Und Martha hatte auch noch das Glück, gleich an ihrem ersten Tag in Uganda, zwei fliegende Kronenkraniche über dem Zelt zu sehen, die die Langschläfer der Familie leider verpassten.

Nach einem Frühstück, bestehend aus Weißbrot, Omelette und einer eiskalten Banane, und einem Treffen mit den beiden Führern, die uns auf unserer Wanderung begleiten würden, fuhr uns das Auto bis zum Startpunkt des Wanderweges, und dann ging es auch schon in straffem Tempo und steilem Anstieg nach oben zum Sasa River Camp, welches auf immerhin 2900m über dem Meeresspiegel liegt.

Der Weg dorthin war anstrengend, aber schön. Zuerst ging es durch ugandische Dörfer und Felder: Kaffee- und Bananenplantagen, Passionsfrüchte (Maracuja) und Avocadobäume und viele kleine Lehmhütten, die auf dem steilen Abhang stehen. Der eigentliche Nationalpark beginnt mit einer Felsstufe im Berg, die man mithilfe von Leitern und Treppen bewältigen muss. Die Landschaft ändert sich mit Eintritt in den Park radikal. Dicht bewachsene Hänge, von Flechten überwucherte Bäume, die ihnen ein Aussehen wie in Herr der Ringe geben, und sogar die ersten Lobelien, die Afro-Forest Lobelia, zeigten sich im beginnenden Bergregenwald. Affen waren zu sehen und ein toller Ausblick in das Tal, nach Budadiri und sogar bis in die Ebene, in der Mbale liegt.

sehr schnell ging es hoch...hinten links im bild liegt Mbalediese felsstufe galt es zu überwindennoch einmal der ausblick nach mbaleleitern und wackelige treppen zum kletterndurch den regenwald :)

Leider fing es noch im Regenwald zu regnen an und so erreichten wir unser Camp etwas nass, was uns jedoch nicht davon abhielt, die Umgebung und vor allem den Sasa River, ein kleiner Bergbach, zu erkunden. Als es dann sogar zu hageln anfing, stellten wir uns dann doch unter.

 am sasa river zusammen mit einer afro forest lobelie

Zwischendurch musste mir immer wieder mal bewusst werden, auf welcher Höhe wir uns befinden. Denn während die Zugspitze mit ca. 2900m von Schnee und Eis bedeckt ist, standen wir bei ebenfalls 2900m im grünen Wald, der nicht ansatzweise nach Berg und über 2000m aussah!!

so hoch wie die Zugspitze!die Küche und das Schlafzimmer der Guides...wenn man kocht, dann dampft es. und mangels Schornstein hier eben aus dem Dach ;)

Da diese Wanderung quasi einem Luxusurlaub gleich kam, wurde sogar für uns gekocht, und wir konnten uns nach Aufbau der Zelte einfach nur entspannen und auf das Essen warten. Und von dem war ich ehrlich begeistert: Spaghetti mit Heinz Beanz! Wenn das nicht mal leckeres Essen für eine Wanderung ist. Auch meine Familie fand das Essen beim ersten Mal noch ganz gut...

Nach einer unangenehm kühlen Nacht, die vor allem mich traf, da ich ja eigentlich bei erträglichen 30°C lebe, ging es am nächsten Morgen nach dem Frühstück (Tee, Bananen, Marmelade und Brot, heißer Milch) und dem Zelt abbauen weiter zur nächsten Station, dem Mude Cave Camp, welches auf 3.500m ü.NN liegt.

Relativ zügig kamen wir aus der Regenwaldzone heraus und betraten die Bambuszone. Die Sonne schien, Bambus überall und dazu die Lobelien, dahinter der Ausblick auf den Kraterrand, den wir am folgenden Tag erreichten wollten, ergaben eine unglaublich schöne Stimmung und sehr motiviert sahen wir unserem Ziel entgegen, welches nicht mehr viele Höhenmeter weit weg war. Nach der Bambuszone folgte die Baumheide: kleine, geduckte und verkrüppelte Bäumchen ducken sich dort vor den harten Witterungsbedingungen auf 3000m Höhe. Bartflechten hängen sich an die Äste und verzaubern die ganze Landschaft. Kurz nach dem wir auch diese Zone verließen und in den Übergangsbereich zur afroalpinen Zone kamen, tauchte eine Patrol-Hut auf, also eine Zweigstelle der Uganda Wildlife Authority (UWA), aus der ein bewaffneter Officer kam und und unsere Unterschriften sowie unsere Rechnung bzw. Eintrittskarte in den Park verlangte. Nach einer kurzen Pause traten wir den Endspurt der letzten zwei Kilometer zum Mude Cave Camp an, welche uns durch eine wunderschöne Landschaft, bestehend aus langem Gras und vielen Senezien, führte.

schon sehr coole pflanzen ;)fotopause :PSenezien in Graslandschaft...und das auf über 3000m!

Im Camp angekommen folgte die Routine: Zeltpatz suchen, Zelt aufbauen und etwas essen, danach Umgebung anschauen. Da es nur eine sehr kurze Etappe war, erreichten wir schon gegen 15 Uhr das Camp und hatten viel Zeit uns umzusehen.

Die nächste Etappe sollte uns auf den Wagagai führen, mit 4321m die höchste Erhebung des Mount Elgon Massivs. Geplant war eine 18km Wanderung, auf der um 1600 Höhenmeter bewältigt werden mussten. Also hieß es am Vorabend, früh ins Bett gehen uns ausschlafen, denn um 5:45 Uhr kingelte der Wecker zum Aufbrechen. Mit Sonnenaufgang machten wir uns auf unseren Weg zum Gipfel. Auf den 3500m zu übernachten forderte mein Kälteempfinden extrem heraus. Es war kalt, aber mit 5°C nicht kälter als im Herbst in Deutschland. Doch nach sechs warmen Sommermonaten in Jinja war ich solche Temperaturen nicht mehr gewöhnt und so saß ich morgens beim Frühstück, nach einer eiskalten Nacht mit Mütze und Handschuhen da und selbst beim Wandern war mir nie so warm, dass ich sie hätte ausziehen können. Und statt wärmer, wurde es kälter. Denn je höher die Sonne stieg, desto höher stiegen wir, und es wurde in meinem Empfinden bitterkalt.

Senezien in MorgenstimmungDer Kraterrand...weit dahinter liegt der WagagaiDie zweithöchste Erhebung des ElgonMartha trifft auf Mr. Flausch (oder auch dendrosenecio elgonensis) ;)

Panorama :)

Schon bald erreichten wir Jackson's Pool, einen aus Regenwasser bestehenden See unterhalb der dritthöchsten Erhebung, dem Jackson Peak. Jackson's Pool liegt auf 4050m und so feierten wir dort die Überschreitung der 4000m-Marke!

Jacksons Pool auf 4050mDankeschön an Papas Fotokünste (Y)

Nach einer weiteren Stunde Wandern erklommen wir den Kraterrand, wo sich uns ein beeindruckender Blick in den Krater bot. Doch leider sahen wir auch das schlechte Wetter über die Gipfel kommen, der zweithöchste Gipfel war schon tief in Regenwolken verhangen. Doch unser Führer Paul legte einen strammen Schritt an den Tag und so erreichten wir, nach einem teilweise nassen Stückchen Wandern durch atemberaubende Landschaft immer mit Blick in den Krater und nach Kenia, den Wagagai.

Erster Blick in den KraterAussicht vom Gipfel, als die Wolken sich lockerten Wagagai - Uganda

Begleitet von eisigem Wind war dieser schon bald von Regenwolken verhüllt und nur kurz konnten wir den unglaublichen Blick in das Tal nach Mbale genießen. Und nach einer Milka-Schokolade auf 4321m ging es dann schon wieder herunter, zurück zum Mude Cave Camp.

Jacksons Peak auf dem Rückwegund der darunter liegende Jacksons Pool

Auf dem Rückweg, als wir zum zweiten Mal bei Jackson's Pool ankamen, wurde es sogar richtig warm, die Sonne schien und gute Laune über den persönlichen Erfolg trieb uns an und so erreichten wir in Rekordgeschwindigkeit das Camp.

Da bisher jeden Abend Lagerfeuer auf dem Plan stand, wollten wir das natürlich auch diesen Abend wieder machen. Doch ein kleines Gewitter mit Regen machte uns vorerst einen Strich durch die Rechnung und vor allem reduzierte es die Temperatur gewaltig, sodass wir wieder frieren mussten, trotz Nudeln mit Heinz Beanz, die meiner Familie so langsam dann doch zu schaffen machten, und im Nieselregen am Lagerfeuer versuchten uns wieder aufzuwärmen.

Mit Paul, unserem Führer, hatten wir tagsüber besprochen, dass wir uns am nächsten Tag eine Monstertour zutrauen würden, anstatt den gleichen Weg zurückzugehen. So standen laut Pauls Angaben 36km einmal quer durch den Nationalpark bis fast zum Sipi-Gate auf dem Plan. Also hieß es wieder früh schlafen gehen, damit es am nächsten Tag tatkräftig vorangehen kann. Um die 30km-Etappe zu schaffen mussten wir sogar noch früher raus als zur Gipfeletappe. Noch vor Sonnenaufgang waren wir schon auf dem Weg zum Krater. Denn unsere Route sollte uns an den inneren Kraterrand führen, danach auf knapp 4000m am zweithöchsten Gipfel vorbei, und dann über zahlreiche Hügelketten bis zum Camp. Auf dem Weg kletterten wir knapp am Abgrund bis zum Kraterrand, dann einmal über den Rand rüber und durch ein Moor, durch dass das Wasser aus der Caldera in das Tal abfließt, bis auf 4000m. Die Landschaft dort war so unbeschreiblich, dass ich es auch gar nicht erst versuchen werde. Vielleicht kann man ja auf den Fotos ansatzweise die Schönheit erkennen...

 im Kraterdas Moor, durch dass das Wasser des Kraters abfließt letzter Blick in den Krater

Der Abstieg war relativ unproblematisch. Da es auch immer mal wieder etwas hoch ging, wurden die Beine vom Abstieg nicht allzu sehr belastet und so kamen wir auch ansatzweise mit Pauls straffem Tempo mit, der augenscheinlich Angst hatte, dass wir zu schwach und damit nicht fähig wären, das Camp vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Doch entgegen seiner Erwartungen erreichten wir schon frühzeitig das erste Camp, in dem man uns mit Mittag, Nudeln mit Heinz Beanz, versorgte (wobei man dazu sagen muss, dass eigentlich nur noch ich satt wurde, da der Rest der Familie dieses köstliche Essen nicht mehr wirklich herunterbekam...).

Erholt und gesättigt ging es dann auf den zweiten Teil der Wanderung, der angeblich aus 8 Ridges (ridge = engl. Gebirgskamm) bestehen sollte, bis wir endlich das Camp erreichen würden. Und es stellte sich heraus, dass Paul in diesem Punkt Recht behalten sollte, im Gegensatz dazu, was er uns an Kilometern prophezeit hatte. Je weiter wir abstiegen, desto üppiger wurde die Vegetation: Wir sagten den letzten Senezien Lebewohl, begrüßten die ersten Bäume und den Bambus und kamen immer weiter in den Bergregenwald hinein. Kurz bevor es richtig in den Wald ging, grüßte uns noch einmal das gewaltige Elgon-Massiv, auf dem wir noch am Morgen gewandert waren, mit einem letzten Blick, bevor er sich in schlechtes Wetter hüllte.

Es wird grüner und wilder, die afroalpine zone haben wir da schon verlassen.stattdessen beginnt die bambuszone von neuem!

Nach einem letzten, richtig steilen Abstieg zum Sipi-River, dessen turbulenten Weg wir am nächsten Tag ansehen wollten, die Sipi-Falls, und einem letzten richtig steilen Aufstieg auf den letzten Kamm, erreichten wir das Camp und die Höhle, an der das Camp liegt.

Urplötzlich tauchte sie vor uns auf, eine gewaltige Felsspalte im Berg mit Wasserfall davor und unzähligen Fledermäusen, die Paul mit einer Taschenlampe aufscheuchte.

Die Höhle von vorne mit Wasserfall davordie Höhle von hinten bei den Fledermäusen ;)

Das Camp hatte sogar eine Dusche, eiskalt, aber immerhin und so waren wir das erste Mal seit 3 Tagen wieder richtig sauber und saßen zufrieden, nach einem leckeren Abendessen (Nudeln mit Heinz Beanz) und etwas stolz auf uns selbst, dass wir eine lange Etappe (nicht wie angekündigt 36, sondern 26km, aber gut) geschafft hatten. Nachdem alle außer Johann und mir schon schlafen waren, beschlossen wir mit einer Taschenlampe ausgerüstet noch einmal des Nachts die Höhle zu erkunden, wo Hunderte Fledermäuse im Licht der Taschenlampe aus der Höhle und wieder zurück flogen. Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis!

Die letzte Etappe zum Sipi-Gate war nicht mehr anstrengend, das Wetter und die Temperatur entsprachen wieder meinem Verständnis von gut und zum schönen Abschluss sahen wir im inzwischen ausgesprochen großen Bergregenwald auch noch ein paar Affen.

Am Gate angekommen mussten wir uns noch in ein Guestbook ein tragen, quasi als Beweis dafür, dass wir es geschafft hatten und außerdem haben wir unseren Führern noch ein Dankeschön für ihre gute Arbeit gegeben. Paul, der auf dem Gipfel Wollsocken als Handschuhe getragen hatte, bekam ein paar Handschuhe, und Samuel bekam den Rest unserer Corny-Riegel, die ihm sehr gut gefallen haben.

Kurz darauf erschien Daudi, der Reiseveranstalter, mit Derek, unserem Fahrer; zusammen mit dem an der Seite leicht ramponierten Auto und wir fuhren nach Sipi, um uns anzusehen, was für Umwege der Sipi River nimmt, in dem er über 100m in die Tiefe stürzt. Bei extremer Hitze und Sonne stiegen wir zu erst zum größten Wasserfall, der auch auf der 10.000 UGX-Banknote zu finden ist. Danach hatten wir leider nicht mehr viel Zeit und so schauten wir danach nur noch den kleinsten Wasserfall an der Sipi River Lodge an, unter dem ich im September geduscht habe und der im Gegensatz zu damals ein durch die lange Trockenzeit bedingtes, kleines Rinnsal geworden ist. Trotzdem war es sehr schön und kaum fertig mit Anschauen, fuhren wir zurück nach Jinja.

  Der Größenvergleich zwischen den Kids und dem Wasserund der zweite, der kleinste der Sipi-Falls, mit einer Wilden Banane davor  hier noch mal :) ganz bekommt man den leider nicht auf ein foto...wie auch bei 120m Höhe

(Fortsetzung folgt...)

Dienstag, 28.01.2014

Kayak-Festival in Jinja

Ganz zufällig und spontan hat sich das für uns ergeben: Am letzten Donnerstagabend, an dem ich eigentlich kurz davor war, mich zu entspannen und nichts mehr zu machen, fragte Christoph, ob ich noch auf eine Party am Nile River Explorers, einem Campingplatz in Bujagali, 10km nördlich von Jinja, mitkommen würde. Da ich nichts weiter vorhatte und auch der Freitag nicht allzu überladen schien, fand ich die Idee super und so machten wir uns um 19 Uhr auf den Weg ins Dorf, weit weit weg von Straßenbeleuchtung und asphaltierten Straßen.

Dort angekommen trafen wir Adriaan und verbrachten einen sehr ausgelassenen Abend im gefühlten Europa. Fast alle der Gäste auf dem Campingplatz waren Weiße aus aller Welt; Einheimische hat man fast gar nicht gesehen. Doch durch die Abwesenheit der Ugander, die normalerweise die Nachtclubs und Bars besetzen, wurde auf dieser Party eben mal keine ugandische Musik (die wirklich nicht zu ertragen ist!) oder Charts gespielt, sondern sogar ACDC und Black Sabbath. Die Stimmung war super, wir haben viele Leute unterschiedlichster Nationaltitäten getroffen und dachten immer noch, es sei eine Party für einen Abend. Doch als wir dann zwei weitere Deutsche trafen, war die Sache endlich klar: Das ganze Wochenende sollte ein Kayak-Festival auf dem Nil und seinen Stromschnellen stattfinden. Jinja ist sehr bekannt für seine Raftingmöglichkeiten und -angebote und zieht mit den Nilattraktionen zahlreiche Touristen aus aller Welt an. Und dieses Wochenende stand eben unter dem Motto "Kayak", das heißt, man fährt alleine in einer kleinen, wendigen Plastikschüssel die reißenden Stromschnellen des Nils herunter! Am Folgetag der Party, dem Freitag, fand ein 40km Rennen auf dem Nil statt; 40km vom Bujagali-Staudamm, bis zur Hairy-Lemon, einer kleinen Insel im Nil circa 50km nördlich von Jinja. Da durch das Festival die Preise für Transport und Eintritt zur Insel um die Hälfte reduziert waren, und wir die Hairy Lemon schon immer mal besuchen wollten, ergriffen wir diese Möglichkeit, nahmen uns den Freitag frei, also eigentlich nur Christoph und ich, denn Adriaan und Annemarie mussten sowieso nicht arbeiten, und fuhren mit einem richtigen Touristentransport zur Hairy-Lemon. Der Name "Hairy Lemon" ist ja schon etwas komisch, es bedeutet soviel wie "Haarige Zitrone" und hat einen ganz witzigen Ursprung. Der Besitzer der Insel kommt aus England und sein Lieblingspub, eine Irische Bar, hieß nun mal "Hairy-Lemon". Deshalb benannte er kurzerhand auch seine Insel so.

Der Transport dorthin war mir persönlich etwas unangenehm. Als Freiwilliger passt man sich ja mehr oder weniger an die Transportmöglichkeiten der Einheimischen an und so fährt man viel mit Matatus, den Sammeltaxis, oder Boda Bodas oder in meinem Fall sgar viel mit dem Fahrrad. Doch als Tourist ist man noch in einer völlig anderen Welt, eben in der Heimat Europa oder Amerika, und so gibt es immer Extra-Transportwege für "Muzungus". In diesem Fall war das ein LKW mit überdachter Ladefläche mit Bänken, auf denen man dann auf dem Laster im frischen Wind sitzt und sich durch die Landschaft kutschieren lässt. Einen solchen Transporter würde auch die Polizei, aufgrund der vielen Weißen, die Stress machen könnten, niemals anhalten! Doch wenn man selbst auf so einem Laster sitzt und die Bewohner der Dörfer, durch die man fährt, winken sieht und nach Geld fragen hört, dann fühlt man sich schon schlecht. Normalerweise, wenn ich im Matatu sitze, dann mag ich dieses Muzungu-Schreien und Betteln gar nicht. Denn dann ist es reiner Rassismus. Doch wenn so ein Truck vorbeikommt und auf die für Heimische unbezahlbare "Hairy Lemon" fährt, dann ist dieses Rufen und Betteln verständlich, denn jeder in diesem Truck gibt an diesem einen Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr aus, als einer der Rufer im ganzen Monat verdient. Es ist schwierig dieses Gefühl zu beschreiben - eine Mischung aus schlechtem Gewissen und Schuldgefühl, weil man als Freiwilliger ja eigentlich einer von ihnen ist. Mehr als die Touristen auf jeden Fall und die werden das auch nie so erfahren wie ein Freiwilliger!

Trotzdem hatten wir super Laune an dem Tag, für das Geld war das auch notwendig, und so kamen wir fröhlich auf der Hairy Lemon an und waren überwältigt. Es wirkte wie das Tropenparadies aus den Reisebürokatalogen! Der Nil fächert sich an dieser Stelle in unzählige Arme auf und überall gibt es kleine Stromschnellen, die auf der ganzen Insel ein enstspannendes Rauschen und Plätschern erzeugen. Dann gibt es um die Insel herum viele kleine Inseln, bewachsen mit Palmen verschiedenster Art und anderen Tropenpflanzen. Dazu hatten wir auch noch Superwetter und konnten dieses Paradies voll aufnehmen. Bei eisgekühltem Bier und einem Essen, das im Eintrittspreis inklusive war, lagen wir also auf der Wiese, an den einzelnen Bächen oder auch am Strand am Hauptstrom des Nils herum und hatten einen herrlichen Tag. Der Nil sieht dort oben auch ganz anders aus als in Jinja. Obwohl in Jinja die Quelle ist, ist der Fluss aufgrund des Owen Fallsn Staudamms gewaltig groß und breit. Fünfzig km flussabwärts ist der Nil kleiner, wendiger und natürlicher, was irgendwie viel schöner ist.

Mit dem Kanu zur Insel und den Nil genießen :)Entspannung pur!Paradies...Diesen BLick auf die kleinen Palmeninseln und rauschenden Nilstromschnellen kann man gar nicht oft genug knipseneiner der Nilarme...Irgendwo da habe ich auch eine Schildkröte gesehen, doch genug Geistesgegenwart sie auch zu fotografieren, hatte ich leider nicht :( ich war zu begeistert :DIrgendein schicker Vogel im Baumnoch ein Blick ins Paradies ;-)

Schwimmen gehen war auch möglich, denn durch die große Strömung, die dort herrscht, haben Bilharziose-Larven und anderes Getier keine Chance!

Schwimmen ist wie gesagt auch möglich und so eroberte Christoph seine eigene Insel

Ein Highlight auf der Hairy Lemon war auf jeden Fall die freilebende Schildkröte, die ich gesehen habe! Sowas liest man sonst immer nur in Reiseführern, aber es wirklich mal zu sehen ist noch mal etwas ganz anderes!!

Am frühen Nachmittag trafen dann auch die ersten Kayakfahrer ein und mussten nach ihrem 40-km-Rennen erstmal einen Parkour bestehen um wirklich das Ziel zu erreichen. Die Veranstalter haben dort Planen ausgelegt, die mithilfe von Seife und Wasser sehr rutschig waren, gefolgt von ein paar umgekippten Booten und Baumstämmen über die man springen musste und zu guterletzt ein Netz, durch das man klettern musste. Und um wirklich zu gewinnen mussten die Fahrer auch noch ein Bier in einem Zug austrinken! Starke Leistung nach 40km Kayak fahren!!

Der Rutschparkour zum Ziel für die KayakfahrerUnd zwei Kayakfahrer...das sind wirklich nur so Plastikschalen!

Am Abend sollte wieder eine große Feier sein, dieses Mal jedoch nicht im Camp sondern auf der Insel. War bestimmt super, aber auch ziemlich teuer...da merkt man dann doch wieder, dass man zwar mal Tourist spielen kann, aber eigentlich nur ein kleiner Freiwilliger ist.

Volleyball mal anders...nächstes mal wirds ausprobiert ;)

Am Samstagabend fand die große Kayak-Festival-Abschluss-Feier statt, wieder im Nile River Explorers, also gut und günstig von Jinja aus erreichbar, und so waren wir auch dort am Start. Und diese Feier hat wirklich nochmal alles übertroffen, was ich bisher so erlebt habe, an nächtlichen Aktivitäten. Es waren zwei pinke Reisebusse aus Schweden da, ein großer Reisebus mit Engländern auf Afrikarundreise und viele viele Touristen, Freiwillige, Kayakfahrer und viele mehr da. Ich habe mit Isländern gesprochen, mit einem sehr reichen Israeli, einem afghanischen Amerikaner aus Arizona, vielen Schweden, Deutschen, Engländern und sogar Japanern! So viele Nationaltitäten auf einem Haufen, alle gut gelaunt und fröhlich, zu treffen, ist eine wahre Freude! Und zu allem Überfluss gab es auch noch ein Liveband aus Austin, Texas. Ryan und sein Schlagzeugerkollege spielten die ganze Zeit alte amerikanische Klassiker (Johnny Cash, Bryan Adams, Bob Marley, Bruce Springsteen, Van Morrison und noch viele mehr). Livebands trifft man in Uganda sehr selten, eigentlich nur Musik aus der Dose, und so habe ich das sehr genießen können!

Doch um dann von diesem schönen Wochenende wieder runterzukommen und dem Bewusstsein, dass man sich eben auch unter 200 Weißen Touristen immer noch in Uganda befindet, noch ein Bad-End: Zur Party hatte ich meine Regenjacke mitgenommen, da es oben am Nil doch auch schon mal frisch werden kann und wir nicht ganz genau wussten, wie wir nach Hause kommen würden. Den Hinweg sind Christoph und ich aus mangelnder Bewegung am Samstag gelaufen und so trug ich meine Jacke mit mir rum und packte nach Einbruch der Dunkelheit auch meine Sonnenbrille dort hinein. Am Camp angekommen, legte ich sie auf ein Gitte über der Bar, dass mir die Barkeeper bereits am Donnerstagabend empfohlen haben, da die Jacke dort sicher wäre. Als wir nach der Party los wollten, war die Bar schon geschlossen, das Gitter als Schutz vor Dieben heruntergelassen, und so konnte meine Jacke da natürlich auch nicht mehr liegen, denn da war sie ja drauf. Also sprach ich mit dem Manager, einem höchst unsypmathischen Typ aus den Niederlanden, ob er meine Jacke beim Schließen der Bar gesehen hätte. Er meinte wenn, dann liegt sie im Office und ich solle morgen wiederkommen. Also fuhr ich auch Sonntagmorgen noch mal dahin, nur um feststellen zu dürfen, dass der verehrte Manager im Urlaub ist und mich schön reingelegt hat. Kurzum...meine Jacke wurde dort mitsamt meinem Schweizer Messer, meiner Sonnenbrille und meinen Haustürschlüsseln geklaut und verlieh dem ganzen Wochenende ein leicht beschädigtes Ende. Nichtsdestotrotz waren es schöne Tage als Tourist in Jinja!

Doch Tourist werde ich ja erst jetzt so richtig! Meine Familie kommt mich am Sonntag besuchen und wir klettern auf den Mt. Elgon, fahren auf die Ssese Islands und in den Lake Mburo Nationalpark! Leider resultiert daraus auch, dass ich jetzt für eine längere Zeit eine Schreibpause machen muss! Denn danach geht mein Seminar in Tansania los und ab März habe ich meine Freundin zu Besuch...Es wird also etwas dauern, bis ich das nächste mal einen Blogeintrag schreibe, doch der wird dann sehr lang und ausführlich, denn in den nächsten zwei Monaten erlebe ich eine ganze Menge: sogar den Kilimanjaro in Arusha!

 

Viele Grüße aus der Trockenzeit in Afrika und bis bald!
Carl 

Donnerstag, 09.01.2014

Weihnachten und Silvester in Ostafrika

Am 21. Dezember um vier Uhr am Morgen startete meine zweiwöchige Reise in den Südwesten Ugandas und nach Ruanda. Da ich an meinem letzten Arbeitstag noch bis Mitternacht draußen auf dem Dorf bei einer Fahrradvergabe zu tun hatte, beschloss ich, die restlichen vier Stunden nicht mit schlafen zu verschwenden, sondern machte mich ans Aufräumen und Rucksack packen.

Gegen halb fünf waren dann alle aus Jinja am Taxi nach Kampala versammelt und wir machten uns zu fünft auf den Weg zum Lake Bunyonyi, einem See im Südwesten Ugandas bei Kabale, der angeblich der zweittiefste See Afrikas ist und durch einen besonders hohen Mineralgehalt im Wasser bilharziosefrei sein soll. An diesem Badesee wollten alle Uganda- und nahezu alle Ruandafreiwilligen ihr Weihnachtsfest verbringen.

Schon gegen sieben trafen wir in Kampala auf dem New Horizon City Buspark ein, der so etwas wie ein Hauptbahnhof ist, und warteten auf die Abfahrt des Busses nach Kabale. Doch wie das in Uganda so läuft dauerte es noch eine gewisse Zeit, bis der Bus tatsächlich losfuhr.

Also wurde es acht Uhr, neun Uhr und gegen halb zehn, nach gut zweieinhalb Stunden Warten fuhr unsere grüne Klapperkiste endlich los. Das der Bus nicht mehr für 500km geeignet war, sollte sich später noch herausstellen!

Kampala Innenstadt bei der AbfahrtWeihnachtszeit ist Reise- und damit Stauzeit

So brausten wir durch die Landschaft und nahmen auf dem Weg noch Max und Naomi mit, die an der Strecke wohnen und für die wir im Voraus Plätze reserviert haben. Die Stimmung war gut, immerhin ging es in die Ferien, und so gelangten wir ziemlich schnell nach Mbarara und dann auch in die wunderschöne Berglandschaft um Kabale, die sich bis an die Grenzen zu Ruanda hinzieht. Und dann passierte es unserem Bus: Er fing einfach an zu qualmen und zwei Männer kamen angerannt und haben Wasser in ein Rohr gekippt, das im Passagierraum des Busses herausragte. Eine halbe Stunde haben sie den Motor gekühlt, unter dem Bus war ein regelrechter See entstanden, bis unser Conducter, so heißt hier der Schaffner, die Panne für offiziell beendet erklärte.

Landschaft bei Mbararaje weiter man Richtung ruandische Grenze kommt, desto bergiger wird es

Erst als es schon dunkel wurde erreichten wir die kleine Stadt Kabale. Nach nur einem kurzen Stopp zum Geld holen, Essen kaufen und sonstigen Besorgungen mieteten wir ein special hire, also ein echtes Taxi, das uns bis zum Steg brachte, an dem das Motorboot zur Insel auf uns wartete.

Bei Nacht unter einem gigantischen Sternenhimmel fuhren wir durch die vielen Inseln bis zu unserer Insel, auf dem der Schlafsaal und mein Campingplatz waren. Diese Nachtfahrt auf dem tiefschwarzen See war schon mal ein guter Anfang für unsere Zeit auf der Insel.

Die Tage dort vergingen wie im Flug, das Geld leider auch, aber das lag wohl daran, dass man erstens nicht sofort bezahlen musste, sondern sich alles aufschreiben lassen hat und dass das Essen wirklich gut war!

Das Wappentier Ugandas - der KronenkranichAuf der Insel lebt sogar ein Pärchen

Am 23. Dezember mieteten Christoph, zwei Freundinnen aus Kanada, Patrick und ich ein Kanu und schipperten den ganzen Tag auf dem See herum, immer mal unterbrochen von kurzen Badepausen. Außerdem legten wir auch einfach an einer Insel an, die uns von weitem als die wildeste vorkam, da sie im Gegensatz zu den meisten anderen dicht bewaldet war. Also machten wir eine kleine Exkursion über eine Insel, auf der ein beeindruckender Eukalyptuswald wuchs. Als wir dann die kleine Insel schon zur Hälfte umrundet hatten, bemerkten wir, dass wir uns auf Privatgelände einer Lodge befanden! Also schnell wieder ins Boot und unbemerkt die bereits besetzte Insel verlassen. Auf der Kanutour sahen wir ziemlich viele Vögel, unter anderem auch Kormorane, die aussahen wie Pinguine und den wunderschönen Kronenkranich, von dem es allerdings sehr schwer ist, Fotos zu machen.

Kanutour :)Anlegen an der wilden Inselkleine Pause auf einem nahezu wagerecht gewachsenem Eukalyptusbaum...christoph hoch hinaus!Eine super schöne Insel!!weiter gehts zur nächsten Insel...dort gibts genau einen Baum mit ein paar Kormoranen draufEin paar Blumen für das kalte Deutschlandund noch eine :)

Heiligabend fing mit einem ausgiebigen Bad im See an. Das Weihnachtsfrühstück war super, das Mittagessen auch und eigentlich haben wir sowieso viel gegessen an diesem Tag. Wie sich das zu Weihnachten so gehört. Den Rest des Tages hat nicht mehr so viel stattgefunden. Patrick und ich umrundeten noch einmal unsere Insel, während die meisten anderen erst an diesem Tag die Idee hatte, Kanu zu fahren. Gegen Abend gabs wieder mal essen und irgendwann wurden laut Weihnachtslieder geträllert. Da aber in diesem Restaurant auch Briten waren, mussten wir irgendwann auf englische Weihnachtslieder wechseln. Aber wer kann schon englische Weihnachtslieder singen? Um ein Uhr in der Nacht verließen uns die ersten schon wieder: Zora, Paloma, Kerstin und Naomi machten sich auf den Weg nach Sansibar um dort Silvester zu verbringen. Dadurch war der Heiligabend auch nicht besonders besinnlich, sondern eher Planung und Zeitdruck. Aber genau sowas macht ja die Erfahrung aus und unterscheidet das Weihnachtsfest hier, von dem, das man jedes Jahr in Deutschland haben kann. Die Briten gingen auch früh ins Bett: Die feiern ja erst am 25. Dezember.

Blick vom Hügel der Insel in die eine......und in die andere RichtungAbendstimmung am lake bunyonyieinfach eine superschöne LandschaftEin Suchbild...wer findet den Vogel? ;)

Der erste Weihnachtsfeiertag war für einen Großteil der Gruppe das Aufbruchssignal nach Ruanda. Nur Malte und Max blieben noch etwas auf der Insel. Allerdings wollten nicht alle, die nach Ruanda wollten auch in die gleiche Gegend Ruandas. Also teilten wir uns auf zwei Grenzübergänge auf und für mich ging es zum Grenzübergang südlich von Kabale: Die Strecke nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Die erste Grenzüberschreitung innerhalb Ostafrikas war für mich auch ziemlich interessant. Verwöhnt durch europäische Grenzen, wo man nur anhand kleiner blauer Schilder und an eventuell vorhandenen, alten Grenzanlagen den Übergang zwischen zwei Ländern erkennen kann, war das mit der ruandisch-ugandischen Grenze schon spannender. Zuerst mussten wir uns einen Ausreisestempel für Uganda holen und einen Emigration-Zettel ausfüllen: Warum wollen Sie aus Uganda heraus? Wie lange sind sie schon in Uganda? Wie lange wollen Sie wegbleiben?

Dann mussten wir zu Fuß über den ungefähr einen Kilometer breiten Niemandslandstreifen laufen und auf ruandischer Seite ging das Spektakel wieder los. Zettel ausfüllen, Pass zeigen, Einreisestempel holen und nach ungefähr einer Stunde waren wir dann auch endlich im Land der tausend Hügel.

Nach zwei weiteren Stunden Matatufahrt durch ungezählte Serpentinen, denn das Land trägt seinen Spitznamen nicht ohne Grund, erreichten wir Kigali.

Für mich, als Freiwilligen aus Uganda, war alleine schon der Buspark in Kigali überwältigend! Auf dem ganzen Buspark herrscht nämlich Ordnung! Es gibt Ampeln, an die sich gehalten wird und das eindrucksvollste war ein Linienbus mit LED-Anzeige, welches Ziel er gerade anfährt. Ich war wirklich kurz davor zu glauben, man hätte uns nach Europa verschifft. Die Straßen sind alle neu und ohne Schlaglöcher, es gibt funktionierende und viele Straßenlaternen. Und die großen Straßen haben sogar LEDs am Straßenrand um die Straßenführung deutlich zu machen! Das hab ich noch nicht mal in Europa gesehen. Bei Abbiegungen blinken die!!

Blick auf Kigali, der Hauptstadt RuandasIn der Mitte der KCT, der Kigali City Tower. ein supermodernes Einkaufszentrum mit Kino (Hobbit 2 in 3D), einem Dönerladen und vielem mehrDer Buspark Kigali, komplett gesponsert vom südafrikanischen Mobilfunkanbieter MTN

Völlig beeindruckt aßen wir erstmal etwas im Stammlokal „Cosmos“ der Kigali-Freiwilligen Jan, Stefan und Max, mit denen wir auch Weihnachten verbracht hatten.

Noch am Abend traf ich dann Felix, der auch für Silvester nach Ruanda gereist war. Zusammen wollten wir erst auf eine kleine Trekkingtour gehen und danach Silvester feiern, so wie es sich gehört.

Am nächsten Tag sind wir dann doch noch nicht los, sondern haben noch einen Tag in Kigali verbracht, uns ruandische SIM-Karten gekauft und ein bisschen Europa-Feeling genossen; vor allem beim Mützig-Fassbier im deutschen Supermarkt.

Der 27. Dezember war unser Aufbruchstag und wir stiegen mittags in einen Bus nach Gisenyi, im Nordwesten Ruandas direkt an der Grenze zum Kongo. Die Strecke war superschön! Zuerst ging es durch die für Ruanda typischen Berg- und Hügellandschaften, immer hoch und runter und meistens mithilfe vieler Serpentinen. Kurz vor Musanze hat man sie dann das erste Mal gesehen: die Virunga-Vulkane. Diese Vulkankette zeichnet die Grenze zwischen Uganda und Ruanda und zieht sich bis in den Kongo und die Berge sind über 4000m hoch! Da wir nur auf etwa 1500m waren wirkten diese Vulkane gigantisch. Kurz hinter Musanze ging dann auch die Sonne unter und man konnte ein Gewitter über dem Kongo beobachten, mit teils sehr eindrucksvollen Blitzen! Und dann war da noch was in den Wolken: ein roter Fleck, der durch das grau-schwarz der Wolken im Sonnenuntergang hindurchschien. Zuerst dachte ich, dass die Sonne beim Untergang direkt hinter den Wolken steht, und doch noch so stark ist umm durch die Wolken hindurchzuscheinen. Doch nach 20 weiteren Minuten hat man den Fleck immer noch gesehen! Sonne kann es also nicht gewesen sein. Doch dann ist es mir eingefallen: in der Nähe von Goma, der Stadt die Gisenyi direkt gegenüber liegt, eben auf kongolesischer Seite, gibt es einen offenen Lavasee! Dessen Widerschein hat sman durch die besonderer Konstellation von Wolken, Lichtverhältnissen und Tageszeit in der Gewitterwolke gesehen! Sobald ich diese Erkenntnis hatte, war ich sehr beeindruckt; mal wieder auf der Reise. Denn das Bild, dass sich ergab, war wie ein Blick nach Mordor aus „Herr der Ringe“. Das böse Land, das mächtige Gewitter und der Lavasee!

In Gisenyi wollte ich eigentlich bei Mika, einem Bekannten übernachten, doch leider habe ich ihn erst auf der Fahrt nach Gisenyi angerufen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass er gar nicht in Gisenyi ist und wir so natürlich auch nicht bei ihm übernachten konnten. Also saßen wir etwas planlos in Gisenyi im Restaurant und haben überlegt, was man jetzt so machen sollte. Da rief mich Mika an und meinte, in seiner Bude sind noch Gäste von ihm, die könnten uns ja reinlassen. Und wir wollten ja sowieso nur eine Nacht bleiben. Also wurden wir für diese Nacht die Gäste von den Gästen und hatten doch noch ein Dach über dem Kopf. Das Haus der Freiwilligen aus Gisenyi ist sehr groß und vor allem super gelegen! Es hat direkten Zugang zum Lake Kivu, der in Ruanda als bilharziosefrei gilt. Also saßen Patrick, Felix und ich abends auf der Mauer direkt am See, haben ein Bierchen getrunken, haben uns eine Schokolade gegönnt und auf den Kongo geguckt, in dem es schon wieder gewittert hat! Es war sehr weit weg, doch da Wasser ja Schall sehr gut überträgt haben wir den Donner zu den Blitzen bis zu anderthalb Minuten später gehört!

Nachts waren in der Wohnung so viele Mücken, dass ich mein Innenzelt in der Wohnung aufgebaut habe! Trotzdem bin ich jetzt noch von den Mistviechern zerstochen.

der lake kivu....von der Freiwilligenwohnung in Gisenyi aus gesehen...so kann man auch leben ;)

Am nächsten Morgen überlegten Patrick, Felix und ich was wir denn jetzt mit unseren drei Tagen so anstellen könnten, denn zu Silvester wollten wir zurück in Kigali sein. Am Abend zuvor hatte ich vom Moto (Boda Boda in Uganda, das Motorradtaxi) das Schild „Kongo-Nile-Trail“ gesehen. Das ist ein Wanderweg, der einmal um den Lake Kivu auf ruandischer Seite entlang führt. Der erste Teil des Weges von Gisenyi nach Kibuye sind ca. 90km, also haben wir uns gesagt: Auf geht’s! Dreißig Kilometer am Tag sind doch nichts.

Auf gehts...der Congo-Nile-TrailBlick auf den Lake Kivu, der so groß ist, das er mehr an ein Meer erinnert Als weißer (Muzungu) Wanderer hat man immer eine große Gefolgschaft aus Gudde Morninng und Hapa Chupa (gib mir die Flasche) schreienden KindernDer weg führt dann manchmal auch an dem einen oder anderen Wasserfall vorbei

Also liefen wir los und waren dann tatsächlich auf Wanderung, mit Wanderschuhen, Rucksack und Zelt im Gepäck. Die erste Etappe startete bei super Wetter und mit grandiosem Ausblick auf den See, der so groß ist, das er vom Ufer betrachtet kein anderes Ufer hat und daher teilweise wie ein Meer wirkt. Zum Mittag machten wir eine Entdeckung, die unser sehr positives Bild von Ruanda etwas trübte: Es gibt in diesem Land kein Streetfood!! In Uganda und laut Felix auch in Tansania stehen in jedem noch so kleinen Dorf Leute, die Chapati machen, Gemüse verkaufen oder Eier kochen und verkaufen. Auf jeden Fall bekommt man immer etwas frisches zu Essen. In Ruanda: Fehlanzeige! Damit hatten wir nicht gerechnet. Da wir unsere gesamte Reise sehr spontan gemacht haben, hatten wir auch keinen Proviant mit, wenig Wasser und auch keine Karte, da alles nicht geplant war und wir auch davon ausgegangen waren, dass man so etwas auf der Strecke bekommen kann. So gab es zum Mittagessen nur ein paar Fertigmandazis (das sind frittierte Teigbälle) und eine Cola. Die gibt es überall!

Am Ende des Tages hatten wir jedoch gerade mal 23km auf dem Kilometerzähler stehen: Viel zu wenig! Trotzdem mussten wir nach einem Zeltplatz suchen; es wurde bereits dunkel und das Wetter wurde nach einem kurzen Nachmittagsgewitter auch immer schlechter. Irgendwann fanden wir dann einen Campingplatz auf dem Gelände einer kirchlichen Institution, die eine Werkstatt, eine Schule, eine Kirche, eine kleine Pension und eben auch diesen Zeltplatz beinhaltete.

Direkt am See schlugen wir das Zelt auf und wurden dann noch von einem Mitarbeiter auf lokalen Kaffee eingeladen!

Und auch wenn es sich wiederholt; es war wirklich so: Abends saßen wir dann am Strand zum See und haben in den Kongo geguckt, in dem es wieder mal sehr eindrucksvoll gewittert hat.

Den nächsten Tag starteten wir mit einem Frühstück in der Kirchenkantine, Rührei mit Kaffee, und brachen dann auf zu unserem nächsten Ziel: Bumba Base Camp in den Bergen.

Am nächsten Tag ging es durch ein kleines ruandisches FischerdorfEukalyptuswälder auf den Hängen der gefühlt immer höher werdenden BergeWieder mal Blick auf den Lake KivuTraumhaft schöne Buchten, durch die man als Wanderer auf dem Congo-Nile-Trail geführt wirdIrgendwann war der Weg auch nur noch ein richtiger Wanderweg

Das Wetter war an diesem Tag von Anfang an nicht sonderlich gut und es wurde auch eher wieder schlechter. Unterwegs kauften wir uns eine Stange Zuckerrohr, die zwar schrecklich ungesund ist, aber auch unheimlich motiviert! Außerdem ging es ordentlich bergauf und bergab und so waren nach 25 km alle unsere Muskeln kurz vorm aufgeben! Aber wir mussten das Bumba Base Camp erreichen, ansonsten hätten wir es nicht pünktlich zu Silvester nach Kigali geschafft. Also weiterlaufen, bis in die Nacht hinein. Dann stellten wir auch fest, das wir nur eine mickrige Taschenlampe mithatten und das Kameralicht von Patricks Handy. Super Bedingungen für ein Nachtanderung in Ostafrika, wo man nachts nicht einmal mehr die Hand vor Augen sieht. Wir fragten uns durch nach dem Weg nach Bumba und wurden prompt in die falsche Richtung gelenkt. Nach vier weiteren Kilometern Fußmarsch bergauf fagten wir noch mal nach. Und die Antwort war dann eher wenig motivierend: „Nee, Bumba erreicht ihr heute nicht mehr! Das ist noch sechs Kilometer weiter und der Weg ist ganz schlecht, bei Dunkelheit unmöglich zu laufen.“

Da standen wir dann nun, inmitten einer Traube Ruander irgendwo im nirgendwo und wussten nicht so richtig wohin. Doch der Mann, den wir gefragt hatten, lud uns freundlicherweise zu sich ein. Also umkehren und noch mal zwei Kilometer laufen, komischerweise auch wieder bergauf. Als wir endlich vor der Lehmhütte ankamen, die laut eigenen Angaben eine der besten im Dorf sein soll, standen 37 km auf meinem GPS. Mörderetappe!

Abends unterhielten wir uns dann noch mit unseren Gastgebern: Die Frau ist Krankenschwester in einem nahegelegenen Krankenhaus und ihr Mann kam erst letztes Jahr nach wieder nach Ruanda. Nachdem er 1994 in den Kongo fliehen musste und dort studierte, hat er sich erst letztes Jahr wieder nach Ruanda getraut! Díe Geschichte des Genozids holt einen überall in diesem Land wieder ein!

Wir bekamen ein Abendessen und ein Frühstück und sogar die Matratze der Kinder, was uns gar nicht recht war. Doch Diskussion zwecklos und so schliefen wir sehr komfortabel in der Lehmhütte auf 1850m mit grandiosem Blick auch den See, der rund 380 Höhenmeter unter uns lag.

Der nächste Tag war unsere letzte Etappe und da wiir zwar auf dem falschen Weg waren, aber auch nicht zurücklaufen wollten, mussten wir einen 10km Umweg in Kauf nehmen. Doch nach 15km war der Congo-Nile-Trail immer noch nicht in Sicht, stattdessen wandten wir uns immer mehr dem See ab und liefen steil und lange bergauf ins Innenland. Als wir unsere 20km erreicht hatten waren wir auf über 2000m, gestartet hatten wir zwar bei 1850m, sind aber dann noch einmal komplett bis auf 1470m, also das See-Level, hinabgestiegen!

Wer hat eigentlich gesagt, dass man Rucksäcke auf dem Rücken tragen muss?Je höher man kommt, desto schöner die AussichtEine ca. 7cm große Gottesanbeterin...die sind total faszinierend

Irgendwann hatten wir genug und wir suchten die Hauptstraße um das letzte Stück zu trampen. Denn die 37km Tour vom Vortag steckte noch gehörig in den Knochen und Laufen an sich war schon eine Qual. Wir fanden auch tatsächllich ein Auto das uns mitnehmen wollte und konnte und so erreichten wir schon am späten Nachmittag Kibuye. Glücklich und zufrieden aßen wir etwas und machten uns dann auf die Suche nach einem Campingplatz. Dabei haben wir uns zufällig mit dem Gerichtspräsidenten des Kirongi-Distriktes angefreundet. Patrick und ich wollten eigentlich nur mit einem ortskundigen sprechen, um eventuell eine Zeltmöglichkeit zu erfahren. Dabei gelangten wir an den Präsidenten des Gerichts, der dann auch prompt ein paar Anrufe tätigte. Er erreichte jedoch niemanden und so kam kurzerhand die Einladung in seine Villa direkt am Seeufer. Vorher gab es noch eine leicht fragwürdige Situation. Als er uns fragte, woher wir kämen, sagten wir Deutschland. Da fing er laut an zu lachen und meinte: „Mein Name kommt auch aus der Region!“ Wir waren etwas verwirrt, guckten ihn irritiert an und er rief fröhlich und voller Stolz: „Adolf, mein Name ist Adolf!“ Und als ob wir ihm das nicht glauben würden, suchte er nach einer Mitarbeiterkarte um uns zu beweisen, das er Adolf heißt. Da wurde dann allerdings auch klar, das er Adolphe heißt. Warum er so stolz auf diesen Namen war, weiß ich nicht und will ich auch gar nicht wissen. Aber viele Menschen in Ostafrika halten Hitler für einen großartigen Führer.

Am Ende haben wir seine nette Einladung dann doch abgelehnt und haben in einer Billigabsteige im Zentrum Kibuyes übernachtet. So hatten wir wenigstens noch die Möglichkeit, auf unsere Tour anzustoßen und uns einen netten Abend zu machen.

Silvester brachen wir schon relativ früh in Kibuye auf und fuhren wieder durch die traumhafte Landschaft Ruandas nach Kigali.

Silvester an sich war nicht sehr eindrucksvoll, und da gibt’s auch nicht so viel zu erzählen. Nur so viel: Silvester wird in Ruanda nicht gefeiert, so das es weder einen Countdown, noch ein Feuerwerk gab und so haben wir Mitternacht eigentlich verpasst.

Die ersten drei Tage habe ich noch zusammen mit Felix und Patrick in Kigali verbracht. Wir waren im Kino, mit allerneuester 3D-Technik und dem neuesten Film, der Hobbit 2. Wir waren Handy kaufen, Döner essen, Fassbier trinken und haben den deutschen Supermarkt leer geräumt. Kurzum – wir haben es uns richtig gut gehen lassen. Da wir in Kigali waren, war ein Besuch des Genocide-Memorial Pflicht und es war sehr sehr traurig, aber auch interessant und wichtig!

Am 4. Januar machten Patrick und ich uns wieder auf den Weg nach Kampala und traten bereits um 6 Uhr morgens unsere Reise im Bus an. Wir passierten wieder die Grenze und fuhren durch das Bergland Kabales bis in die Steppen um Mbarara. Dort hab ich dann noch etwas richtig schönes gesehen. In der Nähe dieser Steppen liegt der Lake Mburo Nationalpark, und der ist nicht eingezäunt. Die Tiere können also frei entscheiden, wo sie sich aufhalten und so kam es, das an der Straße eine Herde Zebras stand!! Einfach nur klasse.

Erst um 22 Uhr kam ich zu Hause in Jinja an und war richtig froh, wieder zu Hause zu sein. Nach zwei Wochen auf Reisen freut man sich schon wieder auf sein eigenes Bett, seinen Rolexstand und den Umstand, das man sich auskennt!

Am Montag, also am 6. Januar fuhr ich mit Nico noch nach Kampala. Wir wurden von der Botschaft eingeladen, am Stammtisch teilzunehmen und den Film „Hotel Lux“ zu gucken. Da ich den Film schon kannte und ich ihn sehr mochte, sind wir noch mal dahingefahren, um den Film zu sehen. Kurz davor kauften wir uns im Supermarkt ein Picknick und wollten uns auf eine Bank im Golfplatz setzen, über den viele Leute gingen; auch welche, die ganz sicher keine Golfclubmitglieder waren. Insgesamt entstand einfach eine schöne Parkatmosphäre. Als wir fast fertig mit Essen waren kam ein Polizist vorbei und meinte er müsse uns jetzt verhaften, wir seien Straftäter. So ein Ärger, da ist man auf dem Weg zum Stammtisch und muss sich jetzt auch noch von so etwas aufhalten lassen. Denn klar ist: Wenn ein Polizist dich anspricht, will er Geld. Also ging es los. Wir haben gesagt, das wir nichts haben, er hat gesagt, er steckt uns in den Knast. Wir haben gesagt, wir haben ein bisschen was, er hat gesagt, er will viel mehr, ansonsten muss jeder von uns 300$ zahlen. Wir haben gesagt, wir brauchen noch Geld für die Rückfahrt, er hat gesagt, er will mehr, sonst könnten wir das nicht unter Freunden regeln. So zog sich das etwa eine halbe Stunde, bis wir ihm 30.000 UGX, also ca 8€ gegeben hatten, und er endlich Ruhe gab.

So musste ich nun also tatsächlich einen Polizisten bestechen, um Schlimmeres zu umgehen. Denn nachdem, was ich so gehört habe, wird es nur teurer, je länger man sich mit der Polizei beschäftigt und je ranghöher die Person ist, mit der man gerade in Kontakt ist. Und an diese Institution soll man sich also im Notfall wenden! Na herzlichen Dank.

Jetzt bin ich auch endlich wieder im Alltag angekommen, ich genieße meine Arbeit und das gute Wetter!
Viele Grüße aus Uganda!

Dienstag, 10.12.2013

Roadtrip Uganda – Vom Nil zum Rwenzori auf dem Fahrrad

Vor fast exakt einer Woche ging es für Malte und mich los. Frühmorgens trafen wir uns, mit Rucksäcken und viel Motivation beladen und starteten unsere Radtour!

 

2. Dezember 2013: Jinja – Kampala (91km)

Die erste Etappe bereitete uns schon in der Planung einiges an Bauchschmerzen. Es ging um die Strecke nach Kampala, die wohl am meisten befahrenste Straße in ganz Uganda. Hunderte der schwer beladenen Trucks aus Mombasa rasen auf dem Highway nach Kampala und von dort weiter nach Ruanda oder in den Kongo. Dazu kommen Privatautos und die nicht zu unterschätzende Anzahl an Matatus! So entschieden wir uns, wenigstens für die Hälfte der Strecke einen kleinen Umweg zu nehmen und fuhren auf einer sehr sehr staubigen Sandpiste, hier Dirtroad genannt, nach Lugazi und sahen somit bereits nach den ersten 30 km aus wie Sau! Durch die bereits am Morgen brennende Sonne und den feinkörnigen Staub haben wir uns fast nicht mehr wiedererkannt, völlig rotbraun durch den Sand. Wir gönnten uns eine kleine Sambusa-Pause (kleine frittierte Teigtaschen gefüllt mit Erbsen) und waren so gestärkt für unsere Weiterfahrt.

Die erste Allee, die ich hier gesehen hab! Bestehend aus Mangobäumen inmitten riesiger zuckerrohrplantagen. am ende stand ein gutshaus aus der kolonialzeitStaubige Straße...Autofahrer kommen gar nicht mal auf den gedanken, etwas zu bremsen. lieber wird gehuptLandschaft zwischen Jinja und Kampala kurz vor LugaziLugazi und der schöne Kreisverkehr ;)

Denn ab Lugazi gab es keinen anderen Weg als den Highway. Mit vielen smogverursachenden, und jetzt passt der „Neues aus Büttenwarder“ Begriff wirklich, Vollblechtreckern, denn viel mehr sind die Autos hier nicht, rollten wir mit annehmbarer Geschwindigkeit bis nach Mukono, dem Tor nach Kampala. Durch die sehr hohe Verkehrsdichte, die Hitze und den ewigen Gestank in die Region wurde das Radfahren zu einem Kampf und ich war sehr froh, als wir endlich den Northern Bypass erreichten, die große Umgehungsstaße Kampalas, die man fast als Autobahn bezeichnen könnte. Dieser Straße mussten wir nur knapp 20km folgen und erreichten dann wohlbehalten, verschwitzt und völlig verdreckt die Wohnung von Patrick, unserem Kampala Freiwilligen.

Mukono...ein Blick zurück. der mit Abstand schlimmste Abschnitt unserer Tourdas Nelson Mandela Statium in Kampala. Hier finden die Internationalen Fußball und Kricketspiele statt. Nelson Mandela ist hier sowieso ein ganz großes Thema, besonders jetzt!Der Nothern Bypass, eine der modernsten Straßen in Uganda, entwickelt und gebaut von europäischen Ingenieuren. eine große umgehungstraße im norden kampalasKurz vor Patrick im Stadtteil Mpererwe

Im Nachhinein zähle ich unsere erste Etappe überhaupt nicht mehr zu unserer Radtour; es war eine notwendige Strecke, die mit dem Taxi ebenso stressig gewesen wäre! Zur Belohnung gabs dann aber erstmal das beste Kikomando Ugandas, das ist Chapati in Stücke geschnitten zusammen mit der üblichen Bohnensuppe – superlecker, und einen kleinen Barbesuch in Namere, dem kleinen Stadtteil im Norden Kampalas, in dem Patrick wohnt. Durch die Anstrengung der ersten Strecke gingen wir schon ziemlich früh schlafen.

 

3. Dezember 2013: Kampala – Mityana (88km)

Der zweite Tag startete etwas entspannter. Gemütlich gegen halb elf verließen wir Namere und machten uns bei bestem Wetter auf den Weg zum Kampala-Fort Portal Highway, der Straße, der wir die nächsten vier Tage folgen wollten! Die ersten 20km verflogen wie nichts, auf gerade Strecke des Nothern Bypass ohne Wind und mit sehr viel Motivation kamen wir super voran.

Ziemlich schnell am Ende des Nothern Bypasses. Hier gehts dann endlich auf die Straße nach Fort Portal!Pause kurz hinter der Abzweigung. und ich mit großem Rucksack und verstaubtem Rad

Nach nicht mal einer Stunde erreichten wir unsere Straße unnd von da an wurde es auch anstrengend. Sofort stieg die Straße an und wir gerieten wieder mal ordentlich ins Schwitzen, es waren wieder um die 30°C und kurz hinter Kampala ist auch der Verkehr immer noch unerträglich. Doch nach nur wenigen Kilometern ließ genau dieser nervenraubende Verkehr nach, wir gewöhnten uns an die teilweise erheblichen Steigungen und genossen es einfach nur, mit dem Fahrrad auf Tour zu sein und die Landschaft Ugandas auf eine ganz andere und einzigartige Weise kennenzulernen.

Manchmal sahen die Steigungen schon echt demotivierend aus...Straßenbild :)Diese abgefahrenen Bäume hat man auf diesem Streckenteil häufiger mal gesehen. doppelt so hoch wie der sie umgebende WaldBUH!! das sind die heimischen Rinder, genannt Ankole Rinde, die sind auch z.B. auf der 100UGX Münze abgebildetDie Hörner dieser Kühe können anderthalb Meter und länger werden! das fleisch soll im gegensatz zu europäischen rindern jedoch sehr zäh sein. da ankole billiger sind, sieht man sie trotzdem recht häufig (niemals angebunden, immer frei!!)

Die Anzahl der Dörfer wurde mit wachsender Entfernung von Kampala immer geringer und die Strecken ohne Zivilisation, nur umgeben von Wald oder Wiesen wurden häufiger. Also beschlossen wir im nächsten Dorf einen kleinen Pauseneinkauf zu machen, unter anderem eine frische Ananas, um dann unabhängig von Dörfern irgendwo in der Natur unsere Mittagspause zu verbringen.

In Uganda eine Pause zu machen, zumindest wenn man so wie Malte und ich die falsche Hautfarbe hat, ist nicht ganz einfach und meistens auch ziemlich anstrendend. Paradoxerweise würde ich behaupten, eine Pause im Dorf ist anstrengender als die Fahrt. Grund dafür sind die Bewohner der Dörfer, die unheimlich interessiert an den Weißen sind, vor allem wenn sie Essen auspacken und sich einfach auf den Boden setzen. Man hat Glück, wenn nicht gleich jemand ankommt und dir einen Plastikstuhl reicht! Also suchten Malte und ich gegen Mittag leicht verzweifelt einen ungestörten Platz, was angesichts der Tatsache, das ugandische Dörfer fast nur an den großen Straßen existieren, keine einfache Aufgabe ist. Zwischen zwei Dörfern wurden wir dann fündig an einem Mini-Steinbruch und einem kleinen Wasserloch mit hunderten Kaulquappen und gefühlten 40° Wassertemperatur. Also setzten wir uns auf den Boden, aßen unsere Ananas und einen Chapati und schauten auf ein vorbeiziehendes Gewitter, das und glücklicherweise verfehlte, denn Maltes Rucksack war nicht wasserfest. Und wir waren tatsächlich für dreißig Minuten ungestört!

Pause am See...in der sonne sitzen und aufs vorbeiziehende Gewitter schauenKurz vor Mityana noch mal ein Blick auf die Straße ;)

Schon am Nachmittag erreichten wir Mityana und wir waren gespannt, wo wir wohl die Nacht verbringen würden, denn um Mityana am besten zu beschreiben braucht man nur ein Wort: Kaff! Eine Stadt, durch die man eigentlich nur durchfährt und keine überflüssige Minute verweilt. Doch in meiner Karte war ein Hotel eingezeichnet und tatsächlich: Da existieren in diesem Dorf zwei große Hotels, eines sogar mit Konferenzsaal! Und niemand konnte uns sagen, wieso. Also fragten wir beim ersten an, ob wir denn im Garten unser Zelt aufstellen dürften und im Idealfall eine Dusche bekommen könnten. Doch die lehnten uns leider ab. Also mussten wir zum zweiten Hotel fahren, welches sowieso etwas gemütlicher aussah und sagten wieder unseren Text auf. Der Manager Sylvester war völlig verwirrt: so etwas sei ihm noch nie passiert, er wüsste gar nicht wie er damit umgehen soll und wie wir uns das denn vorstellen. Die Gelegenheit haben wir ausgenutzt und auf eine schön aussehende Grünfläche gedeutet und noch einmal den Duschwunsch geäußert. Da es jedoch hier keine öffentlichen Duschen gibt, bekamen wir ein ganzes Zimmer, in dem wir eben nur die Dusche nutzen durften und diese auch bezahlten. Wirklich eine witzige Lösung und wahrscheinlich auch nur möglich, wenn man sonst nicht viele Gäste hat.

Die Nacht war aber sehr gemütlich und erholsam!

 

4. Dezember 2013: Mityana – Mubende (97km)

Wieder starteten wir ziemlich entspannt in den Tag. Mit dem Luxus einer Morgendusche und einem leicht bedeckten Himmel brachen wir gegen zehn auf. Da wir die Etappe davor trotz des späten Aufbruchs und heißem Wetter wieder viel zu früh an unserem Ziel waren, beschlossen wir dieses Mal, einen kleinen Abstecher zum Lake Wamala zu machen. Der See liegt nicht weit von Mityana, doch trotzdem haben wir fast einen zwanzig Kilometer langen Umweg gemacht, da der See noch in keinster Weise erschlossen ist und nur mit viel Geduld und Fragen durch kleine Dirtroads durch die Natur zu erreichen ist.

Doch genau das war das Besondere. Hier hat man wirklich noch das richtig dörfliche Leben Ugandas im Einklang mit der Natur beobachten können und die Natur an sich war zwar verändert, aber eben auf eine rücksichtsvolle Weise. So sind wir auf dem Weg durch wirklich schöne Moore und Feuchtwiesen gefahren!

kleine Dirtroads durch die Landschaftkleine Farmen, die auf sehr ursprüngliche Art und Weise bewirtschaftet werden bestimmen das Landshaftsbild

Irgendwann erreichten wir dann auch den See an einer winzigen Schneise für die Fischer. Wo in Deutschland ein Schilfgürtel existiert, so gibt es hier einen Papyrusgürtel, aus bis zu 6m hohen Pflanzen! Dieser ist wirklich eindrucksvoll. Papyrus sieht man hier relativ häufig; sie bilden gigantische Areale in den Wetlands, den Feuchtgebieten Ugandas zwischen Kampala, Jinja, Mbale und Soroti und sind meistens sehr hoch!

Dort unten am See habe ich dann auch meinen ersten Seeadler in Uganda gesehen, einen Weißkopf-Seeadler (Haliaeetus leucocephalus), dieses Mal hab ich selbst nachgeschaut, den ich sehr beeindruckend fand. Vor allem, als er anfing zu schreien!

Da man unten am See nicht pausieren konnte, fuhren wir wieder ein Stückchen hoch und frühstückten auf einer Wiese, die voll mit wilden Ananas war und schauten auf den wirklich fast unberührten See.

erster Blick auf den See WamalaEine Ananasplantage und im Hintergrund wieder der See...wir waren auf einer HalbinselDer Weißkopfseeadler :)Der einzige Zugang zum See in dieser Region. Das links ist Papyrus mit ca 6m Höhe. Alles war voll von kleinen bunten Vögeln, darunter Eisvögeln und tausenden Libellennoch ein komischer Vogel...ich weiß noch nicht was das istund dann hat der Seeadler sogar noch mal einen Laut von sich gegeben!wildwachsende Ananas auf der Wiese :)und auf der Dirtroad gehts zurück zum Highway

Sobald wir wieder auf dem Highway waren fuhren wir wieder mit normaler Geschwindigkeit weiter und genossen mal wieder das inzwischen heiße Wetter. Da wir am See gut gefrühstückt hatten, bruachten wir auch keine weitere Pause. So zog die sich auf dieser Strecke stetig ändernde Landschaft an uns vorbei und es gibt gar nicht so vieles zu berichten.

Zurück auf der Straße...mittags war es dann doch anstrengend, da der Asphalt anfing, die Sonnenwärme auch noch von unten abzustrahlendie Straße ist aber wirklich in einem Super-Zustand und Verkehr im Gegensatz zu Jinja doch eher selten

Eine Sache hat uns dann aber doch den Wind aus den Segeln genommen: Kurz nach einem der ganz kleinen Dörfer, wo uns die Menschen auch nur anstarrten, als wären wir Aliens, unterhielten wir uns darüber, dass wir die Menschen wahrscheinlich schon sehr verwirren, wenn nicht sogar schockieren. Wie viele Weiße werden hier schon auf dem Fahrrad langfahren? In exakt dem Moment fährt uns ein Weißer auf einem Trekkingrad entgegen, mit allen möglichen Packtaschen, die man am Rad so haben kann! Ein Südafrikaner auf dem Weg in den Nordsudan kreuzt just in dem Moment, in dem wir uns über die Seltenheit von weißen Radfahrern unterhalten, unseren Weg!Etwas außergewöhnlich wurde unsere Umgebung dann kurz vor Mubende, unserem Tagesziel. In Uganda gibt es kein Rentensystem, und wenn Menschen hier an ihre Altersvorsorge denken, dann pflanzen sie Bäume! Denn mit Holz kann man auch hier gut Geld verdienen. Die am schnellsten wachsenden Bäume sind Kiefern oder hier eben die Pinien. Und wenn jemand sehr viel Geld hat, dann pflanzt er nicht nur 10 Bäume als Vorsorge, sonder 100.000! Das hat zur Folge, dass immer wieder in Uganda Pinienwälder, die überhaupt nicht hier her passen, die Landschaft zieren. Der mit Abstand eindrucksvollste Wald steht eben genau dort vor Mubende und so fühlte ich mich wie in Schweden. Endlose Kieferwälder, laue Luft und ein Straße im Topzustand, die zu allem Überfluss zu dem Zeitpunkt fast nicht befahren war. Und so muss man schon wissen, das man nicht in Schweden oder im Großraum Berlin ist, sondern tatsächlich in Uganda.

In Mubende dann fanden wir auch relativ zügig ein Hotel mit einer kleinen Grünfläche, auf der wir zelten konnten. Die Managerin war vollauf begeistert von meinem Zelt, ich glaube, am liebsten hätte sie auch im Zelt übernachtet. Wir hatten abends dann auch nicht mehr so den Elan noch irgendwas zu unternehmen; 97km durch hügelige Strecke stecken dann schon in den Beinen und wir waren uns auch schnell einig, dass Mubende eine wirklich hässliche Stadt ist. Und so gingen wir auch an diesem Tag schon gegen halb zehn schlafen.

Unser Zeltplatz in Mubende...das Zelt musste ich erstmal trocknen, die Nacht vorher hats wohl doch geregnet

 

5. Dezember 2013: Mubende – Kyenjojo (97km)

Diese Etappe war landschaftlich mit Sicherheit eine der eindrucksvollsten. Schon kurz hinter Mubende bestimmen riesige Felsen die Landschaft, doch nicht so wie in Soroti oder Iganga, sondern hier formen sie eine ganze Ansammlung von den Riesensteinen.

Die Managerin vom Hotel wünschte uns frühmorgens noch eine gute Fahrt und sagte uns, dass unser Etappenziel Kyenjojo nur ungefähr 75km entfernt ist und die Strecke total flach sei. Ich konnte ihr das nicht ganz glauben, denn ich hatte den Vorabend in die Karte geguckt und war mir ziemlich sicher, dass die Strecke mindestens 20km länger ist und man bei den Höhenlinien nicht mehr von einer flachen Strecke sprechen kann. Aber ich dachte mir: Sie ist eine local, sie wird schon wissen, was sie sagt. Nach 30km war uns klar, dass die gute Frau offensichtlich noch nie nach Kyenjojo gefahren ist: Lange und anstrengende Steigungen, seltene Abfahrten und so kletterten wir immer höher! Zudem kam auch noch ein leichter, aber doch ernst zunehmender Gegenwind auf, der die ganze Strecke anhielt und das Fahren zunehmend anstrengender machte. Doch die Landschaft hat einiges wieder ausgeglichen, denn wenn man weiß, dass sich hinter jeder Bodenwelle, die sich vor einem auftut, eine wieder veränderte und meistens schönere Landschaft auftaucht, dann fährt man den Hügel gleich schon schneller! Mubende liegt in einer der Hauptregionen für Mangos, und da ja hier gerade Mangozeit ist, konnten wir nicht widerstehen und nahmen uns ein paar mit.

Mangos, die zu hunderten am Straßenrand verkauft werden...superlecker!!!ich nochmal...bei der Fahrt durch die heiße Landschaft Ugandas

Kurz vor einem der vielen Eukalyptus-Wälder fanden wir dann auch ein schönes, und vor allem verstecktes Plätzchen, denn beim Mangoessen kann man auch mal klebrig werden.

Ein Palmenwäldchen und wieder und wieder SumpflandschaftnKurz nach Mubende prägten gewaltige Felsen die Landschaft. Vorn übrigens wieder ein Ankole RindDie Straße ins schlechte Wetter...Warum man die Straße so in den Sandstein fräst, weiß ich auch nicht. haben die Bauer der Straße auf jeden Fall nicht selten gemacht. und auf den Felsen fanden sich viele viele Geckos

Kurz danach wurde das Wetter leider etwas schlechter: Es wurde sehr schwül, aber kühler und jedes Mal, wenn man einen Hügel runterfuhr, hat man sich eine Jacke gewünscht! Vor allem die drückende Feuchtigkeit war sehr anstrengend. Auf einer freien Strecke, dort wo die Straße bestimmt einen Kilometer nur geradeaus führt, machten wir dann noch das obligatorische Tourfoto und weiter ging es. Ungefähr dreißig Kilometer vor Kyenjojo passierten wir dann ein Forest Reserve, einen gar nicht mal so kleinen Regenwald, der in meiner Karte nicht einmal eingezeichnet war! Doch kurz vor dem Waldstück hab ich dann einmal ein echt afrikanisches Straßenschild knipsen können. So etwas sieht man dann doch eher seltener in Europa.

DAS afrikanische Schild schlechthin ;) Vorsicht, kreuzende Antilopen.das Gruppenbild vor einer schönen Steinlandschaft ;)

Auch die Straße ließ auf dieser Etappe nach und wurde sehr grobkörnig und es gab keine Straßenmarkierungen mehr.

Doch auch Kyenjojo muss ja irgendwann mal kommen und so erreichten wir, völlig erschöpft dieses kleine Städtchen und machten uns wieder auf die Suche nach einem geeigneten Hotelgarten, in dem wir wieder unser Zelt aufstellen konnten. Nach einer Weile wurden wir in einem Hotel fündig, das ganz sicher nicht in diese Stadt gepasst hat; viel zu exklusiv und schick war es. Doch fürs Campen war es ideal, denn es hatte als erstes Hotel öffentliche Duschen und brauchten uns so kein Zimmer geben, so wie es die Hotels zuvor getan hatten.

Radeln in den Regenwald...so hatte ich mir das gewünscht :)Zeltplatz im Hotelgarten

Abends gingen wir noch etwas essen und waren dann wieder relativ zeitig im Schlafsack.

 

6. Dezember 2013: Kyenjojo – Fort Portal (52km)

Der letzte Tag unserer Radtour begann mit Regen. Man merkt schon einen gewaltigen Unterschied im Wetter, wenn man die Region Jinja/Kampala mit Fort Portal vergleicht! Es ist unheimlich nass und auch erstaunlich kühl; man könnte es vielleicht mit den Temperaturen aus dem deutschen Frühling vergleichen. Also mussten wir ein nasses Zelt einpacken und dann eigentlich auch schon unsere mit Abstand kürzeste Etappe starten. Doch leider machte uns Maltes Schlauch einen Strich durch die Rechnung. Aber für zwei Jungs, die in einer Fahrradorganisation arbeiten sollte es kein Problem darstellen, einen Reifen zu flicken. Also starteten wir eben mit zwanzig Minuten Verzögerung.

Routine für den Freiwilligen in einer Fahrradorganisation, vor allem in Uganda. So mussten wir wenigstens nicht im Nieselregen fahrenBack on the road again...ein letztes Mal für diese Tour

Landschaftlich sollte diese Strecke der absolute Höhepunkt werden und sie hat uns nicht enttäuscht!

Zuerst kletterten wir eine ziemlich hohe Hüglkette rauf und hatten einen Wahnsinnsausblick auf die Landschaft, die wir am vorigen Tag gesehen haben.

Der Weg in die BergeUnd der Blick zurück...fast 400 Höhenmeter höher

Als wir dann endlich unsere 400 Höhenmeter geschafft hatten, gab es sogar noch eine Abfahrt, aber die hatte es in sich! Durch die Speedhumps konnten wir nicht sonderlich schnell fahren, aber der Ausblick! Von dieser Hügelkette hatten wir den ersten Blick auf das vor uns aus dem Boden aufsteigende Rwenzori-Gebirge! Mit dem Ziel vor Augen kamn wir dann doch wieder relativ flott voran und es ging durch die berühmten Teefelder von Fort Portal. Auch wenn kein gutes Wetter war, leuchteten diese Felder in einem ganz speziellen Grünton, der einem das alles nicht mehr real vorkommen ließ. Nicht zu vergessen das ständig sichtbare Rwenzori, das mystisch aus den Wolken hervorragte. Interessante Nebeninformation zu den Teeplantagen: Wenn man dort Pflücker ist, dann muss man den ganzen Tag die obersten Blättchen abzupfen. Für ein Kilo dieser kleinen Blätter bekommt man 50 Uganda-Shilling, das sind umgerechnet anderthalb Cents! Für einen ganzen Sack, also circa 40 Kilogramm, ein Tageswerk, bekommen die Pflücker gerade einmal 2000 UGX, also knapp 60ct. Wenn man sich dann mal überlegt, wie teuer Tee eigentlich ist, dann bleibt doch irgendwie die Frage stehen: Wohin gehen die Moneten??

Teeplantagen...was für ein schönes Grün :)

Kurz nach den Teeplantagen fährt man noch durch einen Nationalpark, den Kibale Forest NP, der vor allem für seine Schimpansen bekannt ist. Wenn man mit dem Auto oder dem Bus dort durchrauscht, merkt man wahrscheinlich nicht mal unbedingt, dass da was war! Mit dem Fahrrad jedoch nimmt man die Umgebung schon etwas anders und vor allem intensiver auf, und so war die Querung des Nationalparkes mit dem Rad schon etwas besonderes.

Zu allem Überfluss kreuzt die Straße auch noch einen Urwaldfluss wo ein gigantischer Käfer lag. Auch der Blick, freigelegt durch den Fluss, in den tropischen Regenwald, war sehr eindrucksvoll.

Einfahrt in den Kibale Forest Nationalpark...normalerweise kostet der Eintritt 25$, wir auf dem Rad konnten so rein ;)Der kleine Fluss, der an dieser Stelle die Straße kreuzt und wieder im Dschungel verschwindet
 

Als wir dann schlussendlich weiterfuhren trafen wir tatsächlich noch auf eine Gruppe Paviane, die sich zum Entspannen auf der Straße verabredet hatten. Ohne Respekt vor einem der motorisierten Fahrzeuge, die trotz den „Go slow“ Schilder meistens nicht ansatzweise langsamer werden, saßen sie auf dem Asphalt oder der Leitplanke und vertrieben sich die Zeit. Das sie die Fahrzeuge nicht ernst nehmen ist aber nicht gut, denn einen totgefahrenen Affen hatten wir auf der Strecke bereits gesehen. Aber die Paviane auf der Straße, also Affen, die man nur aus dem Zoo kennt, waren für mich einer der Höhepunkte der Radtour.

Der erste Pavian in freier Wildbahn, den ich gesehen habeund ein ziiiiemlich großer KäferChiller-Affe. völlig entspannt und desinteressiert am VerkehrNoch mal von der anderen Seite

Nur etwa zehn Kilometer nach dem Kibale Forest Nationalpark erreichten wir endlich Fort Portal! Schon erschöpft, mit knapp 400 Kilometern hügeliger Straße in den Beinen aber glücklich gingen wir dann im besten Restaurant Fort Portals essen, quasi als Abschluss unseres Urlaubs!

 

Die Sicht auf Uganda, sei es die Landschaft oder auch die Bevölkerung, ist vom Rad aus komplett anders als aus dem Taxi oder dem Reisebus! Alles zieht langsamer und intensiver vorbei; jeden Hügel kann man nicht nur sehen, sondern auch spüren! Was mich etwas enttäuscht hat, war das Desinteresse der Leute. Wenn wir in einem abgelegenen Dorf Wasser kaufen waren, wo sich Weiße mit Sicherheit nicht zufällig mit ihrem Rad verirren, gab es keinerlei Nachfragen oder erstaunte Blicke. Stattdessen haben sie immer noch versucht uns das Geld aus den Taschen zu ziehen indem sie uns enorm hohe Preise für eine Wasserflasche nannten. Erst wenn wir von uns aus erzählten, was wir machten, gab es mal einen erstaunten Ausruf oder den Satz: „You´re strong men“.

Trotzdem war es ein sehr schöner Urlaub, ich habe viel gesehen und es war mit Sicherheit nicht meine letzte Radtour in Uganda!

Teeplantagen kurz vor Fort Portal. Aufgrund des Wetter konnte man das Rwenzori nur sehr schlecht fotografieren...aber ich habs versucht :) das Gebirge ist das dunkelgraue, vor dem hellgrauen hinter den Teefeldern!

Mittwoch, 27.11.2013

Fahrradkauf in Kampala und Malaria

Seit Anfang November planen Malte und ich eine Radtour nach Fort Portal! Ich hatte die Idee bereits im Oktober, als ich den Kampala-Fort Portal Highway mit dem Auto fuhr, denn die Straße ist in einem Top-Zustand und doch wenig befahren, denn der Hauptverkehrsstrom geht über Masaka. Und die Landschaft, die sich von den Sümpfen Kampalas langsam zum Rwenzori-Gebirge erhebt ist unbeschreiblich schön.

Nach der Testfahrt nach Iganga war klar: Wir machen das! Malte arbeitet bei FABIO, und kann sich deshalb bei solchen Gelegheiten ein annehmbares Fahrrad ausleihen. Ich hingegen stehe mit meinem City-Bike vor einer größeren Herausforderung, und FABIO besitzt nur ein gutes Fahrrad. Erst dachte ich, das geht schon mit meinem Fahrrad, früher ging´s ja auch. Aber als ich dann wieder einmal zum Nile Rivers Camp fuhr, die schlechte Straße 10km lang, und bei jeder Steigung den ersten Gang festhalten musste, damit der nicht spontan in den zweiten wechselt, war klar: mit dem Fahrrad würde eine Radtour über knapp 400km keinen Spaß machen! Also machten Malte und ich den Donnerstag nachmittag frei und wir fuhren nach Kampala: Fahrrad kaufen.

Im Stadtteil Katwe, ein Teil Kampalas, in dem man offensichtlich alle größeren Gebrauchsgegenstände bekommt; seien es Autoteile, Kühlschränke oder eben Fahrräder, wurden wir nach längerem Suchen fündig. Meine Ansprüche waren relativ hoch: 28er Fahrrad, mindestens 50cm Rahmenhöhe, kein Mountainbike und außerdem wollte ich nicht mehr als 100€ zahlen! So unmöglich es klingt, es war möglich und nach unngefähr einer halben Stunde erbittertem Preiskampf, wo ich immerhin 35€ rausholen konnte, hatte ich dann mein neues Fahrrad! Ein Gia nt, 28er, 50cm Rahmenhöhe und so weiter!

..

Überglücklich, dass mir jetzt alle Touren, Wochenendtrips und längere Distanzen ohne weitere Probleme offenstanden, begaben wir uns wieder in die Innenstadt. Nach erfolgreichem Kauf einer Gitarrenseite für Max und dem nach wie vor bestehenden Staunen über diese Stadt gingen wir noch äthiopisch essen.

Die ganze Zeit ging mir jedoch nicht aus dem Kopf, wie ich mein Fahrrad von Kampala nach Jinja bringen sollte, außer es selbst zu fahren. Ich konnte mir auch keine Möglichkeit im Taxi vorstellen, es sei denn, es hätte einen kleinen Korb oben auf dem Dach, wo Gepäck gegen kleinen Aufpreis transportiert wird. Doch alle meine Sorgen waren umsonst, denn als wir dann nach dem Essen auf den Taxipark kamen, zur Jinja Station liefen und nachfragten wurde sofort gesagt: "no problem, no problem..sit down." Ein hundert-Euro Fahrrad sollte man auf dem Taxipark aber nicht leichtfertig aus den Augen lassen, also ging ich mit dem Fahrer zum Kofferraum und sah mir das an: sie banden das Rad an den hintersten Sitzen fest, klappten den Kofferraumdeckel so weit wie möglich zu und banden den an der Anhängerkupplung fest. Wahnsinn - unkompliziert und einfach wie es in Deutschland niemals möglich wäre! Und so erreichten wir zwei Stunden später Jinja und ich hatte mein neues Fahrrad: Der Tour nach Fort Portal stand nichts mehr im Wege.

Ganz so einfach war das dann doch nicht! In der Nacht von Freitag auf Samstag lehrte mich Uganda, dass man nicht nur gesund sein kann. Mit typischen Grippesymptomen verbrachte ich den Samstag, nicht einmal mehr in der Lage mein Bett stehend zu verlassen, geschweige denn zum Kiosk zu gehen und etwas Airtime für das Internet zu holen. Insgesamt habe ich bestimmt 15 Stunden geschlafen an dem Tag!

Montag besuchte ich frühmorgens das Rippon Medical Centre Jinja, auch wenn ich mich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr so schlecht fühlte! Doch nach kurzem Bluttest war klar: Ich hab Malaria. Also heißt es jetzt täglich 18 Tabletten schlucken und hoffen, dass die Krankheit schnell wieder weggeht. Leider hab ich dadurch auch die Einführungswoche für die neuen Freiwilligen, die Sonntag angekommen sind, verpasst. Und auch meine Radtour, die am Freitag starten sollte, steht natürlich auf der Kippe...Vielleicht besteht aber die Möglichkeit, die ganze Aktion um eine Woche zu verschieben!

Ich wusste immer schon, dass ich Mücken nicht leiden kann...

Freitag, 15.11.2013

Radtour nach Iganga

Am Samstag unternahmen Malte und ich auf eine Radtour nach Iganga. Die erste längere und dafür leihten wir uns extra am Vorabend zwei gute Mountainbikes von einem Niederländer aus, der uns allerdings erstmal noch übers Ohr hauen wollte, und drehten so am Freitag abend schon einmal eine kleine Proberunde.

Samstag um fünf Uhr dreißig hat mein Wecker geklingelt, denn wir wollten möglichst früh los um der großen Hitze zur Mittagszeit zu entgehen. Der Gedanke an sich ist ja nicht schlecht, doch an diesem Tag wäre das nicht nötig gewesen: Als wir morgens um sechs aufbrachen regnete es in Strömen. Und da Mountainbikes keine Schutzbleche haben, sahen wir bereits nach 10 Minuten aus wie Sau. Aber ohne zu zaudern schafften wir die ersten 15 Kilometer in Richtung Iganga und dann besserte sich auch das Wetter so langsam. Nach einer quasi frisch gepflückten Banane zur Stärkung ging es dann weiter bis zur nächsten Zwangspause. Maltes Schlauch verabschiedete sich von seiner Luft und wollte gern ein Pflaster haben. Also hieß es Flickzeug rausholen und im immer noch andauernden, leichten Regen einen Reifen reparieren.

und die erste Zwangspause...

Doch das Fahren hat Spaß gemacht, durch die guten, wenn auch zu kleinen Räder hatten wir ein gutes Tempo drauf und ach gut zweieinhalb Stunden Fahrt und einer sehr sehr hügeligen Strecke erreichten wir Iganga, wo komischerweise die Sonne schien.

In Iganga gibt es einen Felsen, der dem Soroti Rock ähnelt, aber lange nicht so groß ist. Von dort oben kann man jedoch sehr gut auf Iganga und die umliegende Landschaft gucken. Dieser Felsen war unser Ziel innerhalb Igangas und liegt ungefähr 45 km von Jinja entfernt.

Sieger und Beweisfoto ;) die beiden in der Mitte waren eigentlcih unsere Begleiter, auf der Fahrt waren sie aber immer viel langsamer als wir!Blick vom Felsen Richtung Süden

Unsere beiden Begleiter, zwei Ugander die bei FABIO, Maltes NGO arbeiten, kannten den Platz noch nicht und fanden ihn ebenfalls sehr schön. Was mich persönlich an diesem Tag verwundert hat, war mein Sonnenbrand am Abend. Es war mein erster Sonnenbrand seit meiner ersten Woche in Uganda, aber an diesem Tag war die ganze Zeit Regen und Wolken und ich habe mir einen Sonnenbrand geholt.

Noch am Vormittag traten wir unseren Rückweg an und nun auch auch die Sonne die Sonne für uns. Es ist immer wieder faszinierend, wie viel mehr man vom Rad aus sieht. Die Strecke nach Iganga bin ich schon dutzende Male mit dem Matatu gefahren, doch doch vom Fahrrad habe ich Ecken gesehen, die mir im Matatu überhaupt nicht aufgefallen sind!

Rückblick nach Iganga und ein paar Boda Bodas (die Motorradtaxen)

Auf ungefähr Hälfte der Strecke zurück haben wir noch eine kleine Mango-Pause engelegt, denn nun endlich ist in Uganda Mangozeit und man kann sich die einfach wie Äpfel vom Baum pflücken. Hier habe ich dann auch gelernt, das man Mangos keinesfalls schälen muss; frische Mangos vom Baum kann man auch einfach mit Schale essen!

Gegen halb zwei erreichten wir Jinja, nun auch wieder mit Regen und, was ich hier noch nicht in dieser Form erlebt habe, einem richtigen Sturm!

Völlig erledigt, aber zufrieden mit der Tour, kamen wir zu Hause an und hatten eigentlich Lust gleich am nächsten Wochenende wieder loszufahren. Mukono ist das Ziel, nur dieses Mal nicht die Hauptstraße entlang, sondern eine Nebenstraße nördlich des Mabira Forest! Leider ist Fahrräder ausleihen sehr teuer und ich bin am überlegen, mir für mein verbleibendes Jahr doch noch ein Fahrrad zuzulegen.

Auch die große Radtour, die ich theoretisch mal geplant hatte, von der Nordgrenze zum Sudan bis zur Südgrenze nach Ruanda, fällt für mich aus durch die Finanzen. Da es größtenteils von einem in den Staaten lebenden Ugander geplant wurde, fiel diese nicht ganz in meine Richtung aus (von wegen in Hotels und Lodges übernachten und ein Begleitwagen) und außerdem würde mich der Spaß knapp 600$ kosten. Dafür kann ich in Europa einen Monat auf Radtour gehen und nicht nur eine Woche!

Viele Grüße aus der Wärme!!

Dienstag, 05.11.2013

Leben in Jinja und eine Sonnenfinsternis in Soroti

Zuerst einmal möchte ich dieses Mal das alltägliche Leben in Jinja beschreiben. Was für mich nach drei Monaten völlig normal geworden ist, klingt für andere vielleicht sehr anders und interessant!

Ich habe mich gut hier eingelebt: das Leben am Victoriasee und an der Quelle des Nils ist nicht sonderlich stressig, das Wetter ist sowieso meistens gut und an die vielen vielen Moskitos gewöhnt man sich auch. Die Industrie, die Jinja in jede Himmelsrichtung umgibt und davon zeugt, dass Jinja tatsächlich die zweitgrößte Stadt und nach Kampala der wichtigste Wirtschaftsstandort in Uganda ist, geht mir so langsam etwas auf die Nerven! Eigentlich kann ich au meinem Haus gehen, die Straße herunterschauen und den blauen Victoriasee sehen. Doch leider hat sich eine Chemiefabrik direkt an das Ufer gepflanzt, so das ich an sechs von sieben Tagen nur undurchdringlichen, schwarzen und ziemlich giftig aussehenden Qualm sehe. Auch riechen tut es hier nicht immer besonders gut; es gibt zwar eine Müllabfuhr, die jedoch nicht so richtig genutzt wird, man bevorzugt das Verbrennen von jeglichem Müll im eigenen Vorgarten oder die Lagerung in großen Müllhaufen am Straßenrand, wo sich auch Ratten und Kakerlaken äußerst wohlfühlen!

Mein nagelneues Bob Marley Poster!Mein Zimmer von der Tür aus...es ist tatsächlich noch kleiner als mein altes in Rostock!Mein Zimmer vom Bett aus...

Doch wie sieht ein typischer Wochentag bei mir aus? Auf jeden Fall beginnt er in der Regel mit Aufstehen zwischen sieben und acht Uhr morgens. Frühstück esse ich nicht so richtig, es sei denn es ist noch etwas vom Abend da, und meistens trinken Christoph und ich morgens nur eine Tasse Kaffee. Gegen halb neun bis neun mache ich mich auf den Weg zu BSPW, natürlich mit dem Rad, und kämpfe mich durch den morgendlichen Verkehr und vor allem durch den dadurch entstehenden Smog. Jeden Tag quere ich den Nil von Jinja nach Njeru, einem Vorort, und schaue auf die Reste der Owen Falls, die heutzutage nicht mehr als eine Stromschnelle sind. Dort am Nil ist mein Arbeitsweg am Schönsten: Ich sehe Eisvögel, Pelikane, Reiher und viele Fischerboote. Mit etwas Glück sehe ich Nilwarane und mit ganz viel Glück und bisher auch nur ein einmaliges Event, ein Nilpferd! Auf der Arbeit angekommen warten die unterschiedlichsten Sachen auf mich: Schrauben in der Werkstatt, etwas Büroarbeit oder ein Fieldtrip, bei dem Kyambadde und ich kleine Dörfer und Gemeinden besuchen und uns ein Bild über die Lage machen. Um 13 Uhr gibt es bei BSPW Mittag mit allen zusammen. Die Köchin Rita kocht local food, doch meistens sehr lecker! Es gibt jeden Tag Reis, dazu Matooke, Posho, Süßkartoffel oder Cassava (Maniok) zusammen mit Bohnen, Groundnuts oder etwas, das aussieht wie kleine Wassermelonen und sehr bitter schmeckt. Leider konnte mir noch niemand einen Namen dafür sagen. Doch das zusammen essen macht Spaß, die Leute sind nett und man hat eigentlich immer etwas zu lachen. Zwischen 16 und 17 Uhr fahre ich wieder nach Hause und brauche meistens erstmal eine Dusche. Da ich zur Arbeit nahezu ausschließlich abwärts fahre muss ich auf meinem Nachhauseweg logischerweise ordentlich strampeln und bei 30 Grad kann einem dann schon mal ganz warm werden. Dann freu ich mich sogar auf die kalte Dusche, auch wenn die morgens natürlich nicht so nett ist. Am Nachmittag ist bei mir meistens nicht mehr so viel los. Manchmal fahre ich zum Nile Rivers Camp, dem mit Abstand schönsten Platz in Jinja, manchmal muss ich einkaufen oder ich treff mich nochmal mit Malte.

Letztens wollten wir Schuhe kaufen und machten uns auf die Suche nach dem Schuhmarkt in Jinja. Nach längerem Suchen fanden wir ihn dann in einem Innenhof in der Nähe eines Sikh-Tempels. Das Bild was sich uns bot kann man fast nicht beschreiben. Während in Europa ein Schuhladen wohlsortiert und mit Regalen besticht, liegen hier Tausende Schuhe einfach auf dem Boden herum: weder nach Paaren, noch nach Größe geordnet und nur bedürftig von löchrigen Plastikplanen vom Regen geschützt. Wenn man hier also Schuhe kauft muss man schon ungefähr drei Stunden einplanen, denn zweieinhalb Stunden dauert es mit Sicherheit, bis man ein Paar gefunden hat. Denn was bringt einem ein Schuh, der einem eventuell gefällt? Abends gibt’s in der WG meistens Rolex, Nudeln oder nichts. Da muss ich der Wohnung von Nico und Malte Respekt zollen, die sich etwas mehr zum Kochen aufraffen können! Und wenn gutes Wetter ist, dann setz ich mich meistens nochmal auf die Dachterasse, genieße die warme Nacht und die Geräusche der afrikanischen Stadt, die so anders sind als europäische Geräusche!#

Ein paar Bilder von der Tier- und Pflanzenwelt in und um Jinja und ein paar Eindrücke von der Stadt:

Das Postoffice...viel Zeit hab ich da schon verbracht und vergeblich nach Post geschaut. die sind hier nicht sonderlich zuverlässig. Aber letzten Freitag endlich habe ich einen Brief und ein Paket bekommen!!! :)Die Tourismus-zentrale und die Bell Avenue, einer Querstraße zur Main StreetDer große Roundabout. Links gehts nach Iganga, geradeaus nach Jinja Town, hinter mir gehts zu den Bujagali Falls und rechts nach Kampala. Die vielleicht wichtigste Kreuzung in JinjaDie Abzweigung nach Kampala ist mein Arbeitsweg!Während es in Deutschland grau wird, blühen hier noch einige Blumen :)Diese hier sieht man häufiger als in Deutschland GierschHandtellergroß, oder noch größer und gelb wie ne Zitrone...so sehen hier die Nachtfalter ausKomischer Vogel, oder? Wenn jemand ne Idee hat, was das ist, soweit schreiben!!!

Am Wochenende haben sich fast alle Uganda-Freiwilligen in Soroti getroffen. Und das nicht nur, um Zora und Paloma zu besuchen, sondern vor allem natürlich um die Sonnenfinsternis zu sehen! Also stiegen Christoph und ich am Samstag ins Taxi nach Mbale und von dort nach Soroti, wo wir etwa um 21 Uhr ankamen.

Zwischenstation in Mbale auf dem Weg nach Soroti und ein Blick ins Mt. Elgon Massiv!! Auf dem Fotos siehts leider nicht so endrucksvoll aus, wie es wirklich ist! Aber das Problem kennt ja jeder...

Ich war die letzten Tage leider ziemlich erkältet, weshalb ich erst überlegt hab, nicht zu fahren, denn in den Taxis ist immer das Fenster offen und Zug ist garantiert. Und das ist bei Halsschmerzen, Fieber und Schnupfen nicht unbedingt ideal. Doch ich hab mich aufraffen können, denn so eine Sonnenfinsternis sieht man ja nicht unbedingt jeden Tag! In Soroti angekommen verbrachten wir den Abend zusammen und eigentlich gibt es ja bei jedem dieser Treffen immer viel zu erzählen, denn in jeder Region Ugandas ist es doch irgendwie wieder anders. Am Sonntag sah ich mir die Stadt an, nach Fort Portal und Kasese eine der Schönsten die ich bisher in Uganda gesehen habe! Soroti liegt in einem unendlichen Sumpfgebiet, was auch unzählige Moskitos verursacht, und trotzdem liegt mitten in der Stadt ein gewaltiger Felsen herum, der Soroti Rock. Diesen Felsen zu besteigen ist aufgrund des Militärs nur mit Bestechungsgeld möglich, doch der sieht schon gewaltig aus und vor allem passt er überhaupt nicht in das Bild des flachen Sumpfes.

Christoph und ich besorgten dann noch Schweißerbrillen, denn ohne ist es nicht ratsam in die Sonne zu gucken. Auf dem Weg zu einem geeigneten Platz zum Beobachten der Sonnenfinsternis kamen wir noch an einem Supermarkt vorbei, um etwas Wasser zu kaufen. Dort musste ich das bisher grausamste in Uganda miterleben. Der Laden von einem muslimischen Besitzer war schon merkwürdig durch die vielen Schilder im Eingang, die Diebe vor Diebstahl warnten. Eines davon pauschalisierte jeden Kunden als Dieb mit der Aufschrift: „Don´t steal, you thieves“ oder etwa das Werbeschild das den „Heiligen Krieg“ pries, mit dem Satz „The struggle continues“. All das verursachte eine unangenehme Atmosphäre in dem Laden. Leider wurde dieser Eindruck bestätigt. Es gab tatsächlich einen Dieb, woraufhin der Ladenbesitzer anfing den Dieb mit Fahrradschlössern auszupeitschen. Als dieser vor Schmerzen anfing zu schreien und wegkriechen wollte, kettete der Besitzer ihn an ein Regal, gab noch zwei weiteren Fahrradschläuche und sie schlugen nun zu dritt auf den am Boden liegenden und gefesselten Mann ein. Die Schreie, die der Arme von sich gab kann man nicht mehr vergessen. Doch was mich am meisten schockierte war das Grinsen in den Gesichtern der Umstehenden und der Schläger. Sie schienen einen Mordspaß zu haben und machten sich noch über uns lustig, da bei den Mädchen schon Tränen fließen und keiner recht wusste wie man mit dieser Situation umgehen soll. Diebe sind äußerst verpönt in Uganda, doch diese Maßnahme und die Reaktionen darauf erscheinen mir doch zu radikal!

In solchen Situationen sehe ich kaum noch Sinn in Entwicklungshilfe. Warum sollte man den Menschen hier noch Geld schenken und versuchen, sie an den Westen anzupassen (was meiner Meinung sowieso der falsche Ansatz ist), während in den Köpfen der Leute noch soviel anders ist und man sich hier manchmal fühlt wie im europäischen Mittelalter! Wie wären denn Ritter und Burgfrauen mit Autos, Elektrizität und Coca Cola umgegangen? Wieso ist das eine eigenartige Vorstellung und in Afrika gang und gäbe? Die Leute sind noch nicht so weit, was man unter anderem an Aktionen wie dieser Auspeitschung hier, dem Aufblenden bei Nacht, wenn sich zwei Autos begegnen, um zu zeigen, dass man sich sieht und die vielen Leute, die wir vor der Sonnenfinsternis getroffen haben, die nicht arbeiten waren, da sie davon überzeugt waren, dass in 3 Stunden die Welt untergeht!

Mit gemischten Gefühlen sind wir dann weitergegangen und um 16 Uhr versammelten wir uns alle am Fuß des Soroti Rocks und warteten darauf das sich der Mond vor die Sonne schiebt. Leider war der Streifen, wo man eine totale Sonnenfinsternis hätte sehen können nur knapp 20km breit und wir waren nicht darin, doch ich persönlich fand schon diese Sonnenfinsternis super beeindruckend!

Warten auf die Sonnenfinsternis...ein superschöner Platz am Fuß des Soroti RocksAusrüstung: komplett! fehlt nur noch der Mond vor der Sonne ;)ES GEHT LOOS!und es wird immer dunkler...das Bild ist grün, da ich durch die Schweißerbrille knipsen mussteDer Soroti Rock...viele viele Eidechsen!

Abends gingen wir noch etwas essen und alle, die nach Jinja oder Kampala oder noch etwas weiter mussten nahmen den Nachtbus um 22 Uhr, sodass Christoph, Nico, Malte und ich um halb drei in Jinja waren. Das Wochenende war spannend, für mich mit Erkältung etwas anstrengend, doch durchaus lohnenswert, denn die nächste vergleichbare Sonnenfinsternis ist erst in 600 Jahren wieder in Uganda zu sehen!

Montag, 14.10.2013

Eine Reise in den Wilden Westen

Jetzt gibt’s erst mal was zu lesen! Am Montag waren wir mal wieder auf einem Fieldtrip, um uns eine neue Farmgruppe anzuschauen, denen es mit Fahrrädern vielleicht besser gehen könnte. Einziger Unterschied dabei: Normalerweise reisen Kyambadde und ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den einzelnen Dörfern, was mitunter sehr lange dauern kann und irgendwann auch nervig wird. Dieses Mal begleitete uns ein Regierungsmitglied, der uns kurzerhand in seinen Privatwagen mit Chauffeur einlud, was die ganze Reise natürlich erheblich erleichterte.

Wir konnten jedoch erst gegen eins, statt gegen zehn Uhr aufbrechen, und kamen so mit drei Stunden Verspätung in der ersten Community an. Auf der Fahrt dorthin verstand ich erst, wieso wir so überaus komfortabel reisten und wieso ein Regierungsmitglied im Fond sitzt.

Der Mann war ein Angestellter im Parlament Ugandas und hat sich nach 15 Jahren im Reichtum und Luxus an sein altes Heimatdorf zurück erinnert, und voller Mitleid gesehen, wie schlecht es den Leuten geht. Also wandte er sich an Robert und BSPW, um ein paar Fahrräder für sein Dorf zu bekommen. Und Kyambaddes und meine Aufgabe ist es dann, sich ein Bild von der eigentlichen Lage zu machen, auch wenn der „Auftraggeber“ ein Regierungsmitglied ist.

Vorweg: Hierarchie spielt in der Geschäftswelt Ugandas ein ganz große Rolle. Robert war weich wie Butter, als er mit dem Parlamentarier sprach, äußerst aufgeregt und mir stellte er ihn quasi als einen Halbgott dar. Kyambadde sah die Sache etwas gelassener, aber vielleicht ist er den Umgang mit solchen Leuten gewöhnt. Als Weißer hingegen steht man nahezu über jeder Hierarchie. Erkannt habe ich das daran, dass der Mann vom Parlament darauf bestanden hat, dass ich vorne im Auto sitze!

So sahen wir uns das Dorf an und dann auch noch eine zweite Community in der Gegend und ganz zum Abschluss besuchten wir den Geburtsplatz von unserem Gastgeber. Wir lernten seine Mutter kennen und ganz nebenbei auch noch sein Haus, das er gerade baute. Auf den Dörfern, die soweit draußen auf dem Land sind, wie dieses, findet man normalerweise nicht mehr als ein paar Lehmhütten, manchmal auch gemauerte Häuschen. Er dagegen baut sich dort einen wahren Palast zusammen, der sogar europäischen Standard übertrifft. Drei Schlafzimmer, Kinderzimmer, riesige Fensterfronten und sowas wie Küche und Hauswirtschaftsraum, wenn man es denn als solchen bezeichen will, wurden außerhalb in das Bedienstetenhaus gelagert. Nicht das man in seinem eigenen Haus noch mit Arbeit belästigt wird. Als wir uns das sich noch im Bau befindende Haus ansahen fragte ich Kyambadde, ob die Nachbarn, die offensichtlich sehr arm waren, nicht neidisch werden. Er aber meinte, das die sich sogar freuen würden, dass so ein reicher Mann sein Haus in ihr Dorf baut. Und Neid spielt da keine Rolle mehr, der Abstand ist zu groß. Jeder weiß, das sie so reich niemals sein werden. Dieser Mann ist eben von Gott gesegnet.

Als es dunkel wurde, brachen wir auf Richtung Jinja und ich war doch etwas nachdenklich gestimmt, was sich noch dadurch verstärkte, als uns der Mann zu Cola und Chapati einlud. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, denn der Mann hat ja Kohle wie Sand am Meer, das hatte er ja gerade eben bewiesen, aber irgendwas störte mich an der Art, wie er uns einlud. Als er mich direkt vor meine Haustür fahren ließ, fragte er mich, was ich denn zum Abendbrot esse. Ich antwortete ihm, dass ich ja schon Chapati und Cola hatte und das ja eigentlich schon reicht. Darauf sagte er mir nichts, entschuldigte sich für die späte Stunde und drückte mir einen Geldschein in die Hand und sagte mir, ich solle mir noch zwei gekochte Eier kaufen, als Snack.

Ich stieg aus, sie fuhren weg und dann sah ich mir den Schein an. Für gekochte Eier braucht man bei enormen Wucherpreisen 1000 UGX, also ca. 30ct. In meiner Hand jedoch waren 20.000 UGX! Und dann war mir auch klar, warum ich bei seiner Einladung ein komisches Gefühl hatte: Der Typ hat Kyambadde und mich bestochen, dass sein Dorf auch wirklich Fahrräder bekommt. Korruption geht im Land an der Spitze der Korruption weltweit bis in die kleinsten Glieder. Und ich hab sie unterstützt, doch um das Geld zurück zu geben war ich zu langsam, der Wagen war schon weg. Dieses Erlebnis hat mich schon etwas schockiert.

Ein paar RegenzeitimpressionenWolken sehen hier manchmal ganz schön bedrohlich ausUnd Autos sind in der Regenzeit nicht immer das perekte fortbewegungsmittelDie Villa des Regierungsmenschen. Das Haus rechts ist nur für die Bediensteten!!

Am nächsten Tag sollte meine Reise in den Westen Ugandas beginnen; endlich mal raus aus Jinja und dem Osten und mal etwas neues sehen! Und vorweg muss ich erst nochmal sagen: Jinja liegt tatsächlich in einer der hässlichsten Ecken Ugandas. Vor dieser Reise hätte ich niemandem ernsthaft empfohlen, in Uganda einen Urlaub zu planen. Wer Industrie sehen will kann auch nach Dortmund fahren. Jetzt jedoch muss ich sagen, dass Uganda ein wunderschönes Land mit einer unheimlich abwechslungsreichen Landschaft ist, und es sich durchaus lohnt, einmal herzufahren!

Am Vormittag besuchte ich noch einmal die Post, weil ich inzwischen seit nun mehr als fünf Wochen auf einen einfachen Brief und ein Päckchen aus Deutschland warte, zumal das Päckchen mehr und mehr essentiell wird, da mein Handy nun endgültig kaputt ist, aber natürlich war das Postfach wieder leer. Gegen halb elf war mein großer Rucksack fertig gepackt, die Wanderschuhe geschnürt und ich setzte mich in ein Taxi nach Kampala. Mein eigentliches Tagesziel war die Nature Palace Foundation bei Katende, einem Dorf 40km hinter Kampala, und gleichzeitig die Einsatzstelle von Max. So hielt ich mich nicht lange in der Hauptstadt auf und suchte ein weiteres Taxi nach Katende. Leider fand ich den Blue Room – Taxipark nicht und landete letztlich auf dem Buspark für Überlandfahrten, so etwas ähnliches wie ein Bahnhof für ICE's.

Am 9. Oktober war Independence Day und deshalb war am Tag vorher noch mächtgi was los in der STadtDer Buspark in Kampala.

Aber auch der fuhr mich nach Katende und schon nach 20km hinter Kampala fing es an, landschaftlich richtig schön zu werden. Hügel mit Wäldern bewachsen und Dörfer kamen nur noch sporadisch vor und nicht wie östlich von Kampala ohne Übergang zum nächsten. Was mir dieses schönen Ausblick verdarb, war ein Unfall, wegen dem sich ein Endlosstau bildete. Der Unfall war von der ganz bösen Art. Ein großer Reisebus, die hier mit waghalsigen Fahrmanövern und Durchschnittsgeschwindigkeiten von 110 km/h durch das Land brettern, wollte wohl überholen und krachte dabei frontal in ein im Vergleich winzig erscheindendes Matatu, das nun so groß wie ein Chapati war. Bei dem was ich erkennen konnte, hat das kaum jemand aus dem Matatu überlebt und diese Fahrzeuge sind niemals leer besetzt. An so etwas muss man sich hier leider gewöhnen, Unfälle sind auf den Überlandstrecken keine Seltenheit, was keinesfalls verwunderlich ist bei der hiesigen Fahrweise. Doch abstoßend war das Verhalten der Dorfbewohner des Unfallortes. Ich dachte immer, Deutschland wäre schlimm, was Sensationsgeilheit angeht, denn dort habe ich schon Leute im Schrebergarten mit Fernglas einen Unfall beobachten sehen. Doch hier standen circa 300 Leute um den Unfall herum, aßen und tranken etwas und schauten sich die auf der Straße liegenden Toten und Verletzten an. Die Polizei, die bereits vor Ort war, kam nicht mal auf die Idee, den letzten Rest der Würde der Toten zu bewahren, in dem sie entweder den Mob zurückhalten oder wenigstens die Toten zudecken würden.

Wieder einmal bis ins letzte Mark erschüttert kam ich letztlich in Katende an und war kurz darauf auch bei Max, der die aus meiner Sicht bisher schönste Einsatzstelle hat. Zwei kleine Bandas direkt in dem botanischen Garten, eine schöne Landschaft und Afrika pur, zum Beispiel was die Kanisterdusche angeht. So saßen wir abends um ein Lagerfeuer, aßen ein paar Chapati und hatten einen sehr netten Abend. Doch mein Plan war ja nicht in Katende zu bleiben, auch wenn es mir sehr gut gefallen hat, und so brach ich am nächsten Morgen zur Hauptstraße auf. Dabei fiel mir auf, das ich zwar meine Kamera mithatte, aber leider nicht eine meiner drei Speicherkarten. Also musste ich auch noch eine Speicherkarte besorgen, was aber kein weiteres Problem darstellte. Die fünf Kilometer von Max bis zu Straße lief ich zu Fuß und da hier ja gerade Regenzeit ist, dauerte es nicht lange bis ich mich in meine regendichte Hülle kleiden musste. Doch kurz darauf hupte es hinter mir und ich erkannte einen Toyota-Van, die Ecke dort muss so etwas wie der Speckgürtel Kampalas sein, ich habe einige große Häuser gesehen. Auf jeden Fall fragte mich der Fahrer, ob er mich bis zur Straße mitnehmen kann. Als ich fragte, wohin er fährt, antwortete er Masaka, und da das ungefähr meine Richtung war, durfte ich sitzen bleiben und so sparte ich mir viel Zeit und Geld. John, so hieß der Fahrer, war gut drauf und konnte mir immer etwas über die schönen Dinge in der umliegenden Landschaft erzählen. Als wir Buwama passierten, wo Naomi wohnt, die ich auf meiner Reise leider vergessen hatte und deshalb keine Zeit mehr, sie zu besuchen, fiel mir ein, dass es von Buwama nicht weit zum Äquator ist, doch als mein GPS endlich ein Signal empfing, war ich schon auf der Südhalbkugel! In Masaka angekommen, bedankte ich mich bei John, kaufte noch eine Flasche Wasser und setzte mich nach längerer Wartezeit in einen der Fernbusse, die Masaka auf dem Weg nach Kasese über Mbarara durchquerten. Auch diese Fahrt war sehr schön, Dörfer kamen nur noch selten vor, dafür aber ewig weite Steppen und leichte Gebirgswellen in der Landschaft. Kurz vor Mbarara fing es dann an zu gewittern und leider wurde es dann auch schon dunkel.

Eine Landschaft ohne Dorf...In der Umgebung Jinjas unmöglich...Ausblick :)Eine Superstraße für ugandische Verhältnisseweite steppen...teilsweise hab mich wie in könig der löwen gefühlt. aber so weit weg sind die löwen ugandas von dort gar nicht mehrGewitter kurz vor Mbarara...sehr eindrucksvoll. nur der bus war schon so alt, dass das dach nciht mehr dicht war! gut dass ich ne regenjacke dabei hatte

Das hat mich wirklich sehr geärgert, denn die Strecke zwischen Mbarara und Kasese über Bushenyi ist wirklich einzigartig. Riesige Teeplantagen und als absolutes Highlight natürlich die Fahrt durch den Queen-Elizabeth Nationalpark, bei dessen Querung man durchaus Antilopen und Büffel zu sehen bekommt. Doch bei Dunkelheit und dazu noch Regen sieht man davon nicht so viel, außer dem Äquatordenkmal bei der zweiten Äquatorquerung zurück auf die Nordhalbkugel. Doch das ist dann schon ziemlich ärgerlich. Kasese erreichte ich erst gegen halb zehn in der Nacht, und da ich keine weiteren Pläne hatte, schnappte ich mir ein Boda auf den nächsten Zeltplatz. Er meinte, es sei nicht weit, doch letztendlich waren wir knapp 40 Minuten unterwegs und auf dem Zeltplatz selbst war gerade Powercrash aufgrund des andauernden Regens und folglich war es stockduster. Ich hab schon gedacht, der Bodafahrer hat mich sonstwo abgesetzt, aber kurz darauf leuchtete eine Taschenlampe auf und Sam, der Nachtwächter, führte mich auch den Campingplatz, der eigentlich nur ein Garten war. Karen, die Managerin begrüßte mich auch noch und sagte, ich sei mitten in den Bergen. Ich darauf, das kann ich gar nicht glauben, es war ja stockduster, und Berge sah ich nirgendwo. Karen meinte darauf nur, dass ich mich auf den nächsten Morgen freuen solle. An diesem Abend jedoch setzte ich mich noch kurz vor mein Zelt und freundete mich mit Daniel an, einem ehemaligen Rwenzori-Guide, und er bot mir an, am nächsten Tag mit mir eine Tour zu machen, auch wenn ich mir immer noch nicht vorstellen konnte, dass hier irgendwo Berge sein sollen.

Als ich dann am nächsten Morgen aufwachte und mein Zelt öffnete, war das tatsächlich beeindruckend. Ich war direkt im Gebirge und die über 4000 Meter hohen Gipfel des Rwenzori-Massivs schauten mir direkt ins Zelt. Irgendwo in der Nähe rauschte ein Gebirgsbach, kein Wunder nach dem Endlosregen, und von Kasese sah ich keine Spur mehr. Nach einer warmen (!) Dusche, die erste seit zweieinhalb Monaten, und einem Tee traf ich mich gegen zehn mit Daniel und wir marschierten los. Er kannte das Gebiet gut, immerhin ist er Führer, doch mich nahm erm weil wir uns gut verstanden, umsonst mit. Der Nationalpark selbst war zu teuer, 35$ pro Tag und Kopf und dazu noch Führer und sonstige Gebühren blechen kann sich ein Freiwilliger dann nicht leisten. Doch da Daniel selbst mal Guide im Nationalpark war, kannte er ein paar Schleichwege, wie man 35$ sparen kann.

frühmorgens, nach einer warmen (!) dusche vor meinem zelt im rwenzoriMan erkennt es fast nicht, aber die Berge dahinten in den Wolken sind über 4000 m hoch!! also mehr als 2800m Höhenunterschied vom Standort.Hinter dem Zaun ist der Gebirgsbach, der vom Dauerregen ziemlich eindrucksvoll rauschteDer kleine Zeltplatz.

Gleich am Anfang sah ich mein erstes Chamäleon, ich war total begeistert. Später dann erreichten wir soger etwas, das Daniel die Chamäleon-Zone nannte. Auch erzählte er mir, dass hier im Rwenzori die Baumgrenze bei 3500 Metern liegt. Die Zugspitze wäre in Afrika also noch voll bewaldet!! Schon nach 2h wandern waren wir 800 Meter höher und erreichten bald die 2200 Meter Marke, und leider auch die Wolkengrenze. Andernfalls hätte ich einen atemberaubenden Blick auf den Queen-Elizabeth Nationalpark und Kasese einerseits, und andererseits auf den schneebedeckten Gipfel des Margeritha Peak, der höchsten Erhebung des Rwenzori mit mehr als 5000 Metern, gehabt. Aber das wäre ja nicht zum Aushalten gewesen. Außerdem ging zu diesem Zeitpunkt die neu gekaufte Speicherkarte kaputt, aus welchem Grund auch immer. Und hätte ich diese Wahnsinnsaussicht gehabt und wäre dabei nicht in der Lage sie zu fotografieren, dann hätte ich mich sehr geärgert. Also Dank sei den Wolken.

Das erste Chamäleon!!! Die sind sowas von abgefahren...Der Bach aus dem NationalparkDie Der Weg nach oben...allerdings nach unten fotografiertein erster blick ins tal zurück und auf die von wolken verhangenen gipfel des rwenzoriIch finde, die Berge sehen total verwunschen aus...Ab 2000 Meter kamen dann die WolkenEines meiner Lieblngsbilder...die Ziege in den Wolken über dem AbgrundDiese lustige Käfer haben Wassertropfen produziert und der ganze Baum hat getropft. Ich dachte erst, der Baum filtert irgendwie den Nebel, aber es waren die KäferUnd noch ein zweites Chamäleon...ich mag die :)Passionfruit auf über 2000m Höhe...in Deutschland steht sie im Wohnzimmer ;)Und noch ein Käferlein

Unser eigentliches Ziel war ein Wasserfall im Nationalpark auf 2300 Meter Höhe und das erreichten wir dann auch bald. Die Grenze des Nationalparks ist sehr einfach zu erkennen. Felder und Wiesen hören auf, und es beginnt undurchdringlicher Bergregenwald. Einfach der Wahnsinn. Man kann es nicht so richtig beschreiben, aber ich war von alldem so beeindruckt, dass ich Daniel damit ziemlich amüsierte, glaube ich.

Das Wasser im Wasserfall war klar und eisig kalt und nachdem Daniel das Wasser trank, hab auch ich mal probiert, und ich muss sagen es war köstlich. So saßen wir eine Stunde am Wasserfall und ich habe einfach mal die Natur genossen, von der ich so lange nichts mehr gesehen hatte. Keine Hütte, kein Feld, keine Bananenplantage...Herrlich!

Der Wasserfall...der befindet sich schon im Nationalpark und es war einfach klasse. nicht groß oder eindrucksvoll, aber irgendwie wunderschönWilder Bergregenwald!! Affen und bunte Vögel vorprogrammiert, Laut Daniel gibt es dort sogar Felsenpythons und CobrasEine Flechte für Papa und alle anderen Interessierten. Natürlich befindet sie sich nciht in meiner Sammlung...oder etwa doch?Das Wasser war eiskalt und superklar und hat sehr gut geschmeckt.Beweisfoto!!! Ich war auch wirklich da!Noch ein Blick zurück in den NAtionalpark...da werden Sehnsüchte geweckt!!

Bei unserem Abstieg klarte es dann sogar noch auf und wir hatten einen super Blick auf das knapp 1000 Höhenmeter tiefer liegende Kasese und den Nationalpark. Wieder am Zeltplatz angekommen, beschloss ich die 15km nach Kasese, trotz der Wanderung und schmerzenden Beinen, zu Fuß zu gehen und auch das hat sich gelohnt. Ich habe die Berge genossen und außerdem ging es ja stetig bergab. Schade war nur die nicht vorhandene Option, ein paar Fotos zu machen. Motive gab es zu tausenden.

Blick auf Kasese und den Queen Elizabeth NP...klar noch sieht man nicht so vielDa ist das hier schon besser!Sieht ein bisschen aus wie ein Hirschkäfer, hat auch versucht mich anzugreifen, als ich ihn auf die Hand nehmen wollte, aber sein Das Tal, in dem sich der Zeltplatz befindet. Rechts ist das Rwenzori-MMassiv, in dem es eindrucksvoll zu gewittern begannDas Tal kommt näher und der Abstieg fast bewältigt. Im Hintergrund die weiße Fläche ist ein Regenschauer, hinter dem sich riesige Berge verstecken...typisches Rwenzori-WetterDa gucken die noch mal ganz leicht zu einem 3/4 durch....ich bin da schon auf meinem 15km Fußmarsch nach KaseseIch will zurück!!!

Nach drei Stunden Fußmarsch und mit einem letzten Blick auf die beeindruckenden Gipfel des Rwenzori erreichte ich Kasese und traf mich dort mit Amelie, der dortigen Freiwilligen, die mir am nächsten Tag noch ihr Projekt vorstellte. Für diesen Ausflug lieh ich mir ihre Speicherkarte und habe dementsprechend auch ein paar Fotos, die aber noch in ihrem Besitz sind. Ich werde sie jedoch bestimmt bald abholen und hier veröffentlichen.

Nach dem Besuch von Biogardens, ihrem Projekt, trafen wir noch eine Britin namens Natalie und machten uns auf den Weg nach Fort Portal zu Sonja. Nach drei Tagen alleine reisen, machte mir das Reisen in der Gruppe wieder richtig Spaß und in Fort Portal sollten insgesamt 15 Leute zusammenkommen, von denen ich gerade zwei kannte. Auf dem Weg dorthin sah ich jedoch auch den zweiten Unfall auf dieser Reise, doch der war so brutal, dass ich ihn nicht näher beschreiben werde. Man braucht schon ziemlich starke Nerven, wenn man auf Ugandas Straßen unterwegs ist. Auf dieser Fahrt bekam ich auch meinen ersten afrikanischen Namen: Akiri, was so viel bedeutet wie Strong Man. Mein Name in Fort Portal ist also Carl Akiri Venzmer. Denn nur dort spricht man diese Sprache und im Luganda oder Lusoga gibt es das Wort nicht.

In Fort Portal trafen wir uns abends dann alle in einem niederländischen Restaurant, in dem man europäisches Essen bekam, und hatten einen sehr netten Abend. 15 Freiwillige von 4 verschiedenen Organisationen aus 6 verschieden Orten in Uganda und zwei verschiedene Nationalitäten (Deutsch und Britisch) bringen eine Menge Unterhaltung und interessante Begegnungen mit sich.

Für den Samstag hatten die Fort Portal Leute eine Tour zu den nahegelegenen Crater-Lakes geplant. Das sind Seen vulkanischen Ursprungs mit bis zu 105 Meter Tiefe! Auf diesem Trip hatten wir auch noch Allan und Aron dabei, zwei Ugander aus Fort Portal, die sich dort auskannten und wir uns auch so die Gebühr sparen konnten. Unser Ziel war wieder einmal ein Wasserfall zwischen zwei der Crater-Lakes, und an dem aufgrund der Regenzeit enorme Wassermassen 20 Meter in die Tiefe stürzten. Allan und ich kamen dann auf die witzige Idee, den Wasserfall hochzuklettern, und als wir 10 Meter über den anderen vor den tosenden Wassermassen standen, zog auch der Rest langsam nach. Leider hatte ich vergessen mein Handy und mein Geld aus der Jeans zu nehmen, und da es doch ein wenig nass werden kann im Wasserfall, wurden auch diese Dinge nass. Aber mein Handy war ja sowieso im Dutt.

Fotos werde ich mir auch hier von den anderen Anwesenden zusammen sammeln.

Abends erkundeten wir dann noch das im Vergleich zu Jinja doch etwas spärliche Nachtleben von Fort Portal und am nächsten Morgen musste ich ja schon wieder aufbrechen nach Hause.

Doch auch auf der Fahrt von Fort Portal nach Kampala konnte ich wieder trampen, sparte eine Menge Zeit, Geld und Nerven und wie sich herausstellte, hat Leo 5 Jahre in Deutschland gelebt und bei der Arche gearbeitet und war großer Fan von Herbert Grönemyer und Xavier Naidoo. Außerdem ist er der Koordinator von Via-Freiwilligen (Via ist eine Organisation wie artefact) in Uganda und war auch Besuch der Fort Portal Freiwilligen, mit denen ich die letzten Tage verbracht hatte. Auf der Fahrt beschloss ich in näherer Zukunft auf dem kaum befahrenen Highway Kampala - Fort Portal, durch wieder einmal auf dieser Reise fantastische Landchaften, eine Radtour zu unternehmen.

Ab Kampala ist es ja dann Heimstrecke für mich und so kam ich gegen 19 Uhr wieder in meiner Wohnung an und stieß noch mit Christoph, Nico und Malte nachträglich auf seinen Geburtstag an, den ich durch meine Reise leider verpasst hatte.

Ich hatte die bisher schönste Woche in Uganda, hab viele nette Leute kennengelernt, vor allem als ich alleine unterwegs war und kann jetzt wieder voll in den Alltag starten! ;) Viele Grüße!

Auf dieser Seite werden lediglich die 15 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.